17:01 20 Januar 2017
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    "Wedomosti": Kinder namhafter russischer Reformer gehen in die Politik

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    MOSKAU, 22. Juli (RIA Nowosti). In den Kandidatenlisten für die Wahlen zur Moskauer Stadtduma im Dezember werden bekannte politische Namen auftauchen. Der 24-jährigen Marija Gaidar wurde angeboten, die Liste der liberalen Partei Union der Rechtskräfte zu leiten, während die 21-jährige Schanna Nemzowa für ein Direktmandat kandidieren wird, schreibt die Wirtschaftszeitung "Wedomosti" am Freitag. Nach Ansicht der Zeitung sind aber diese Namen einer politischen Karriere kaum förderlich.

    "Für Kinder ist es komplizierter, den Ruf unabhängiger und ernsthafter Politiker zu erlangen, sie stehen im Schatten der Erfolge bzw. des Ruhms ihrer Väter", meint der Politologe Sergej Kurginjan. "Wenn sie eine ernsthafte politische Karriere anvisieren, werden sie beweisen müssen, dass sie ihre eigene Position vertreten. Vorerst wirkt der Aufmarsch der Töchter (von Gaidar und Nemzow) komisch."

    Wie die Kandidatinnen selbst sagen, hätten ihre Väter sie an dieser Entscheidung nicht gehindert. Jegor Gaidar war Stellvertreter von Präsident Boris Jelzin in der Regierung Russlands und gilt als "Vater der Schockreform" Anfang der 90-er Jahre. Sein Kollege Boris Nemzow hatte eine große russische Region geleitet und war 1997 bis 1998 Vizepremier in der Regierung Viktor Tschernomyrdins. Beide leiteten zu verschiedenen Zeiten Reformerparteien, die heute nicht im Parlament vertreten sind. Beide Reformpolitiker sind derzeit äußerst unpopulär.

    "Politikerkinder kamen nach Breschnew in Mode", so der Politologe Wjatscheslaw Nikonow, Enkel des Außenamtschefs der Stalin-Epoche, Wjatscheslaw Molotow. "Im zaristischen Russland und in Sowjetrussland nach dem Krieg wählten sie vorwiegend eine Militärkarriere. Heute wird man aber auf diese Weise besonders schnell bekannt."

    Im heutigen Russland ist dies eine recht verbreitete Erscheinung. In der Staatsduma sind beispielsweise sowohl der Chef der Liberaldemokratischen Partei (LDPR) Wladimir Schirinowski als auch sein Sohn Igor Lebedew tätig. Nach Ansicht des LDPR-Abgeordneten Alexej Mitrofanow werde Schirinowski seine Partei seinem Sohn auch übergeben. Der frühere Vizechef des Aufklärungsdienstes Vitali Margelow ist Abgeordneter der regierenden Partei ‚Einheitliches Russland', während sein Sohn Michail Mitglied des russischen Parlamentsoberhauses ist.

    Ein anderer Weg für Kinder namhafter Figuren ist die Wirtschaft. Pjotr Fradkow, Sohn des Regierungschefs Michail Fradkow, ist Vizedirektor der Fernöstlichen Hochseereederei. Als Vizepräsidenten von Banken arbeiten Ilja Woloschin (Konversbank), Sohn des früheren Chefs des Kreml-Administration Alexander Woloschin, Sergej Iwanow (Gasprombank), Sohn des gleichnamigen Verteidigungsministers, Sergej Matwijenko (Vneshtorgbank), Sohn der Sankt Petersburger Gouverneurin. Arkadi Kulik, der Sohn des Abgeordneten Gennadi Kulik von der Agrarpartei, ist Vizevorstandschef der Rosselchosbank.

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