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    Russlands Diplomaten verurteilen das ABC-Interview mit Bassajew

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    MOSKAU, 29. Juli (RIA Nowosti). Das Außenministerium Russlands nahm es extrem negativ auf, dass der amerikanische Fernsehsender ABC dem tschetschenischen Terroristenführer Schamil Bassajew eine Tribüne gewährt hat.

    „Natürlich nehmen wir es extrem negativ auf, denn es wurde einem bluttriefenden Terroristen eine Tribüne gewährt“, sagte ein Vertreter des Departements für Information und Presse im russischen Außenministerium gegenüber RIA Nowosti.

    „Damit erreichen die Terroristen ihr Hauptziel. Sie machen sich die Massenmedien nutzbar und schüchtern die Weltgemeinschaft ein“, sagte der Vertreter des Außenministeriums.

    Er unterstrich, der Umstand errege Aufmerksamkeit, dass die Sendung, in deren Rahmen das Interview lief, nach den fürchterlichen Terroranschlägen in London und in Ägypten ausgestrahlt wurde.

    „Es entrüstet, dass die Fernsehgesellschaft ABC News sich entschlossen hat, die Argumente der Botschaft Russlands gegen die Ausstrahlung des Interviews mit dem weltweit berüchtigten Terroristen Schamil Bassajew zu missachten“, heißt es in einer Erklärung der russischen Botschaft in den USA.

    Der Protest der Botschaft ging der Fernsehanstalt ABC und der Redaktion der Sendung Nightline einige Stunden vor dem Beginn des Interviews zu, sofort nachdem es angekündigt worden war. Dennoch wurde das Material ausgestrahlt.

    ABC gab bekannt, dass das Interview mit Schamil Bassajew Ende Juli vom russischen Journalisten, Andrej Babizki, in Tschetschenien aufgenommen wurde.

    In der Pressemitteilung verweist ABC darauf, dass Babizki nach Tschetschenien fuhr, um ein Interview mit dem Vize-Präsidenten der Separatisten, Doku Umarow, aufzunehmen. Doch nach Irrfahrten über unbekannte Wege und zweiwöchigem Warten wurde Babizki in ein Fahrzeug gesetzt, in dem sich Schamil Bassajew befand. Der Journalist verbrachte zwei Tage in der Gesellschaft des Terroristen.

    „Die Redaktion der Sendung Nightline bot der russischen Regierung an, an dieser oder einer kommenden Sendung teilzunehmen. Das Angebot wurde zurückgewiesen“, heißt es bei ABC.

    Die Fernsehanstalt räumte ein, dass die Sendung mit dem Interview Bassajews „eine der umstrittensten in der 25-jährigen Geschichte von Nightline sein wird“.

    „Mit seinem Vorgehen demonstriert ABC News eine empörende Missachtung aller Normen verantwortungsbewusster Journalistik und darüber hinaus der grundlegenden menschlichen Werte“, heißt es in der Erklärung der russischen Botschaft.

    In dem Dokument wird darauf verwiesen, dass die amerikanische Fernsehgesellschaft „einem der Fanatiker von al-Qaida, dem Verantwortlichen für die Ermordung unschuldiger Opfer bei unzähligen verheerenden Terroranschlägen, die er persönlich geplant und ausgeführt hat, einen Sendeplatz geboten hat“. „Er trägt auch die Schuld an der kaltblütigen Ermordung von mehreren hundert Kindern vor einem Jahr in der südrussischen Stadt Beslan“.

    Die Botschaft erinnert daran, dass Schamil Bassajew als Nummer 49 auf der Liste der internationalen Terroristen steht, die das Sanktionskomitee des UN-Sicherheitsrates führt, womit ihn „die internationale Weltgemeinschaft eindeutig als Terroristen qualifiziert“.

    „Russland und die USA sind sich längst einig, dass es für Terroristen keine Rechtfertigung geben darf. Diese Position wurde auf dem Gipfeltreffen der G8 in Gleneagles bekräftigt, wo die Staatschefs der führenden Mächte die vollständige Ausrottung des Terrorismus in ihrer Gemeinsamen Erklärung als ihr Hauptziel bezeichnet hatten“, so erinnert die diplomatische Vertretung Russlands.

    „Dass eine überregionale Fernsehanstalt einem Kindermörder den Zugang zu dem gesamtnationalen Fernsehpublikum verschafft, erschwert nicht nur die Lösung dieser Aufgabe, sondern wirft auch ernsthafte Fragen nach Vertrauen in diesen ehrenwerten Fernsehsender und seinen moralischen Grundsätzen auf“, heißt es in der Erklärung.

    „Es gibt keinen Zweifel daran, dass die Ausstrahlung des Interviews mit Schamil Bassajew durch die Fernsehanstalt ABC News dem Geist der russisch-amerikanischen Partnerschaft in unserem gemeinsamen Kampf gegen die globale Bedrohung durch den Terrorismus widerspricht und auf diese Weise bei den Russen begründet eine Welle der Entrüstung hervorruft“, unterstreicht die Botschaft Russlands in Washington.