19:02 29 März 2017
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    Früherer Yukos-Besitzer Chodorkowski prophezeit linke Machtübernahme in Russland

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    MOSKAU, 2. August (RIA Nowosti). Der frühere Besitzer des Ölunternehmens Yukos, Michail Chodorkowski, der derzeit seine neunjährige Haftstrafe abbüßt, hat am gestrigen Montag seinen bereits dritten programmatischen Artikel nach der Verhaftung im Oktober 2003 veröffentlichen lassen. Darin prophezeit er eine Machtübernahme durch die linken Kräfte in Russland.

    "Die Linken werden trotz aller Tricks siegen, und zwar auf demokratische Weise - in voller Übereinstimmung mit der Willensbekundung der meisten Wähler", behauptet er. In den Zeitungen "Iswestija" und die "Nowyje Iswestija" wird der Artikel am Dienstag kommentiert.

    Stanislaw Belkowski, Generaldirektor des Rates für nationale Strategie, teilt diese Einschätzung Chodorkowskis. Nach seiner Auffassung beträgt die heute potentielle Wählerschaft der Linken mindestens 70 Prozent. Diesem Bild schadet allerdings eine "überaus tiefe Krise der Führerschaft in der linken Bewegung", in erster Linie in intellektueller Hinsicht. Gerade auf diese Nische erhebt der frühere Yukos-Chef Anspruch. "Heute ist Chodorkowski vom Kreml völlig unabhängig. Alles, was alle anderen Politiker noch befürchten, ist mit ihm bereits geschehen", so der Politologe.

    Nach Ansicht von Gleb Pawlowski, Präsident des Fonds für effektive Politik, will Chodorkowski die Beziehung zwischen den Zentristen ("Einheitliches Russland") und den Rechten zerstören, um diese im Kampf gegen die Linken machtlos zu machen. Die gespaltenen Zentristen und die Rechten würden einem Bündnis der Linken und der Nationalisten verlieren. Es wird wohl nicht einfach sein, eine solche Spaltung durchzusetzen, die Zeitungen aber, die mit Yukos eng verbunden sind, führen täglich ihre propagandistische Arbeit.

    Wladimir Ryschkow, Mitglied des politischen Rates der Republikaner Russlands, ist der Auffassung, dass eine Amtsübernahme durch die Linken von den Demokraten abhängig sein wird: "Sollten wir keine neue starke Partei gründen können, würden die Chancen der Linken größer sein." Nach seiner Ansicht handelt es sich beim Artikel Chodorkowskis um einen Aufruf an die gesamte Opposition, sich zusammenzuschließen, um eine Front zu bilden, die der jetzigen Macht entgegengesetzt werden könnte. "Aber auch hier gibt es Schwierigkeiten: Die Liberalen und die linkspatriotische Partei "Rodina" (Heimat) lassen sich schwer zusammenschließen - sie vertreten unterschiedliche wirtschaftliche und politische Ansichten."

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