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    Ex-UNO-Generalsekretär: Völkergemeinschaft sollte eine Definition für den Begriff „Terrorismus“ geben

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    BEIRUT‚ 02. August (RIA Nowosti). Die Völkergemeinschaft muss eine klare Definition für den Begriff „Terrorismus“ geben. Das betonte der ehemalige Generalsekretär der Organisation der Vereinten Nationen, Butros Gali, in einem Interview für RIA Nowosti.

    „Ich habe noch in meiner Eigenschaft als Generalsekretär bei den Diskussionen in der UNO darauf bestanden, eine Definition des Terrorismus einzuführen. Denn es gibt beispielsweise den staatlichen Terrorismus, da ein ganzer Staat in seiner Politik Terroraktionen durchführt, oder Terrorakte, die mit dem Kampf um die Unabhängigkeit verbunden sind. Und wir müssen wissen, wie das zu bewerten ist“, sagte Butros Gali.

    Nach seiner Meinung sollten die UNO-Mitgliedsstaaten ein allgemeines Abkommen darüber ausarbeiten.

    Auf das Problem des Terrorismus insgesamt eingehen, erinnerte der Ex-Generalsekretär daran, dass Terrorismus immer in der Geschichte der Völker existiert habe. Das Neue an diesem Phänomen sei nur, dass der Terrorismus zu einem globalen Problem geworden sei.

    „Die Terroristen nutzen globale Technologien, um Ziele von großen Ausmaßen zu erreichen, indem sie ein Netz aufbauen“, fuhr Butros Gali fort. Nach Meinung des prominenten arabischen Politikers besteht die Spezifik des Terrorismus in der Nahost-Region auch in der Gebundenheit an die Religion. Dem Terrorismus lägen irgendwelche Interpretationen der Religion zugrunde. Aber die Ansichten dieser zahlenmäßig kleinen Gruppen widersprächen in Wirklichkeit der Moral der Mehrheit der Moslems in der Welt, betonte Butros Gali.

    Nach seiner Meinung muss die Bekämpfung des Terrorismus in zwei Richtungen geführt werden - in der praktischen, in der Arbeit der Polizei, und in der ideologischen, da „die Psychologie der Terroristen und das erfasst werden muss, was hinter ihrem Bewusstsein steckt, um eine gegensätzliche Ideologie vorzubringen, ihre falsche Deutung der Religion und der Politik zu korrigieren und ihnen verstehen zu geben, dass dies gegen die Religion, gegen das Völkerrecht und sogar gegen diejenigen gerichtet ist, die solche Aktionen verüben“.

    Butros Gali rief dazu auf, eine internationale Konferenz zur Suche nach einem globalen Herangehen an die Bekämpfung des Terrorismus einzuberufen, um die Anstrengungen der verschiedenen Länder der Welt zu vereinen und gemeinsame Regeln auszuarbeiten. „Der Terrorismus kommt manchmal lokal zutage, aber das ist zum großen Teil eine internationale Erscheinung, und zu seiner Bekämpfung können uns nur gleiche Regeln und Standards verhelfen“, bemerkte Butros Gali. Er erinnerte an die Fälle, da skandinavische Länder sich weigerten, Terroristen, die dort Zuflucht gefunden hatten, an Ägypten auszuliefern, weil sie „andere Gesetze“ hätten.

    Laut Gali sind die Terrorakte in Ägypten kein Zeichen der neuen Zeit. Er erinnerte daran, dass der Premier des Landes, Ahmed Maher-Pasha, der den Krieg gegen Deutschland und Japan erklärt hatte, noch 1945 von Fundamentalisten im Gebäude des Parlaments ermordet wurde.

    Gali stimmte der Meinung nicht zu, dass der Terrorismus unmittelbar mit der Konfrontation zwischen Nord und Süd verbunden ist. „Terrorakte erfolgen in hochentwickelten Ländern und werden auch von Einwohnern dieser Länder selbst begangen, so beispielsweise von Basken in Spanien. Solche Gruppen gibt es auch in Deutschland, in den USA und in Japan. Und der Terrorismus läuft nicht nur auf Angriffe vom Süden hinaus“, betonte Gali.

    Wenn ein globales Herangehen an die Bekämpfung des Terrorismus ausgearbeitet werden müsse, so sollte es sich nicht auf eine seiner Abarten - die islamistische - beschränken.

    Der ehemalige UNO-Generalsekretär, Ex-Außenminister Ägyptens und heutige Präsident der Menschenrechtskommission in Ägypten und Leiter des Süden-Zentrums in der Schweiz hält sich gegenwärtig zu einem Besuch in Beirut auf.

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