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    Ermordung eines Kindes aus Russland in den USA brachte Probleme der Adoption ans Tageslicht

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    NEW YORK, 03. August (RIA Nowosti). Das Stadtgericht in Manassas im US-Bundesstaat Virginia begann am Dienstag mit den Anhörungen im Fall Peggy Sue Hilt, der die Ermordung ihrer Adoptivtochter aus Russland zur Last gelegt wird. Der nächste Verhandlungstag ist auf den 4. Oktober anberaumt, denn die Verteidigung beantragte ein medizinisches Gutachten über die Angeklagte.

    Das verstorbene Kind, Nina Hilt, als Viktoria Baschenowa zur Welt gekommen, war russische Staatsangehörige. Vor ihrer Adoption lebte sie in einem Kinderheim in Irkutsk.

    Die Ermordung brachte einen ganzen Komplex von Problemen ans Tageslicht, die mit der Adoption russischer Kinder durch Amerikaner zusammenhängen.

    Möglicherweise besteht das Schlüsselproblem darin, dass die USA nicht die Haager Konvention über internationale Adoptionen von 1993 unterschrieben haben, die das Bestehen einer nationalen Aufsichtsbehörde vorsieht, welche sich um das Wohlbefinden der adoptierten Kinder kümmert.

    Was Russland angeht, das sich der Konvention im Jahre 2000 anschloss, so hat es sie bislang nicht ratifiziert.

    In den USA gibt es keine föderale Aufsichtsbehörde für internationale Adoptionen. Ämter dieser Art gibt es nicht einmal auf der Ebene der Bundesstaaten. Unter diesen Voraussetzungen übernehmen die konsularischen Vertretungen der Russischen Förderation in den USA und einschlägige Privatagenturen die Kontrolle über die Lebensbedingungen und die Erziehung der Adoptivkinder aus Russland. In geringerem Maße schaltet sich das US-State Departement ein.

    „Nach offiziellen Angaben adoptierten Amerikaner seit 1991 mehr als 43 000 in Russland geborene Kinder“, sagte der Vizekonsul des Generalkonsulats Russlands in New York, Alexander Demkin, in einem Gespräch mit RIA Nowosti. „In 90 Prozent der Fälle leben die russischen Kinder vollauf harmonisch und glücklich mit ihren Adoptiveltern. Verschiedene Schwierigkeiten und Reibungen entstehen bei 10 Prozent der Adoptionen, doch sie sind meistens regelbar“.

    „Für uns besteht eines der Hauptprobleme darin, dass die im Ausland geborenen Adoptivkinder gemäß dem Adoptions-Gesetz der USA aus dem Jahre 2000 beim Überqueren der Staatsgrenze automatisch die Staatsbürgerschaft der USA erhalten“, stellte Demkin fest. „Bis zum Erreichen des 18. Lebensjahres gelten sie für uns als russische Staatsbürger, doch wenn wir den Adoptiveltern diese oder jene Frage stellen, bekommen wir oft zu hören: Wenden Sie sich bitte an unseren Rechtsanwalt. Unser Kind ist Amerikaner“.

    „Nur vier Jahre lang befinden sich die aus Russland ausgereisten Kinder unter unserer Kontrolle und unter Aufsicht der Vermittlungsagenturen, welche dementsprechend vier Jahresberichte an die russischen Vormundschaftsbehörden beim Bildungsministerium und den regionalen Bildungsdepartements sowie an das amerikanische Außenministerium schicken müssen. Nach vier Jahren Berichterstattung und Kontrollbesuchen werden die Kinder zu gewöhnlichen Amerikanern. Sie können dann sogar ohne Unterrichtung der russischen Staatsorgane und Vertretungen von einer anderen Familie an Kindes statt angenommen werden. Wir hatten übrigens einen solchen Fall schon“.

    „Wir verfügen über bestimmte Hebel, mit denen wir auf die Agenturen zur Vermittlung von Adoptionen einwirken können, wenn sie ihren Verpflichtungen nicht in vollem Umfang nachkommen. Auf unser Zeichen hin können sie sowohl die Zulassung in Russland wie auch die Lizenz in den USA einbüßen“, sagte der Vizekonsul. „Leider sind unsere Möglichkeiten im amerikanischen Rechtsraum viel geringer. Was das State Departement angeht, so kann es aufgrund des hohen Grades an gesetzgeberischer Autonomie der Staaten die Lage der im Ausland adoptierten Kinder nicht gründlich kontrollieren. So kann die örtliche Polizei dem außenpolitischen Amt durchaus Informationen über Vorfälle mit Kindern aus Russland vorenthalten, wenn sie entscheidet, die Unterlagen mit einer Geheimhaltungsstufe zu versehen“.

    Demkin führte aus, dass die russischen Konsulate alles unternehmen, um den in Russland adoptierten Kindern die erforderliche Fürsorge zukommen zu lassen, „doch unter Berücksichtigung der Zahl der Adoptionen und unserer recht begrenzten Mittel wäre es einfach unreal, alles kontrollieren zu wollen“.

    „Ich denke, die USA und Russland sollten bilaterale Verträge abschließen, die hier in föderales Recht umgesetzt würden und die Aufsicht über die adoptierten Kinder bis zum Erreichen des 17. Lebensjahres zum Beispiel dem amerikanischen Außenministerium übertragen“, stellte der Vizekonsul fest.

    Für eine Harmonisierung der Gesetzgebung auf dem Gebiet der internationalen Adoptionen und für eine Erweiterung der Kontrollfunktionen örtlicher Machtorgane in diesem Bereich sprach sich auch die Direktorin der Regionalabteilung für die Betreuung von Kindern und Familien beim Departement für Sozialfürsorge des Staates New York, Patricia Schichi, in einem Gespräch mit RIA Nowosti aus.

    „Es wäre logisch, wenn wir derartige Vollmachten übertragen bekämen, doch dazu müssten die entsprechenden Gesetze verabschiedet und zusätzliche Mittel bereitgestellt werden. Übrigens könnte auch das State Department Kontrollfunktionen wahrnehmen, das ist keine prinzipielle Frage“, sagte sie. „Um die Risiken von Gewalt in den amerikanischen Familien, die Kinder adoptierten, zu minimieren, muss die Arbeit auch auf russischer Seite verbessert werden. Dort werden die Kinder nicht ausreichend genug psychologisch betreut. Die Adoptiveltern bekommen dann nicht ausreichende Informationen über medizinische Probleme“.

    Nach Ansicht amerikanischer Fachleute leiden viele Kinder, die aus den GUS-Staaten in die USA kommen, besonders an den Folgen des Alkoholsyndroms.

    Dieser Meinung widerspricht die für die Adoptionsagentur Bridge of Hope tätige Ärztin, Galina Zeikin, ganz kategorisch.

    „Fälle eines ererbten Alkoholsyndroms bei Kindern, die aus Russland kommen, machen bedeutend weniger als 1 Prozent aus“, stellte sie fest. „In der überwiegenden Mehrheit werden gesunde Kinder adoptiert“.

    „Ich möchte die Aufmerksamkeit auf einen anderen Aspekt lenken: In Russland ist die ‚unabhängige Adoption’ zugelassen, welche den Adoptiveltern das Recht einräumt, selbstständig ein Kind zu adoptieren. Bei dieser Variante kommt es vor, dass die erforderlichen medizinischen Untersuchungen versäumt werden, darunter auch die psychologischen Eignungstests der potenziellen Adoptiveltern. Von 13 Adoptivkindern, die in den letzten 15 Jahren unter verschiedenen Umständen in amerikanischen Familien verstarben, sind nur zwei durch die Vermittlung von Agenturen an Kindes statt angenommen worden; die übrigen kamen über unabhängige Adoptionen in amerikanische Familien.

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