23:32 23 April 2017
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    "Wremja Nowostej": Russland ohne Staatspolitik in der Rüstungsindustrie

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    MOSKAU, 9. August (RIA Nowosti). Der Staat hat vorerst keine Personal- und auch keine sonstige Politik im Bereich des Verteidigungsindustriekomplexes, die Verteidigungsindustrie liegt in der Peripherie seiner Aufmerksamkeit. Das stellte Konstantin Makijenko, Vizedirektor des Zentrums für Strategien- und Technologienanalyse, in einem am Dienstag in der Tageszeitung "Wremja Nowostej" veröffentlichten Interview fest.

    Das Verteidigungsministerium ist nicht in der Lage, Prioritäten der militärtechnischen Politik zu formulieren und diese normal zu finanzieren, führte der Experte weiter aus. Von den sechs Milliarden Dollar des staatlichen Rüstungsauftrags dieses Jahres geht rund die Hälfte an die Ausstattung der nuklearen Abschreckungskräfte. Weitere drei Milliarden werden über unzählige wissenschaftliche Forschungs- und Entwicklungsprojekte verpulvert, von denen die meisten nicht zu Fertigmustern geführt werden. Deshalb kann man nicht genau sagen, wo das Geld hinfließt.

    Die führenden Unternehmen des Verteidigungsindustriekomplexes - das sind vorwiegend die größten Flugzeugbaugesellschaften und die damit verbundenen Gerätebauunternehmen - arbeiten weiterhin hauptsächlich für den Export. Der Anteil der ausländischen Lieferungen liegt bei ihnen stabil bei mehr als 90 Prozent.

    Bei einer schlechten Finanzierung des Verteidigungsauftrags werden die Unternehmen des Verteidigungsindustriekomplexes noch schneller aus der Rüstungsproduktion aussteigen. Die Besitzer der Schiffbauholding "Baltijski Sawod" bekundeten bereits ihre Absicht, sich ausschließlich auf zivile Aufträge zu konzentrieren. Die Flugzeugbauunternehmen wollen den Anteil ihrer zivilen Erzeugnisse auf 50 Prozent erhöhen.

    Nach Ansicht des Experten würden unter diesen Bedingungen nur die Unternehmen überleben und an der Spitze liegen, die gemeinsame Projekte realisieren können. "Alle neuen Projekte müssen auf den Weltmarkt und auf die globale Konkurrenz orientiert werden", so Makijenko. "Die Inlandsnachfrage ist heute über eine für die relativ kleine russische Wirtschaft übermäßig große Anzahl von Unternehmen verteilt."

    In einem jeden Sektor des Verteidigungsindustriekomplexes müssten jetzt ein bis zwei Unternehmen mit einer Kapitalisation bis zu drei Milliarden Dollar und einem Absatzumfang ab 1,5 Milliarden Dollar gegründet werden, meinte der Experte.

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