23:43 23 April 2017
Radio
    Politik

    Irak: Der Krieg „Jeder gegen Jeden“

    Politik
    Zum Kurzlink
    0 2 0 0

    BAGDAD, 09. August (RIA Nowosti-Korrespondenten Pawel Dawydow, Jassin Abbas). In Irak geht die Jagd auf ehemalige hohe Offiziere der irakischen Armee und auf Mitglieder der Partei der arabischen sozialistischen Wiedergeburt Baath weiter. Unter Präsident Saddam Hussein standen sie einst an den Hebeln der Macht. In der Nacht zum Montag wurde der Brigadegeneral der Luftstreitkräfte Karim Qaasym Mahmoud in der 55 Kilometer nordöstlich von Bagdad gelegenen Stadt Baakub ermordet.

    Freunde des Ermordeten behaupten, der General sei der schiitischen Todeseskadron, die in der letzten Zeit von sich reden macht, zum Opfer gefallen.

    Die Baath-Partei wurde im Jahre 1947 gegründet. Von 1954 an galt sie als irakischer Zweig der gleichnamigen gesamtarabischen Partei.

    „Seit der Machtübernahme durch die Regierung von Ibrahim al-Jaafari“, berichtet der seinerzeit hochrangige Beamte des Innenministeriums General Abu Muhammad, „werden in Irak die damaligen Exponenten aus Armee, Polizei und Geheimdiensten geplant und organisiert ermordet“. Die Ausrottung erfolgt nach vorliegenden Listen, sagte der Gesprächspartner von RIA Nowosti. „In der letzten Zeit ging die Jagd auf Piloten los, besonders auf die, die bei dem Luftangriff auf das Erdölterminal auf der iranischen Insel Hark dabei waren.“

    Während des von Saddam Hussein vom Zaun gebrochenen Krieges gegen Iran in den Jahren 1980 - 1988 befehligte der in Baakub ermordete General Mahmoud den Luftstützpunkt in der südirakischen Stadt ei-Nasiriya. Die dort stationierten Flugzeuge Mirage-2000 wurden auch bei dem Angriff auf die Insel Hark eingesetzt. Die Zerstörung der dort befindlichen Öldepots und Ölterminals zwang den geistigen Führer Irans, Ayatollah Khomeini, weitestgehend, die Einstellung des Krieges zu verfügen.

    Dem General zufolge werden nicht nur Offiziere ermordet, sondern auch frühere Baath-Mitglieder, Imame sunnitischer Moscheen, die zur Beendigung der Okkupation Iraks aufrufen, Universitätsdozenten und sogar Ärzte.

    Irakische Sunniten, die unter Saddam Hussein an der Macht waren, sind überzeugt, dass die Badr-Brigaden, ehemals militärischer Flügel der schiitischen Partei „Oberster Rat der islamischen Revolution“, dahinterstecken. Zu Saddam Husseins Zeiten war die Oppositionsbewegung auf das Territorium des benachbarten schiitischen Irans ausgewichen.

    „Die Organisation Badr ist voll und ganz für die Morde verantwortlich“, sagte das Oberhaupt des „Komitees islamischer (sunnitischer) Wissenschaftler“, Haris al-Dari, im Gespräch mit RIA Nowosti.

    „Das Ziel derartiger Erklärungen“, heißt es auf der anderen Seite in einer Erklärung von Badr, „ist das Schüren eines Bürgerkrieges, um den Traum (des Führers von al-Qaida im Zweistromland) von as-Sarkawi und der früheren Parteigänger des Saddam-Regimes in die Tat umzusetzen“.

    Doch es würde nicht ganz den Tatsachen entsprechen, wollte man behaupten, nur die Sunniten legten in Irak Schwarze Listen an. Es gibt auch noch andere, mittels derer Schiiten Rache angedroht wird. Diese Listen werden zum Beispiel im Bagdader Stadtbezirk Dora ausgehängt, der von Bewaffneten kontrolliert wird. Auf diesen Listen werden sie als „Verräter und Kollaborateure“ bezeichnet, denen der Tod droht.

    Die irakischen Schiiten behaupten, dass die täglichen Explosionen im Lande gegen sie gerichtet sind und durch die Kämpfer des irakischen Widerstandes mit vorwiegend sunnitischer Herkunft organisiert werden. Das alles lässt die irakischen Behörden davon sprechen, dass in Irak in der letzten Zeit nichts anderes als ein Krieg abläuft. Das erklärte dieser Tage der offizielle Vertreter der irakischen Regierung, Leys Kubba.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren