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    Angriff auf Naltschik - Erinnerungen an Beslan (Übersicht)

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    MOSKAU, 13. Oktober (RIA Nowosti). Am Donnerstagmorgen haben bis zu 100 bewaffnete Terroristen die südrussische Stadt Naltschik, Hauptstadt der Teilrepublik Kabardino-Balkarien, überfallen.

    Sie griffen die Gebäude des Innenministeriums, des Inlandsgeheimdienstes FSB sowie des regionalen Wehrkommandos an und lieferten sich Gefechte mit Bereitschaftstruppen und FSB-Einheiten. Darüber hinaus überfielen sie das Gebäude der Polizei-Spezialeinheit OMON, das Zentrum für Bekämpfung des Terrorismus und die regionale Strafvollzugsbehörde.

    Auch der Flughafen von Naltschik wurde angegriffen. Aber eine Kompanie des Verteidigungsministeriums konnte die Attacke abwehren.

    Als Medien berichteten, die Terroristen hätten eine Schule in ihre Gewalt gebracht, wurden die Erinnerungen an Beslan wieder wach. Doch diese Berichte bestätigten sich nicht.

    In der Stadt gab es große Probleme mit der Telefonverbindung, nach Explosion an einer Sendestation des Mobilfunkanbieters Megafon brach auch der Mobilfunk zusammen.

    Präsident Putin wurde nach Angaben seines Presseamtes über die Ereignisse in Naltschik ständig informiert. Er gab die Anweisung, Naltschik vollständig zu blockieren, damit keiner der Banditen die Stadt verlassen kann. „Jeder, der Widerstand leistet, muss vernichtet werden“, sagte der stellvertretende Innenminister Alexander Tschekalin nach dem Treffen mit Putin.

    Die schweren Straßengefechte zwischen Sicherheitskräften und den Terroristen in verschiedenen Stadtteilen dauerten mehrere Stunden. Erst gegen 16.30 Uhr Moskauer Zeit meldete das russische Innenministerium, der Widerstand der Angreifer sei gebrochen worden, die Stadt werde großflächig nach Banditen durchkämmt, die sich unter die Zivilisten gemischt haben und zu fliehen versuchen.

    Kurz darauf teilte Russlands stellvertretender Generalstaatsanwalt Wladimir Kolesnikow jedoch mit, im Gebäude einer Innenbehörde seien immer noch sieben Terroristen eingekesselt, zwei von ihnen seien verletzt. Zwei weitere Angreifer sollten sich in einem Laden im Zentrum der Stadt verschanzt haben.

    Zwölf Zivilisten tot und Dutzende verletzt

    Bei dem heutigen Terror-Überfall kamen Kolesnikow zufolge insgesamt zwölf Zivilisten ums Leben. Bei den Straßengefechten seien darüber hinaus zwölf Angehörige der Sicherheitskräfte getötet worden. An dem Angriff, der gegen 9.00 Uhr morgens begonnen hatte, sollen sich insgesamt 80 bis 100 Terroristen beteiligt haben, sagte Kolesnikow.

    Mehr als 20 Angreifer wurden getötet, zwölf weitere konnten lebend gefasst werden.

    Kolesnikow zufolge seien bereits die Drahtzieher des Überfalls bekannt. Es handle sich um gewisse Ansor Astemirow und Iljas Gortschchanow, zwei Anhänger der radikalen Islam-Richtung Wahhabismus. Nach beiden werde in der benachbarten Kaukasus-Republik Inguschetien wegen einer Reihe von Schwerverbrechen gefahndet.

    Inzwischen wurde bekannt, dass in die Stadtkrankenhäuser insgesamt 88 Verletzte eingeliefert wurden. „Zu uns sind 23 Menschen gebracht worden“, sagte Marina Jemusowa, stellvertretende Chefärztin des städtischen Krankenhauses Nr. 1. Ihren Worten nach wurden vier Verletzte operiert, die anderen werden ständig von Ärzten überwacht. „Bei ihnen besteht keine Lebensgefahr“, hieß es. Im städtischen Krankenhaus Nr. 2 befanden sich, wie der Leiter der Aufnahme sagte, sieben Betroffene, unter ihnen auch Schwerverletzte. Ins Republikkrankenhaus wurden 58 Verletzte gebracht.

    Als Anlass für den Überfall gilt die am Vortag erfolgte Festnahme mehrerer vermutlicher Terroristen. Deren Anhänger versuchen nun, sie zu befreien.

    Behörden wussten vom möglichen Anschlag

    Die Behörden in Kabardino-Balkarien waren über die Planung eines Großanschlags in der Republik informiert, verlautete aus den Rechtsschutzstrukturen des Südlichen föderalen Bezirks. Auch das russische Verteidigungsministerium hatte nach eigenen Angaben Hinweise auf eine mögliche Zuspitzung der Situation in der Republik. Daraufhin sei der Schutz des Flughafens von Naltschik verstärkt worden.

    Am vergangenen Wochenende waren in einem Vorort von Naltschik zwei Terrorverdächtige verhaftet worden. Im Verhör gestand einer, dass sie einen Anschlag auf den Flughafen der Stadt geplant hatten.

    Aufgrund seiner Aussagen fand die Polizei auf dem Gelände des Werkes für Stahlbetonkonstruktionen in Naltschik mehr als 500 Kilogramm Sprengstoff. Behörden gehen davon aus, dass dieser Sprengstoff für einen Anschlag in der Republik, womöglich im Flughafen von Naltschik, bestimmt war.

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