04:00 19 August 2017
SNA Radio
    Politik

    "Wedomosti": Kreml verstärkt staatliche Präsenz in den wichtigsten Wirtschaftssektoren

    Politik
    Zum Kurzlink
    0 0 0 0
    MOSKAU, 29. Dezember (RIA Nowosti). Der Appetit der Staatsunternehmen ist im scheidenden Jahr in Russland weiter gewachsen. Nun gehören Sibneft, AvtoVAZ und die Petersburger Promstroibank zu den Staatsfirmen. Experten würden sich über neue Einverleibungen durch den Staat im nächsten Jahr nicht wundern, schreibt die Zeitung "Wedomosti" am Donnerstag.

    Im zurückliegenden Jahr behielt der Staat die Rolle des größten Akteurs auf dem Markt der Fusionen und Einverleibungen. Nach Angaben des Projekts Mergers.ru hatte der Umfang des M&A-Marktes 2004 wertmäßig 36,7 Milliarden Dollar betragen. 2005 wird er mehr als 56 Milliarden Dollar ausmachen, während die Staatsunternehmen 17,4 Milliarden Dollar für die Einverleibungen ausgegeben haben - 31 Prozent des Marktes gegenüber 25,8 Prozent im Vorjahr.

    Der Kreml nahm Kurs auf eine verstärkte Präsenz des Staates in den Schlüsselsektoren der Wirtschaft, meinte der Besitzer einer großen Rohstoffgesellschaft. Nach seinen Worten wurde nun den Großunternehmen faktisch verboten, die Kontrolle über ihre Unternehmen an Ausländer zu übergeben. "Jetzt können die Oligarchen ihre Aktiva entweder an einen ähnlichen Oligarchen oder an ein Staatsunternehmen verkaufen", stellt Sergej Suwerow, Leiter des Zentrums für Analyse der Marktkonjunktur der Gasprombank, fest.

    Im Kreml wird diese Tendenz nicht zugegeben. "Das Hauptziel besteht nicht in einer Verstärkung der staatlichen Präsenz, sondern in einer Konzentration von Aktiva, denn nur so könnten wir würdig auf den Außenmärkten konkurrieren", behauptet ein Beamter aus der Präsidentenadministration.

    Die Geschäftsleute glauben dem aber nicht. Ein anderer Großunternehmer ist der Auffassung, dass der Staat auch weiter versuchen wird, Kontrolle über einzelne Aktiva und über ganze Branchen zu bekommen. Die Aktiva, die der Kreml braucht, werden Unternehmer kaufen, die dem Kreml nahe stehen. "Die Beamten sind schlechte Manager", so der Geschäftsmann. "Geschäfte mit loyalen Unternehmen wären die goldene Mitte. Sie sind motiviert, die Unternehmen zu entwickeln, zugleich werden diese vom Staat kontrolliert, die Aktiva könnten von diesem jeden Augenblick zu einem dem Staat passenden Preis aufgekauft werden."

    Oleg Syssujew, Vizevorsitzender des Direktorenrates der Alfa-Bank, ist zuversichtlich, dass der Staat mit einer Verstärkung seiner Positionen eine Zeitmine unter die Wirtschaft legt. Die hohen Ölpreise haben dem Staat die Möglichkeit geboten, auf Strukturreformen zu verzichten. "Angesichts des Fehlens einer entwickelten zivilen Gesellschaft sowie des mittleren und des kleinen Unternehmertums steckt darin die Gefahr einer ernsthaften Destabilisierung", meinte er.