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    "Nowaja Gaseta": Für Russland ist jeder Ausgang der Entwicklung um Irans Atomproblem günstig

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    MOSKAU, 09. März (RIA Novosti). Viele leitende Vertreter der russischen Atomenergiewirtschaft sind überzeugt, dass Iran Kernwaffen entwickeln möchte, bzw. sie schließen diese Möglichkeit nicht aus, schreibt die "Nowaja Gaseta" am Donnerstag.

    Zugleich sehen Experten, die in verschiedenen Zeitabschnitten ins iranische Nuklearprojekt involviert waren bzw. Zugang zu dem hatten, darin keine Bedrohung für Russland.

    Juri Wischnewski, Leiter der Staatlichen Atomaufsichtsbehörde 1991 bis 2003: Die iranische Seite braucht keine Brennstoffe, sie braucht eine Technologie, mit der man Kernwaffen entwickeln kann. Damit möchte sich Iran zu Nordkorea gesellen und sich damit vor einem internationalen Druck, in erster Linie von Seiten der USA, schützen.

    Valeri Bogdan, Vizeminister für Atomenergiewirtschaft 1996 bis 1998: Die iranische Seite würde Kernwaffen auch ohne unsere Mithilfe entwickeln können, wenn sie das wünscht. Die intellektuelle Basis ist dazu da. Technologien sind im Prinzip auch vorhanden, wenn auch nicht die modernsten.

    Ein leitender Mitarbeiter der russischen Atomenergiebehörde Rosatom, der an den Verhandlungen mit Iran teilgenommen hat: Irans friedliche Absichten sind eine Fiktion. Natürlich verfolgen sie ein militärisches Ziel. Iran würde kaum der Gründung eines Joint Ventures für die Urananreicherung auf unserem Teritorium zustimmen, das keinen Zugang iranischer Fachleute und deren Ausbildung vorsehen würde. Das jetzige russische Angebot schränkt ihren Zugang zu Technologien doppelter Bestimmung ein und ist insofern für Iran uninteressant.

    Ein Analytiker der Sicherheitsbehörde, der nicht genannt werden wollte, teilte mit, dass die USA Iran derzeit als ein Objekt ihres Drucks wahrscheinlich u. a. deshalb betrachten, weil dieses Land eine Basis für die Energiewirtschaft Chinas, Indiens und Japans ist, die von Öllieferungen aus dem Nahen Osten abhängen. Im Falle von Sanktionen gegen Iran bzw. einer Militäroperation in der Region würde in erster Linie China etwas verlieren, weil es dann auf Energierohstofflieferungen verzichten muss.

    "Wie zynisch das aber klingen mag: Für Russland ist jede Entwicklung günstig", meinte der Experte. "Die Spannung lässt die Ölpreise hoch bleiben. Im Falle von Sanktionen bzw. eines Konflikts würden sie beträchtlich steigen. China würde nichts Anderes übrig bleiben als Energierohstoffe bei Russland zu kaufen."