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    Russisches Einfuhrverbot droht in einen Weinkrieg auszuwachsen

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    MOSKAU, 04. April (RIA Novosti). Am 27. März hat Russland auf Bitte des Obersten Hygienearztes, Gennadi Onischtschenko, die Einfuhr von Wein aus Georgien und Moldawien bis auf Weiteres verboten. Grund für den Importstopp waren Verstöße bei georgischen und bei moldawischen Weinprodukten gegen die russischen Gesundheitsvorschriften.

    Laut Angaben der von Onischtschenko geleiteten Aufsichtsbehörde für Verbraucherschutz wurden im Wein gefährliche Pestizide entdeckt. Das Einfuhrverbot bleibe in Kraft, solange die georgischen und die moldawischen Weinproduzenten die entdeckten Mängel nicht beseitigen, hieß es.

    Moldawien und Georgien werteten die Entscheidung als einen schweren Schlag gegen ihre Wirtschaft. Das Gros der Weinexporte beider Staaten entfällt auf Russland. Vier Tage nach der Einführung des Verbots schickte Georgien Produkte von zehn Keltereibetrieben zur Begutachtung nach Europa, teilte der georgische Landwirtschaftsminister Michail Swimonischwili mit. Ihm zufolge werden Experten aus Deutschland, Großbritannien und der Schweiz die Qualität des georgischen Weins bewerten. "Wir wollen beweisen, dass unser Wein von hoher Qualität und keinesfalls gesundheitsschädlich ist." Die Ergebnisse der Begutachtung werden in einigen Tagen erwartet.

    Der georgische Präsident Michail Saakaschwili forderte inzwischen die Regierung auf, unverzüglich nach alternativen Absatzmärkten für georgischen Wein zu suchen. Das von Russland eingeführte Einfuhrverbot bezeichnete er als Wirtschaftsembargo. Das Verbot sei ihm zufolge politisch motiviert. "Über kurz oder lang kehren wir auf den russischen Markt zurück", sagte Saakaschwili überzeugt. "Inzwischen müssen wir nach anderen Absatzmärkten suchen." In den nächsten Tagen reise er nach China, um unter anderem über mögliche Lieferungen georgischen Weines zu sprechen, teilte Saakaschwili mit.

    Saakaschwilis Beauftragter in der Weinbau-Region Kachetien, Petre Ziskarischwili, vertrat am vergangenen Montag die Meinung, dass die georgischen Winzer die Absatzmärkte des Baltikums und Asiens im Auge behalten würden. Nach Russland flossen bislang etwa 80 Prozent der Weinexporte aus Kachetien. Und trotzdem sei die Rückkehr auf den russischen Markt "Aufgabe Nummer eins für Georgien", äußerte Landwirtschaftsminister Michail Swimonischwili. Allein im Winter 2006 wurden in Russland laut ihm 11,2 Millionen Flaschen georgischen Weines verkauft. "Das Einfuhrverbot schadet den georgischen Privatunternehmen. Für den Staat ist kein Schaden entstanden, weil die georgischen Exporteure weder Akzisen noch Mehrwertsteuer bezahlen müssen", sagte Finanzminister Alexi Alexischwili.

    Moldawien, das vom russischen Einfuhrverbot ebenfalls schmerzhaft betroffen wurde, versucht unterdessen, seine Winzer vor dem Bankrott zu retten. Auf die Weinproduzenten entfallen dort rund 70 Prozent der vergebenen Kredite. Das Parlament der Republik beauftragte die nationale Zentralbank, alles nur Mögliche zu tun, um einen Aufschub der Zahlungsfrist für die Kreditnehmer zu erwirken. Parlamentschef Marian Lupu sieht in dem russischen Importstopp einen politischen Hintergrund.

    Die Vereinigung der georgischen Weinbauern droht Russland unterdessen mit Gegenmaßnahmen. Die Vereinigung werde demnächst im Zusammenwirken mit der Regierung entsprechende Schritte unternehmen, sagte Artschil Gegenawa, Vertreter eines Weinunternehmens, ohne auf Details einzugehen. Der georgische Premierminister Surab Nogaideli gab seiner Zuversicht Ausdruck, dass georgischer Wein unbedingt auf den russischen Markt zurückkehren wird.

    Der Einfuhrverbot für georgischen und moldawischen Wein könne Russland selbst einen Schaden von bis zu 700 Millionen Dollar bringen, warnen Experten vom russischen Alkoholmarkt. Da die Entscheidung völlig unerwartet gekommen sei, seien die Privatunternehmen am schwersten betroffen. Mehr als 200 Millionen Flaschen müssen aus dem Handel eingezogen werden, an der Grenze stehen etwa 600 Waggons mit Wein, die nun nicht verzollt werden können.