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    "Wremja Nowostej": Medien ersetzen in Russland andere Institute der zivilen Gesellschaft

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    MOSKAU, 23. Mai (RIA Novosti). Im heutigen Russland ersetzen Medien in vieler Hinsicht andere Institute der zivilen Gesellschaften wie politische Parteien, Gewerkschaften und Interessenvereinigungen. Das stellt Leonti Bysow, Chef der analytischen Abteilung des Meinungsforschungsinstituts WZIOM, am Dienstag in der Tageszeitung "Wremja Nowostej" fest.

    Die elektronischen Medien gewährleisten die reale Einheit des wertmäßigen und des Informationsraums der russischen Bürger, indem sie zu einer virtuellen politischen Nation zusammengeschlossen werden.

    Die Bürger, die gegenüber den meisten Instituten der Macht und der Gesellschaft kritisch eingestellt sind, nennen den Präsidenten und die Medien unter ihren Hauptprioritäten. Laut WZIOM wird die Tätigkeit Wladimir Putins im zurückliegenden Jahr von 72 bis 77 Prozent der Befragten begrüßt, gefolgt von den Medien als einer gesellschaftlichen Institution mit 53 bis 55 Prozent. Das Rating der Regierung liegt dabei bei 32 bis 34 und der beiden Parlamentskammern bei knapp über 20 Prozent. Noch weniger Vertrauen wird mit 17 bis 19 Prozent den politischen Parteien und den Gewerkschaften (12 bis 14 Prozent) geschenkt.

    Die Medienkonsumenten sind zu mehr als 75 Prozent Fernsehzuschauer, die in erster Linie die beiden Hauptsender, das 1. Russische Fernsehen und den Fernsehkanal "Rossija", einschalten.

    Der wichtigste Medienkonsument ist die neue russische Mittelschicht, die die jetzige Macht unterstützt und aus Menschen besteht, die sich den heutigen wirtschaftlichen und sozialen Realitäten angepasst haben. Sie ist eher auf positive und optimistische Informationen sowie auf Unterhaltungssendungen als eine ernsthafte Analytik sowie mehr auf die heutige Massenkultur als auf die traditionelle und elitäre orientiert. Die heutigen russischen Medien entsprechen voll und ganz dieser Nachfrage.

    Das heutige Fernsehen ist praktisch das einzige reale Netz, das in der Lage ist, die russischen Bürger zusammenzuschließen, die territorial voneinander weit entfernt sind, zu unterschiedlichen sozialen "Polen" gehören sowie nach unterschiedlichen wirtschaftlichen und sozialen Standards leben. Haben die Unterschiede in der Informationspolitik der Sender in den 90er Jahren "politische Klubs" bzw. "Protoparteien" um sie herum gebildet, so lassen sich heute solche Unterschiede nicht mehr erkennen. Alle Bevölkerungsschichten konsumieren die gleichen "Informationsgerichte", die nach ähnlichen Informationstechnologien zubereitet wurden.

    Massenunterstützung und Massenstimmungen werden von der Position der elektronischen Medien bestimmt, stellte der WZIOM-Experte fest. Die jetzige Macht hat dieses Moment adäquat verstanden: Indem sie die führenden Medien kontrolliert, kontrolliert sie in bedeutendem Maße auch die gesellschaftlichen Stimmungen.

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