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    "Nowyje Iswestija": Russland sucht krampfhaft eine Identität

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    MOSKAU, 14. Juni (RIA Novosti). Russlands Landesführung sucht emsig nach einer neuen Ideologie. Auf die Bestellung von Oben reagierten unterschiedliche politische Flügel. Im Vorfeld der Wahlen 2007 und 2008 wird die neue russische Idee, im Grunde genommen, ein moderater Nationalismus, sowohl im Lager der "Kreml-Liberalen" als auch im Kreis der sogenannten "Silowiki" konzipiert, schreibt die "Nowyje Iswestija" am Mittwoch.

    Die Suche nach einer nationalen Idee hatte unmittelbar nach dem Sturz des kommunistischen Regimes und dem Untergang seiner Ideologie begonnen. In den letzten zwei Jahren wird es aber immer offensichtlicher, dass die nationale Idee in eine hurra-patriotische umgewandelt wird. Je mehr auf der offiziellen Ebene von der Notwendigkeit eines Kampfes gegen Fremdenfeindlichkeit und Nationalismus die Rede ist, desto aktiver treten die Volkshetzer an den Tag. Zu diesem Thema befragte die Zeitung einige Politologen.

    Mark Urnow, Vorsitzender des Fonds "Expertisa": Heute haben wir mit einer neurotischen Reaktion auf die Situation zu tun, wo die Landesführung keinen realen Ausweg sehen will, sondern in einen gewissen illusorischen Raum flüchtet, in dem sie sich wohl fühlt. In Wirklichkeit ist aber die Idee einer Großmacht nur ein Deckmantel, hinter dem das Eigentum zu Gunsten der Beamten umverteilt wird.

    Boris Kagarlizki, Direktor des Instituts für Globalisierungsprobleme: Eine nationale Idee lässt sich nicht konzipieren. Dies kann aber ein Vorwand sein, um sehr viel Geld zu verbrauchen. Höchstwahrscheinlich wird alles damit auch enden. Nach dem UdSSR-Zerfall standen die Macht habenden vor der offensichtlichen Aufgabe, Russland als einen nationalen Staat zu errichten. Die Beamten legen aber diesen Gedanken sehr einfach aus: Wenn es um die nationale Idee geht, so heißt es, es geht um die Nationalität.

    Sergej Markow, Direktor des Instituts für politische Studien: Diese Ideen, die vorerst noch nicht radikal sind, sehr wohl aber mit dem russischen Nationalismus verbunden sind, stellen eine Reaktion auf die vorangegangenen Jahrzehnte dar, als die Ideologie einer Auflösung Russlands in der Sowjetunion dominiert hat. Nach dem UdSSR-Zerfall und der Wirtschaftskrise begann auch eine Identitätskrise. Es gab keine Antwort auf die Frage: Wer sind wir? Die jetzige Machtelite ist herausfordernd technokratisch, womit eine immense Zahl von Menschen unzufrieden ist, die nach einer Ideologie verlangen.

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