21:23 20 August 2017
SNA Radio
    Politik

    Libanesisch-israelische Konfrontation - die Geschichte eines Konflikts

    Politik
    Zum Kurzlink
    0 501

    Auf den arabisch-israelischen Krieg 1967, der den Arabern den arabischen Teil der Altstadt von Jerusalem, die Sinai-Halbinsel, den Gaza-Streifen, das Westjordanland und die Golan-Höhen gekostet hat, reagierte die Regierung des Libanons ausgesprochen scharf.

    MOSKAU, 14. Juli (RIA Novosti). Auf den arabisch-israelischen Krieg 1967, der den Arabern den arabischen Teil der Altstadt von Jerusalem, die Sinai-Halbinsel, den Gaza-Streifen, das Westjordanland und die Golan-Höhen gekostet hat, reagierte die Regierung des Libanons ausgesprochen scharf.

    Den Pipelines der westlichen Ölgesellschaften wurde der Hahn abgedreht. Libanon brach die diplomatischen Beziehungen mit den USA und Großbritannien ab. Amerikanischen Kriegsschiffen wurde das Einlaufen in die Häfen des Landes untersagt.

    Doch nach 1967 versank das Land immer tiefer im Schlamm einer politischen Krise. Sie wurde nicht zuletzt davon hervorgerufen, dass Hunderttausende Palästinenser im Libanon Unterschlupf gesucht hatten. Von libanesischem Gebiet aus unternahmen sie Überfälle auf Israel. Das israelische Militär reagierte darauf mit Gegenschlägen zu Land und aus der Luft, wodurch Libanon erheblicher Schaden entstand. Die christlichen Gruppen in Libanon wiederum verlangten, scharf gegen die Palästinenser vorzugehen. Das Land, so forderten sie, müsse die "Schweiz des Nahen Ostens" bleiben, und zwar als neutrale Partei. Die Streitereien um die Haltung zum Problem der Palästinenser hatten jedoch tiefere Wurzeln, die auf Feindseligkeiten zwischen den verschiedenen konfessionellen Gemeinden und politischen Gruppierungen im Libanon zurückgingen.

    Im Januar 1969 kam die Regierung Raschid Karame an die Macht, die eine Stärkung der Verteidigungsfähigkeit des Libanons, den Schutz der Landesgrenzen und der Souveränität sowie Zusammenarbeit mit den arabischen Nachbarländern verhieß. Die christlichen Parteien widersetzten sich diesem Kurs unverzüglich. Militärische Zusammenstöße zwischen der libanesischen Armee und palästinensischen Freischärlern im Landessüden brachten das Kabinett dann auch schon im folgenden April zum Sturz.

    Im Herbst 1969 gingen Truppenteile der regulären Armee Libanons zu Kampfhandlungen gegen den palästinensischen Widerstand über. An ihrer Seite schlugen sich die Sozialistische Fortschrittspartei (PSP), islamische Gruppierungen sowie Ägypten und Syrien.

    Bei Verhandlungen in Kairo, bei denen sich der offizielle Libanon und die Fatah als damals bedeutendste Kraft des palästinensischen Widerstandes gegenübersaßen, wurde eine Regelung vereinbart. Den Palästinensern wurde das Recht auf Stützpunkte im Libanon zugesichert. Sie mussten sich ihrerseits jedoch zur Koordinierung ihrer Handlungen mit der libanesischen Armee verpflichten. Im Dezember 1969 übernahm dann eine neue Regierung mit Raschid Karame an der Spitze das Ruder, wobei Vertreter des christlichen Lagers, insbesondere der Nationalliberalen Partei, im Kabinett Berücksichtigung fanden.

    Die Probleme im Zusammenhang mit der Präsenz der palästinensischen Freischärler nahmen indes nicht ab. Im Mai 1970 beantwortete Israel palästinensische Übergriffe mit breitgefächerten Strafaktionen im Südlibanon.

    Suleiman Frangie, Repräsentant der zentristischen Kräfte, wurde 1970 zum Präsidenten Libanons gewählt. Gleich nach seinem Amtsantritt wurde er mit einer radikalen Verschlechterung der Lage konfrontiert. Die Verlegung der militärischen Hauptkräfte des palästinensischen Widerstandes, die im September 1970 von der jordanischen Armee geschlagen worden sind und nach Libanon ausweichen mussten, heizte die Spannungen im Land erneut an.

    Versuche von Frangie, in der Konfrontation zwischen PSP und islamischen Gruppierungen einerseits und den christlichen Parteien andererseits zu vermitteln, blieben ergebnislos. Die innerlibanesischen Beziehungen spitzten sich immer weiter zu.

    Am 13. April 1975 brach in Libanon der Bürgerkrieg aus. An die Seite der Palästinenser schlug sich der Block der Nationalpatriotischen Kräfte (NPK) unter Führung von PSP, während die christliche Kataib und andere christliche Parteien gegen die palästinensischen Formationen scharf machten.

    Im Januar 1976 begannen die christlichen Milizen mit der Blockade von zwei palästinensischen Flüchtlingslagern am Rand von Beirut. Syrien kam den Palästinensern über ihren verlängerten Arm in der Widerstandsbewegung, die al-Saika, zur Hilfe. Der syrische Präsident Hafez Assad entsandte die Jarmouk-Brigade der "Armee zur Befreiung Palästinas" zur Entlastung der PLO und der NPK. Unterdessen begannen junge Offiziere in den islamischen Formationen der libanesischen Armee eine Meuterei, in deren Ergebnis die regulären Streitkräfte Libanons im März 1976 zerfielen.

    Moslems und national-patriotische Kräfte erhoben die Forderungen nach einem Rücktritt Frangies, der sich jedoch weigerte. Frankreichs Präsident schlug daraufhin im Mai 1976 die Entsendung französischer Truppen nach Libanon vor. Der letztendlich ausgehandelte Kompromiss, der unter Vermittlung des amerikanischen Sonderbeauftragten Dean Martin zustande gekommen war, sah Neuwahlen für den Mai vor. Frangie konnte vereinbarungsgemäß derweil die Geschäfte bis zum Ende seiner verfassungsgemäßen Amtszeit im September weiter führen.

    Bei den Präsidentschaftswahlen siegte Elias Sarkis, der 1970 von den Moslems und der Sozialistischen Fortschrittspartei unterstützt worden war.

    Der syrische Präsident Assad strebte unterdessen nach Hegemonie über den Libanon und die PLO, die er als Mittel seiner Nahostpolitik einsetzen wollte. Im April 1976 marschierten syrische Truppen in den Libanon ein, die dann ab 1. Juni eine breitgefächerte Intervention entfalteten. Assad war auch nicht durch zahlreiche Vermittlungsbemühungen verschiedener arabischer Länder zu stoppen. Sie konnten lediglich erreichen, dass ein weiteres Vordringen der syrischen Armee in die Gebiete, die unter der Kontrolle der NPK und der PLO standen, vorerst aufgeschoben wurde. Der Hauptgegner einer syrischen Besatzung des Libanons, Kamal Joumblat (PSP-Chef), ist im März 1977 ermordet worden.

    Im Februar 1978 kam es zu Zusammenstößen zwischen Teilen der libanesischen Armee und den bewaffneten christlichen Milizen einerseits und dem syrischen Kontingent der Arabischen Friedenstruppen andererseits. Syrien fand in dieser Periode nur bei Frangie Unterstützung, während die christliche Libanesische Front die Syrer als Okkupanten behandelte. Die Kämpfe dauerten von Juni bis Oktober 1978. In ihrem Ergebnis wurden die Syrer aus Ostbeirut und den dortigen Vororten, die vorwiegend von Christen besiedelt sind, abgedrängt.

    1978 drangen, wie schon acht Jahre zuvor, israelische Truppen in Libanon ein. Gemäß einer Resolution des UN-Sicherheitsrates wurden in den südlichen Landesteilen Blauhelme der UNO stationiert.

    Unter den neuen Bedingungen orientierten sich die meisten führenden Gruppierungen des christlichen Lagers auf das Bündnis mit Israel. Bei den Kämpfen im Zeitraum Dezember 1980 bis Juni 1981 verdrängten die christlichen Milizen die Syrer aus dem Gebiet von Sahla. Israel bekämpfte unterdessen die palästinensischen Gruppierungen in Libanon.

    Versuche Saudi-Arabiens, zwischen den innerlibanesischen Konfliktparteien zu vermitteln, blieben ergebnislos.

    Im Juni 1982 begann Israel eine breit angelegte Militäraktion im Libanon, die in erster Linie gegen die PLO gerichtet war und zur Besetzung weiter Landesteile führte. Im Herbst mussten die Palästinenser Westbeirut aufgeben. Die syrischen Truppen zogen sich aus der libanesischen Hauptstadt und den Gebieten südlich der Verbindungsstraße zwischen Beirut und Damaskus zurück. Multinationale Kräfte überwachten den Abzug der palästinensischen Formationen.

    Die militärischen Erfolge der Israelis verhalfen dem Chef der Forces Libanaises, der christlichen Milizen, Bashir Gemayel, zum Sieg bei den Präsidentschaftswahlen im August 1982. Doch noch vor seinem Amtsantritt wurde er ermordet. Das Amt des libanesischen Staatschefs übernahm an seiner Stelle der Bruder, Amin Gemayel, der bis 1988 amtierte.

    Die Israelis besetzten Westbeirut und überließen den christlichen Milizen die Flüchtlingslager Sabra und Schatila zu einem Blutgemetzel unter den Palästinensern. Ende September 1982 kamen abermals multinationale Kräfte unter Einbeziehung von Kontingenten aus den USA, Frankreich, Italien und Großbritannien im Beirut zum Einsatz.

    Amin Gemayel nahm im Dezember 1982 Verhandlungen über den Abzug der israelischen Truppen aus Libanon auf. In deren Ergebnis wurde im Mai 1983 die Errichtung einer Sicherheitszone in Südlibanon vereinbart, die bewaffnete Überfälle auf Israel von libanesischem Gebiet aus verhindern sollte.

    Entrüstete Palästinenser und islamische Extremisten, die die Vereinbarung für eine Kapitulation vor Israel und dem Westen verurteilt hatten, begannen daraufhin, amerikanische und französische Truppenangehörige der multinationalen Kräfte zu überfallen. Im Juni schloss sich die Opposition zur Front der Nationalen Rettung zusammen. Die Drusengruppierungen unter Führung von Walid Joumblat, Sohn des ermordeten Kamal Joumblat und dessen Nachfolger an der Spitze der PSP, und Palästinenserverbände überfielen libanesische Regierungstruppen in der Bergregion von Schuf und Alley im Osten und im Südosten der Hauptstadt. Im September 1983 vertrieben sie 300 000 Christen aus diesen Gebieten. Unter Vermittlung von Saudi-Arabien konnte am 25. September 1983 eine Feuereinstellung vereinbart werden. Doch die Genfer Konferenz im Oktober und November, bei der sich Vertreter der libanesischen Regierung, der Drusen und der Schiiten an den Verhandlungstisch gesetzt hatten, um einen Ausweg aus dem Konflikt zu finden, endete ergebnislos.

    Syrien beharrte auf der Aufkündigung der libanesisch-israelischen Übereinkunft. Im Februar 1984 zerschlugen Joumblats Kräfte und die schiitischen Amal-Milizen unter Nabih Berri, von Syrien unterstützt, Teile der libanesischen Armee und nahmen Westbeirut ein.

    Bombenanschläge auf die amerikanische Botschaft in Beirut und auf die Stäbe der multinationalen Kräfte in den Jahren 1983 bis 1984, die von Hisbollah-nahen Kreisen organisiert worden waren, zwangen die multinationalen Kräfte im Februar 1984 zum Abzug aus dem Libanon.

    Am 5. März 1984 musste sich Amin Gemayel den syrischen Forderungen beugen und das Abkommen mit Israel aus dem Jahr 1983 aufkündigen. Danach trat im März in Lausanne eine neue Konferenz zur Lösung des Libanon-Konflikts zusammen. Im April gelang es, eine Regierung des Nationalen Einvernehmens mit Raschid Karame an der Spitze zu bilden. Von nun an hatte Syrien im Nachbarland das Sagen.

    Im Juni 1985 zog Israel einseitig seine Truppen aus einem Großteil des Landes ab. Die Sicherheitszone in Südlibanon in einer Tiefe von 10 bis 25 Kilometer behielt es aber unter seiner Kontrolle. Sie wurde der proisraelischen Armee Südlibanons unter General Antoine Lahad überantwortet.

    Nach einem Bombenanschlag in Zahla im September 1985 nahmen syrische Truppen die Stadt ein. Die Syrer besetzten außerdem Tripolis.

    Hauptbündnispartner Syriens in Libanon ist seit Mai 1985 die schiitische Amal-Bewegung.

    Zum Kampf gegen die israelische Besetzung Südlibanons ist 1982 die schiitische Organisation Hisbollah, die Partei Allahs, gegründet worden. Ihr zur Hilfe entsandte Iran ungefähr 1500 islamische Revolutionswächter. Finanziert und mit Waffen ausgestattet, diente sie ihren beiden Schutzmächten Syrien und Iran als Statthalter in den innerlibanesischen Wirren und als Waffe gegen Israel.

    Hisbollah strebt nach dem Vorbild Irans die Bildung einer islamischen Republik in Libanon an. Die politische Plattform der Organisation aus dem Jahr 2003 unterstreicht, dass sie eine islamische Herrschaftsform, begründet auf friedliche und demokratische Mittel, anstrebt. Sie bekennt sich zur Vernichtung des Staates Israel.

    Hauptziel der Hisbollah-Politik der 1980er und 1990er Jahre war die Vertreibung der israelischen und westlichen Truppen aus Libanon. Ihre bewaffneten Formationen "Islamischer Widerstand" greifen weitgehend zur Taktik des Guerillakrieges und des Terrors.

    In der Periode der israelischen Besetzung des Südlibanons führte die Hisbollah einen intensiven Partisanenkrieg gegen die israelischen Truppen und gegen die mit ihnen verbündete Armee des Südlibanons. Der dadurch erzeugte militärische Druck war einer der Hauptfaktoren, die Israel im Mai 2000 zum Truppenrückzug veranlassten.

    Ungeachtet des Abzugs der israelischen Truppen aus Südlibanon beharrt Hisbollah darauf, dass die Okkupation kein Ende genommen hat, denn Israel hat weiterhin das Gebiet von Schebaa, bis 1967 Teil der syrischen Golan-Höhen, besetzt. Hisbollah-Kämpfer beschossen mehrfach die nördlichen Gebiete Israels mit Raketen, was Luftschläge der anderen Seite provozierte.

    Im heutigen Libanon wirkt Hisbollah als politische Organisation. Seit 1992 beteiligt sie sich an Parlamentswahlen. Die Regierungen der USA, Großbritanniens, Kanadas, Australiens und Israels sowie das Europaparlament haben sie als terroristische Organisation eingestuft.

    Bei der Zusammenstellung des Materials ist auf die Internetportals www.krugosvet.ru, www.coldwar.ru, und www.middleeast.org.ua/palestina.htm zurückgegriffen worden.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren