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    Russlands Banksystem - Geschichte und Gegenwart

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    MOSKAU, 25. August (RIA Novosti). Bereits in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts herrschte auf dem russischen Kreditmarkt uneingeschränkt der Wucher mit sehr hohen Zinssätzen (10 bis 20 Prozent). Fast 100 000 Landgüter des Adels waren verpfändet. Um die Situation zu entlasten, wurden 1754 auf Initiative von Zarin Jelisaweta (Tochter Peters I.) eine Staatsbank für den Adel und eine Geschäftsbank für die Kaufmannschaft gegründet.

    Nach etwas mehr als hundert Jahren entstand gemäß einem Erlass von Zar Alexander II. vom 31. Mai 1860 die Staatsbank des Russischen Reiches.

    Während in den westeuropäischen Ländern die Banken ausschließlich auf Privatkapital basierten, stellte das Bankwesen in Russland faktisch ein Staatsmonopol dar. Es gab nur wenig private und öffentlich-rechtliche Banken.

    Die industrielle Entwicklung des Russischen Reiches verlief nach dem "Nachhol-Modell". Führend war der Staat, der fortschrittliche Technologien, Formen der Produktion und Infrastruktur intensiv durchsetzte. Die Entstehung des Banksystems wurde auch vom Finanzministerium und von der Staatsbank gefördert.

    Die Gründung der ersten Aktienbank - der Petersburger privaten Kommerzbank - datiert auf das Jahr 1864. Um 1869 zählte Russland lediglich fünf Aktiengeschäftsbanken und neun Kreditgesellschaften auf Gegenseitigkeit.

    1872 wurde ein Gesetz erlassen, das die Tätigkeit der Banken regelte, und die Gründung von Aktienkommerzbanken hörte in Russland praktisch auf. Ein Jahr später brach die Weltwirtschaftskrise aus. Zwar fügte sie der Wirtschaft Russlands einen empfindlichen Schaden zu, aber das neue Gesetz und das Vorgehen der Staatsbank halfen, alle wichtigsten Banken in der Hauptstadt und der Provinz zu retten. In Russland gingen nur zehn Banken Bankrott. In Deutschland, einem Land, das seinen sozialökonomischen Bedingungen nach Russland am nächsten stand, wurden 78 Banken, in Österreich-Ungarn 50 Banken für zahlungsunfähig erklärt und liquidiert.

    Das Gesetz von 1872 war für die Entwicklung des nationalen Banksystems im Russland an der Wende zum 20. Jahrhundert von großer Bedeutung. Im Westen bildete sich eine Gesetzgebung, welche die Tätigkeit von Geschäftsbanken regelte, erst Anfang des 20. Jahrhunderts heraus: Zuerst geschah das in Schweden, und seit Ende der 20er Jahre führten auch andere Länder die entsprechenden Gesetze bei sich ein.

    Anfang des 20. Jahrhunderts hatte sich im Russischen Reich endgültig ein zweistufiges Banksystem herausgeformt. Die Staatsbank an der Spitze kreditierte in großem Umfang die Aktienkommerzbanken.

    Die Herausbildung des Geldsystems in Russland wurde von der Oktoberrevolution 1917 unterbrochen, in deren Ergebnis das Land aufhörte, ein Bestandteil der Weltwirtschaft zu sein. Dieser Fakt bestimmte in hohem Grade die Zukunft Russlands, da das Formen von reifen Geldsystemen unlöslich mit der Entwicklung des Weltmarktes verbunden ist.

    Im Juli 1944 wurden auf der Konferenz der Vereinten Nationen in Bretton Woods (USA) Abkommen über die Anlegung des Internationalen Währungsfonds und der Internationalen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung geschlossen. Die Sowjetunion nahm an der Konferenz zwar teil, ratifizierte diese Abkommen jedoch nicht und blieb somit außerhalb des Systems der internationalen Währungs- und Kreditbeziehungen. Auf diese Weise versäumte die Sowjetunion die Möglichkeit der Aufnahme von internationalen Krediten und der Konvertierbarkeit des Rubels.

    Nach dem Zerfall der UdSSR formte sich in Russland ein neues Banksystem.

    Am 20. Dezember 1991 wurde die Staatsbank der UdSSR aufgelöst, all ihre Aktiva und Passiva sowie ihr Vermögen auf dem Territorium der RSFSR gingen an die Zentralbank der RSFSR (Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik) über. Später erhielt die Bank den Namen der Zentralbank der Russischen Föderation (Bank von Russland).

    Gegenwärtig besteht in der Russischen Föderation ein zweistufiges Banksystem, das die Bank von Russland und zahlreiche Geschäftsbanken einschließt.

    Das Grundkapital und sonstige Vermögen der Bank von Russland setzt sich aus dem föderalen Eigentum zusammen, welches sie besitzt, nutzt und verwaltet. Aber der Staat haftet für die Verbindlichkeiten der Bank von Russland und diese ihrerseits für die Verbindlichkeiten des Staates.

    Die Bank von Russland ist keine kommerzielle Einrichtung, ihr Ziel ist nicht das Gewinnstreben. Vielmehr bestehen ihre Aufgaben darin, die Rubelstabilität zu schützen und zu sichern, das Banksystem der Russischen Föderation zu entwickeln und zu festigen sowie ein effektives Verrechnungssystem zu gewährleisten.

    Die Bank von Russland hat das Recht, Geld zu emittieren, es der Zirkulation zu entziehen und über die Ausgabe von neuen Banknoten und Münzen zu entscheiden.

    Die Kreditinstitute die zweite Stufe, sind kommerzielle Strukturen, deren Hauptmotiv das Gewinnstreben ist. Ihr Stammkapital bilden verschiedene Formen des Eigentums (privat, staatlich, munizipal und das von gesellschaftlichen Vereinigungen).

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