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    "Nowyje Iswestija": Lukaschenko kämpft gegen Anhebung der Gaspreise durch Gasprom

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    MOSKAU, 04. September (RIA Novosti). Weißrusslands Präsident Alexander Lukaschenko hat die geplante Vervierfachung der Gaspreise für sein Land durch den Konzern Gasprom abgelehnt, berichtet die Tageszeitung "Nowyje Iswestija" am Montag.

    Nach Ansicht der meisten Experten wird Minsk seine Interessen im Streit mit Gasprom durchsetzen können.

    Wie Leonid Grigorjew, Direktor des Instituts für Energiewirtschaft und Finanzen, mitteilte, besteht eines der Probleme der osteuropäischen Staaten bei der Erörterung der Preise für russisches Erdgas im Ausbleiben objektiver Faktoren der Preisbildung. "In Westeuropa ist der Gaspreis an die wachsenden Ölpreise gebunden, die alle neun Monate revidiert werden", stellte er fest. "In Osteuropa sind aber die Gaspreise nicht automatisch an die Ölpreise gebunden, deshalb kommt es bei einer Revision der Preise jedes Jahr zu Konflikten."

    Nach seiner Ansicht will Russland die Preise aheben, damit die Nachbarn nicht an einem Weiterverkauf von Gas verdienen können. "Ich weiß nicht, ob Weißrussland Gas weiterverkauft, bekannt ist aber, dass der Tarif für die Ukraine u. a. von diesem Faktor ausgehend festgelegt wurde."

    Unabhängige weißrussische Experten sehen den Kern des Problems in den politischen Beziehungen. "Lukaschenko steht vor einer Wahl zwischen schlecht und sehr schlecht", meinte Jaroslaw Romantschuk, Experte des weißrussischen analytischen Zentrums "Strategija". "Die weißrussische Wirtschaft hängt, wie auch jede Wirtschaft sozialistischer Art, voll und ganz von den Außenlieferungen ab: Mit dem russischen Gas werden 13 Prozent des weißrussischen BIP geschaffen. Russland profitiert in keiner Weise davon. Im Gegenteil: Weißrussland liegt an erster Stelle bei der Einschränkung des Imports russischer Waren, während die weißrussischen Waren in Russland alle nur möglichen Präferenzen genießen."

    Nach seiner Auffassung werden mächtige russische Lobbyisten einen Preis von 200 Dollar für 1 000 Kubikmeter für Weißrussland verhindern. Erstens sind das die Ölunternehmen: Rosneft, Lukoil und Russneft sind die einzigen russischen Gesellschaften, die zum weißrussischen Markt zugelassen sind. Zweitens ist es der Moskauer Oberbürgermeister Juri Luschkow, der in Weißrussland ein Baugeschäft hat. Und drittens sind es die traditionellen Verbündeten wie die Militärindustrie und die Russisch-Orthodoxe Kirche.

    Ein weiterer Trumpf in Lukaschenkos Ärmel lässt sich in Gasproms Erscheinung als undurchsichtiges Unternehmen finden, betonte Romantschuk. "Solange das System der Preisbildung im Konzern Gasprom nicht offengelegt ist, können die Forderungen des Unternehmens stets in Zweifel gezogen werden, dieses Problem müssen aber schon die Russen selbst lösen."