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    Russlands Presse zu ethnischen Unruhen in Kondopoga

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    MOSKAU, 05. September (RIA Novosti). In der Stadt Kondopoga in der Republik Karelien werden weiterhin Teilnehmer der jüngsten Massenunruhen festgenommen, berichtet die russische Presse am Dienstag. Diese hatten nach einer spontanen Kundgebung begonnen, bei der gefordert wurde, die Kaukasier aus der Stadt auszusiedeln. Experten, die sich am Dienstag in den Printmedien äußern, sehen darin ein ernsthaftes Signal für die Behörden.

    Georgi Satarow, Präsident des Fonds INDEM: Das erste, was die Macht tun muss - sie muss damit aufhören, die Idee des Patriotismus und des Chauvinismus für politische Zwecke auszunutzen. Russlands Bürger dürfen nicht mehr in die "Unsrigen" und die "Nichtunsrigen" aufgeteilt werden. Denn es sei gerade die Macht, die eine Atmosphäre zur Eskalation des Konflikts schafft.

    Dmitri Oreschkin, Chef der Analytischen Gruppe Mercator: Diese Ereignisse waren nur ein erstes Signal, Ähnliches wird auch in Zukunft geschehen. Die russische Gesellschaft ist nämlich nicht bereit, die primitiver strukturierten Gemeinschaften zu adaptieren - seien das tschetschenische oder sonstige. Diese sind gewohnt, in ihren Gemeinden, mit ihren eigenen Werten und Lebensvorstellungen zu leben. Solange diese Gemeinschaften, die sich nicht auflösen lassen, nicht adaptiert werden, wird es zu solchen Ereignissen kommen.

    Sergej Iwanenko, erster Vizevorsitzender der Partei Jabloko: Die nationalistischen Stimmungen sind in Russland überaus stark. Die Verantwortung der Macht ist unter diesen Bedingungen sehr hoch. Auch das soziale Gefälle zwischen den sehr armen und den sehr wohlhabenden Menschen spielt dabei eine Rolle. Unter solchen Bedingungen reicht schon ein Funke für einen Brand. Ich denke, hier gibt es auch eine Verantwortung der Medien. Wenn an jedem Tag wiederholt wird, wie blendend es uns geht, während die realen Probleme verschwiegen werden, werden die Leute dadurch desorientiert.

    Michail Leontjew, Politologe und Fernsehjournalist: In solchen Kleinstädten leiden die Einwohner nahezu überall an sozialer Erniedrigung. Das führt zu Fremdenhass und falschen Emotionen. Die Menschen leben dort zwar bestimmt besser als vor zehn Jahren, jedoch immer noch schlecht, und gemessen an den Einwanderern faktisch in Armut. Mit der Kombination des sozialen Ungerechtigkeitsgefühls und der ethnischen Momente wird ein furchtbarer Sprengsatz unter Russland gelegt.