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    Rhetorik oder Rückzug: Lukaschenko verwirrt Russland - „Wedomosti“

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    MOSKAU, 08. Februar (RIA Novosti). Präsident Alexander Lukaschenko hat am Dienstag in seinem Interview für eine westliche Nachrichtenagentur mitgeteilt, Russland habe Weißrussland einen Schaden in Höhe von fünf Milliarden Dollar zugefügt. Er versprach, eine Entschädigung dafür durchzusetzen.

    Nach seinen Worten wird Moskau für den Transit von Energieträgern und für die Dienstleistungen im Verteidigungsbereich zahlen müssen, berichtet die Tageszeitung „Wedomosti“ am Donnerstag. Auch Minsks mögliche Hinwendung zum Westen wurde erwähnt. Die meisten Experten glauben allerdings diesen Worten nicht und betrachten sie als reine Propaganda - auf diese Weise will Lukaschenko den Kreml dazu bringen, die Öl- und Gaspreise einzufrieren.

    Wie Weißrusslands Staatschef behauptete, würde die Wirtschaft seines Landes fünf Milliarden Dollar im Jahr beziehungsweise zehn Prozent des BIP infolge des Preisanstiegs für Öl und Gas verlieren. Vor zwei Wochen hatte Lukaschenko die Verluste noch auf 3,5 Milliarden Dollar geschätzt.

    Nach Ansicht des Minsker Experten Jaroslaw Romantschuk übertreibt Lukaschenko völlig absichtlich, um seine Positionen im Kuhhandel mit Moskau zu festigen. Der Experte bezifferte Weißrusslands eventuelle Verluste auf 1,7 bis zwei Milliarden Dollar. Ähnliche Zahlen nannte auch Alexander Tschubrik aus dem weißrussischen Institut für Privatisierung und Management.

    Wie Lukaschenko in seinem Interview betonte, sei die einseitige Ausrichtung nach Moskau ein Fehler gewesen. Nun sei er für Schritte in Richtung Westen bereit.

    Zugleich bleibt er weiterhin der Idee eines Unionsstaates treu und wäre bereit, auf seine Ansprüche an Russland zu verzichten, sobald Moskau seine Forderungen zurücknimmt.

    Dies ist die entscheidende Stelle des Interviews, meint Nikolai Tscherginez, Chef des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten und Verteidigung des weißrussischen Parlamentsoberhauses. Er verweist darauf, dass der Präsident nicht von einer Revision der jetzigen Bedingungen für die Öl- und Gaslieferungen spricht. Die Rede ist nur davon, dass Moskau auf eine weitere Preisanhebung zu marktwirtschaftlichen Bedingungen verzichten sollte. „Weissrussland ist bereit, an dieser Stelle einen Strich zu ziehen und weiter in Richtung Unionsstaat zu schreiten“, sagte Tscherginez.

    Wie Alexander Fadejew, Leiter der Abteilung Weißrussland des Moskauer GUS-Instituts, meinte, will Lukaschenko die Russische Föderation erpressen und sie zwingen, zum Stand vom vergangenen Jahr zurückzukehren. Lukaschenko mäßigt seine Kritik nicht und unterschätzt die Entschlossenheit der russischen Staatsführung, stellt Fadejew fest. Insofern ist eine Erweiterung des Handelskrieges unumgänglich.

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