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    “Chodorkowski-Mission“ - Märtyrer im russischen Justizsystem - „Wedomosti“

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    MOSKAU, 08. Februar (RIA Novosti). Mit der neuen Anklage der Staatsanwaltschaft gegen den ehemaligen Chef der Ölgesellschaft Yukos, Michail Chodorkowski, und den ehemaligen Leiter des Finanzunternehmens Menatep, Platon Lebedew, befasst sich die Tageszeitung „Wedomosti“ am Donnerstag.

    Mit dem Thema „Chodorkowskis Mission im modernen Russland“ rollt sie Fall um den einst einflussreichen Potentaten im russischen Energiebusiness noch einmal auf.

    Vor der Verhaftung von Chodorkowski und seinem Geschäftspartner Lebedew war Yukos der Spitzenreiter unter den russischen Ölunternehmen sowohl bei der Fördermenge als auch bei den Finanzzahlen. Chodorokowski war einer der ersten, der sein Unternehmen auf die internationalen Buchführungsstandards umgestellt hat. Genauso wichtig waren für ihn Wohltätigkeitsprogramme und die Entwicklung des Bildungswesens. Richtig bedeutend wurden sie aber, als Chodorkowski zum Top-Außenseiter wurde: Der Staat fing an, den Unternehmen das Thema der sozialen Verantwortung aufzuzwingen, während die Steuerdisziplin im Großunternehmertum nach der Yukos-Zerschlagung beträchtlich gewachsen ist. „In den letzten drei - vier Jahren, die vom ‚Fall Yukos’ geprägt waren, gewöhnten sich die russischen Unternehmen an, ihre Steuern akkurat abzuführen“, stellte Alexander Schochin, Chef des Russischen Industriellen- und Unternehmerverbandes, fest. „In dieser Hinsicht hat Chodorkowski eine gewisse Mission erfüllt, für die er seine Freiheit und sein Vermögen opfern musste.“

    Die Yukos-Reste sind bis heute für die anderen Marktteilnehmer von kolossalem Interesse. Den Staatsunternehmen reicht das Geld nur knapp, sie aufzukaufen. Einige Experten führen die neuen Anklagen auf den Wunsch der staatlichen Strukturen zurück, an die ausländischen Yukos-Aktiva heranzukommen.

    Auf seiner Webseite erklärte Chodorkowski am Mittwoch, er setze sich das Ziel, „am eigenen Beispiel zu zeigen, dass es im heutigen Russland eine bestellte Justiz gibt“. Wie der „Fall Yukos“ auch immer ausgehen mag - die Besonderheiten der russischen staatlichen Justiz werden wieder Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Wie auch bei der Steuerdisziplin wird es Chodorkowski, indem er seine Freiheit dafür opfert, vielleicht gelingen, die Situation im russischen Justizsystem zu ändern.

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