22:34 25 September 2017
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    Srebrenica-Massaker: Serbien von Völkermord-Klage freigesprochen - „Wremja Nowostej“

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    MOSKAU, 27. Februar (RIA Novosti). Das Internationale Uno-Gericht in Den Haag hat die Klage von Bosnien-Herzegowina gegen die nicht mehr existierende Republik Jugoslawien zurückgewiesen und den Nachfolgerstaat Serbien vor der Anschuldigung freigesprochen, einen Völkermord gegen die moslemische Bevölkerung begangen zu haben.

    Wie die Tageszeitung „Wremja Nowostej“ am Dienstag feststellt, wird Belgrad damit keine Entschädigung in Milliardenhöhe an die bosnischen Behörden zahlen müssen. Außerdem wird Serbien nicht als das erste Land in die Geschichte eingehen, das wegen Völkermord verurteilt wurde.

    „Die Ereignisse in Srebrenica haben noch viele dunkle Seiten, und niemand will diese wirklich klären“, meint Dr. hist. habil. Konstantin Nikiforow, Direktor des Moskauer Slawistik-Instituts. „Die härtesten Kämpfe in Bosnien und Herzegowina hatte es nämlich zu Beginn des Krieges 1992 gegeben. Damals begingen sowohl Serben als auch Kroaten und Moslems ihre Verbrechen. Mitte 1995 zeichnete es sich bereits ab, dass der Krieg zu Ende geht, die bosnischen Serben stimmten bereits Verhandlungen unter internationaler Vermittlung zu.“

    „Es entsteht der Eindruck, dass in Srebrenica irgendjemand absichtlich den Befehl erteilt hat, in den letzten Kriegsmonaten möglichst viel zu töten. Für die bosnischen Serben selbst war das eindeutig nicht von Vorteil“, so Dr. habil. Nikiforow.

    In Serbien selbst wird ein direkter Zusammenhang zwischen dem Urteil des Internationalen Gerichts und der Kräftekonstellation um das Kosovo-Problem gesehen. „Hätte das Gericht Serbien für schuldig erklärt, hätte das auch als ein Brandmal für die Ereignisse im Kosovo gegolten. Nun aber haben die Befürworter einer Unabhängigkeit der Provinz die Möglichkeit eingebüßt, die Serben zu propagandistischen Zwecken für alles verantwortlich zu machen, was sich auf dem Balkan abgespielt hat“, stellte ein Sprecher der serbischen Regierung gegenüber der Zeitung fest.

    Dr. hist. habil. Andrej Schemjakin, Vizedirektor des Slawistik-Instituts der Russischen Wissenschaftsakademie, teilt diesen Optimismus nicht. Nach seiner Auffassung wird das für Belgrad positiv ausgefallene Gerichtsurteil zu Bosnien die Entscheidung über den Kosovo-Status kaum beeinflussen. „Der Westen hatte bereits 1999 beschlossen, diese Region von Serbien abzutrennen, als er eine Militäroperation gegen das damalige Jugoslawien unter dem Vorwand des Schutzes der Kosovo-Albaner vor serbischen Repressalien startete. Nun wird diese Frage im Uno-Sicherheitsrat behandelt, in dem Belgrad auf eine Unterstützung Russlands hoffen muss, das dort ein Veto-Recht hat.“

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