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    Russland typisches Rohstoffland mit Demokratiemängel? - „Iswestija“

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    MOSKAU, 03. Mai (RIA Novosti). In der Diffamierungskampagne gegen Russland, die in den westlichen und in liberalen russischen Medien entfacht wurde, besteht eines der Hauptthemen darin, dass Russlands Wirtschaftspolitik absolut nicht den Gegebenheiten entspricht, stellt der Politologe Wjatscheslaw Nikonow, Präsident des Fonds „Politika“, am Donnerstag in der „Iswestija“ fest.

    Wie dabei behauptet wird, ist das BIP-Wachstum ausschließlich der Öl- und Gasindustrie zu verdanken, während alle anderen Bereiche und in erster Linie der High-Tech-Bereich unterentwickelt bleiben, führt der Experte weiter aus. Daraus wird oft ein weitreichender Schluss gezogen: Wie auch die anderen Länder, in denen der Wohlstand auf den riesigen Einnahmen aus den Verkäufen von Energieressourcen und anderen Rohstoffen beruht, sei Russland keine Demokratie und könne auch keine sein. Auf dieser Grundlage entwickelt sich bei uns bereits ein Minderwertigkeitskomplex. Ist das aber wirklich so eindeutig?

    Die Ausgangsprämisse ist schon in vieler Hinsicht falsch. Der Anteil des Öl- und Gassektors an der gesamten BIP-Struktur ist in Wirklichkeit gar nicht so groß, wie viele es annehmen, und er geht auch zurück. Laut einer Prognose im Rahmen des dreijährigen Haushaltsentwurfs des Finanzministeriums wird der aktuelle Anteil von 18,9 Prozent des BIP auf 14,9 Prozent im Jahr 2010 zurückgehen.

    Die besonders schnell wachsenden Wirtschaftsbereiche sind Handel, Bauwesen, Telekommunikation und Bankwirtschaft, ja sogar die Landwirtschaft, nicht aber die Energiewirtschaft. Von den sieben Prozent BIP-Wachstum des vergangenen Jahres sorgten Öl und Gas für weniger als ein Prozent. Selbst viele westliche Wirtschaftsexperten und Investmentfonds stellen fest, dass das Wachstum in Russland in erster Linie von der Verbrauchernachfrage angespornt wird.

    Sollte man aber annehmen, dass Russland ein hoffnungsloses Rohstoffland ist - was dann? In der Welt gibt es genug angesehene Länder, bei denen die Einnahmen aus dem Export von Rohstoffen und Energieträgern den Löwenanteil den Einnahmen ausmachen, die aber in diesem Zusammenhang keinerlei Komplexe empfinden - etwa Kanada, Australien oder Norwegen. Wichtig dabei ist nämlich, nicht woher die größten Einnahmen herkommen, sondern wie diese auf andere Bereiche verteilt werden und wie sie für den Wohlstand der Menschen eingesetzt werden.

    Die erwähnten Länder widerlegen übrigens die Meinung, dass die Entwicklung von Demokratie in den rohstofforientierten Ländern nicht möglich sei, genauso wie die umgekehrte Abhängigkeit zwischen den Ölpreisen und den demokratischen Instituten. Die USA selbst gehören zu den größten Ölproduzenten der Welt, erst vor einigen Jahrzehnten war der Anteil dieses Sektors in der amerikanischen Wirtschaft kaum anders als in der heutigen russischen Wirtschaft. Alle Bürgerrechtsorganisationen stellen in letzter Zeit Probleme mit der Demokratie in den USA fest, keine davon führt sie aber auf die hohen Ölpreise zurück.

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