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    Russische Genombank: Pro und Kontra

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    MOSKAU, 25. Mai (RIA Novosti). Wie die Moskauer Zeitung „Kommersant“ berichtet, ist im russischen Innenministerium ein Gesetzentwurf „Über die staatliche Genomregistrierung in der Russischen Föderation“ ausgearbeitet worden. Nach der Idee der Urheber soll das Gesetz den Kampf gegen die Kriminalität, den Terrorismus und Extremismus im Lande effektiver gestalten helfen.

    Das Ministerium plant, eine Föderale Datenbank mit den biologischen Merkmalen der Bürger anzulegen. Die Opponenten vertreten die Auffassung, eine solche Initiative werde gegen die Rechte der Persönlichkeit verstoßen und die genetische Bank eine Gefahrenquelle für die biologische Sicherheit werden, schreibt „Kommersant“ in seiner Freitagsausgabe.

    Der Gesetzentwurf setzt zwei Arten der Genomregistrierung voraus: die Pflicht-(Zwangs-)Registrierung und die freiwillige Registrierung. In die Genombank sollen unbedingt die Angaben über wegen Schwerverbrechen Verurteilte, nicht identifizierte Personen, die in ein Verbrechen verwickelt sind, die Angehörigen der Vermissten und der nicht identifizierten Leichen aufgenommen werden.

    Für alle übrigen Bürger Russlands ist die Genomregistrierung freiwillig.

    Wie Generalmajor der Miliz Tatjana Moskalkowa, Erste Stellvertreterin des Leiters des Rechtsdepartements im russischen Innenministerium, der Zeitung erläuterte, wird das Anlegen einer solchen Datenbank helfen, die Persönlichkeit eines Menschen schneller zu identifizieren, auch „wird der Kampf gegen Kriminalität, Terrorismus und Extremismus sowie die Suche nach Vermissten effektiver vor sich gehen“.

    Gennadi Spirin, stellvertretender Leiter der Verwaltung Recht des russischen Innenministeriums, sagte seinerseits: „In einigen Tagen soll der Gesetzentwurf der Regierung der Russischen Föderation vorgelegt werden. Bis Ende des laufenden Jahres wird er vermutlich angenommen werden.“

    Der Leiter des Föderalen Dienstes des Strafvollzugs Juri Kalinin findet, dass Russland eine Bank von Genominformationen unbedingt brauche. „Hätte es eine solche Bank bereits gegeben, so würden wir keine bisher nicht identifizieren Leichen aus den tschetschenischen Kriegen haben, auch würden wir Menschen schneller finden. Ich bin dafür, dass jeder Bürger Russlands eine genetische Expertise durchläuft“, sagte er der Zeitung. Der staatliche Hygienechefarzt Gennadi Onischtschenko erklärte: „Die Basis mit den biologischen Daten der Bürger würde den Ärzten helfen, bei Verurteilten schneller Erkrankungen zu erkennen, und auf diese Weise könnten wir Seuchen vorbeugen.“

    Doch hat der Gesetzentwurf auch seine Gegner. „Kennt man den genetischen Kode eines Menschen, so kann man, den entsprechenden Wunsch vorausgesetzt, für ihn Nahrung oder Arzneien auswählen, die ihn einfach vernichten“, erläuterte Irina Jermakowa, Doktorin der biologischen Wissenschaften und führende wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts für höhere Nerventätigkeit des Menschen.

    Vera Ischiwskaja, die für wissenschaftliche Arbeit zuständige stellvertretende Direktorin des medizinisch-genetischen Forschungszentrums der Russischen Akademie der medizinischen Wissenschaften, sagte: „Genetische Informationen sind faktisch ein ärztliches Geheimnis, das in unserem Lande, dessen bin ich sicher, nicht zuverlässig genug geschützt sein wird. Ich würde niemandem raten, eine solche Prozedur über sich ergehen zu lassen.“

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