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    Kandidatenkarussel für Russlands Präsidentenwahl kommt in Bewegung - „Nowyje Iswestija“

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    MOSKAU, 31. Mai (RIA Novosti). Während der Kreml die Bekanntgabe des Wunschnachfolgers für das Präsidentenamt hinauszögert, herrscht auf dem liberalen Flügel eine Belebung: Immer mehr Politiker melden sich als potentielle Kandidaten an, schreibt die „Nowyje Iswestija“ am Donnerstag.

    Mitte Mai hat Viktor Geraschtschenko, Ex-Chef der Zentralbank Russlands und später Vorsitzender des Direktorenrates des Ölunternehmens Yukos, seine Absicht verkündet, an der Präsidentenwahl teilzunehmen. Nach Ansicht der Beobachter wird der Bankier zwar einen unwesentlichen Teil der linken Wähler an sich ziehen können, insgesamt sind aber seine Chancen nicht als ernsthaft zu bewerten.

    Noch bescheidener sehen die Chancen des namhaften Sowjet-Dissidenten Wladimir Bukowski aus, der diese Woche von einer Bürgergruppe nominiert wurde. 1976 hatten ihm die Sowjetbehörden die Staatsbürgerschaft aberkannt und ihn mit einem Einreiseverbot belegt sowie gegen den damals eingesperrten Chef des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chiles, Luis Corvalan, ausgetauscht. Nach dem UdSSR-Zerfall bekam Bukowski zwar seine Bürgerrechte zurück, dennoch lebt er weiterhin ausschließlich in London. Bei Bukowskis Nominierung wurde also gegen zwei Verfassungsnormen verstoßen: Er hat zwei Staatsbürgerschaften und hat keinen ständigen Wohnsitz in der Russischen Föderation.

    Am kommenden Wochenende findet in Moskau ein Kongress der Volksdemokratischen Union Russlands statt, in dem voraussichtlich Ex-Premier Michail Kassjanow als Präsidentschaftskandidat vorgeschlagen wird.

    Dabei spricht die liberale Öffentlichkeit seit langem von der Notwendigkeit, einen Einheitskandidaten der rechten Kräfte aufzustellen.

    Grigori Jawlinski, Chef der Partei Jabloko, ist zuversichtlich, dass sich die Rechten über einen gemeinsamen Kandidaten werden einigen können. Er selbst wird erst kurz vor dem Beginn der Präsidentenwahlkampagne mitteilen, ob er kandidieren wird oder nicht.

    Wladimir Ryschkow, dessen Republikanische Partei vor kurzem vom Obersten Gericht verboten wurde, ist sicher, dass er der Einheitskandidat der Demokraten sein wird.

    Dmitri Orlow, Generaldirektor der Agentur für politische und wirtschaftliche Kommunikationen, ist der Auffassung, dass sich die Rechten „aus organisatorischen, technologischen und polittechnologischen Gründen, die mit ihren großen Ambitionen verbunden sind“, nicht auf einen Kandidaten einigen werden. Von den demokratischen Kräften würden laut seiner Prognose vier bis fünf Kandidaten ins Rennen gehen.

    Indes werteten Experten den plötzlichen Verzicht einiger Politiker auf die Aufrufe zu einer dritten Amtszeit Wladimir Putins als ein Zeichen dafür, dass sich die oberste Machtspitze endlich auf einen Wunschnachfolger geeinigt hat. Der Politologe Stanislaw Belkowski, Präsident des Instituts für nationale Strategie, warnt aber vor voreiligen Schlüssen: „Sollte sich Putin für einen Wunschkandidaten entscheiden, wird er sich sofort in eine ‚lahme Ente’ verwandeln. Er würde die Kontrolle über die Situation verlieren, während die gesamte Kritik gegen den Wunschnachfolger gerichtet wird.“

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