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    Russische und israelische Experten: Keine politisch korrekte Lösung für Nahost-Problem

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    Es gibt keine politisch korrekten, „sanften“ und für den Westen akzeptablen Lösungen für die Probleme des Nahen Ostens. Das sagte der Direktor des Nahost-Instituts, Jewgeni Satanowski, am Freitag bei einer von RIA Novosti organisierten Videobrücke zwischen Moskau und Tel-Aviv.

    MOSKAU, 10. August (RIA Novosti). Es gibt keine politisch korrekten, „sanften“ und für den Westen akzeptablen Lösungen für die Probleme des Nahen Ostens. Das sagte der Direktor des Nahost-Instituts, Jewgeni Satanowski, am Freitag bei einer von RIA Novosti organisierten Videobrücke zwischen Moskau und Tel-Aviv.

    Das Thema lautete: „Kann der Nahe Osten ohne Krieg leben? Ein Blick aus Russland und aus Israel“.

    Weder die Finanzierung von bestimmten politischen Kräften durch den Westen noch das Aufdrängen von Demokratie von außen wird die Situation retten, sagte der Experte.

    „Demokratisierung auf amerikanische Art ist der beste Freund des Terroristen, der beste Freund des Radikalen, der beste Freund jener Kräfte, die an die Macht kommen und dann den Weg zur Demokratie überhaupt verschließen wollen“, sagte Satanowski.

    „Wenn dort weiter Geld hineingepumpt wird, so kann ich erstens sagen, dass es noch nie jemandem gelang, sich von Terroristen freizukaufen, und zweitens wird dieses Geld nach einigen Transformationen Extremismus und Terror finanzieren, die sich trotz allem über die Grenzen der Region hinaus erstrecken werden“, fügte er hinzu.

    Dem Politologen zufolge könnte es außer einer Gewaltlösung in der Konfrontation zwischen der HAMAS und der FATAH noch eine geben: So paradox es auch klingt, könnte ein Reduzieren der Aufmerksamkeit Erleichterung bringen.

    „Wenn die Region in Ruhe gelassen wird, was nicht geschieht, werden die Konfliktparteien eine gewisse Balance erreichen. Wenn wir weiterhin die vielen Köche bleiben, die den Brei verderben, ist nicht nur der Brei, sondern das ganze Essen im Eimer“, sagte Satanowski.

    Der Knesset-Abgeordnete von der Kadima-Partei Zeev Elkin äußerte seinerseits, dass die Herrschaft von Abu Masen (Pseudonym des PNA-Chefs Mahmud Abbas) im Westjordanland ziemlich bedingt sei.

    „Die HAMAS hat die Stimmenmehrheit in allen Großstädten nicht nur in Gaza, sondern auch im Westjordanland bekommen“, sagte er.

    Die erstrangige Aufgabe des PNA-Chefs sei, eine handlungsfähige Armee und Polizei zu schaffen.

    „Wenn Abu Masen keine ernsthaften Militärformationen schafft, die für Abu Masen töten und sterben können, ist sein Schicksal besiegelt. Die heutige Stille und Ruhe ist sehr zeitweilig, es ist wie eine zusammengedrückte Sprungfeder, die jeden Moment aufgehen kann“, sagte Elkin.

    Der israelische Abgeordnete äußerte die Meinung, dass die Versuche des Westens, auf Abbas als annehmbarsten Verhandlungspartner zu setzen, kaum effizient seien. Er wies darauf hin, dass Abbas vor einiger Zeit bereits als Israels Verhandlungspartner fungierte. Damals nahm die HAMAS überhaupt nicht an den Wahlen teil und war in der Verwaltung der Autonomie nicht vertreten. Doch Israel hielt es für unangebracht, Abbas zu unterstützen, da er die Situation nach Meinung der Israelis nicht kontrollieren konnte.

    „Deshalb sehen die Versuche, sich mit Händen und Zähnen an Abu Masen festzukrallen und ihn künstlich zu unterstützen, die Israel, die USA, Russland und die europäische Gemeinschaft unternehmen, tragikomisch aus: Wenn wir das jetzt machen, warum haben wir das vor zwei Jahren nicht gemacht?“, sagte Zeev Elkin und fügte hinzu, dass diese Versuche als Verzweiflungsgeste anzusehen seien.

    Der Politologe und Professor der Universität Bar-Ilan Zeev Hanin, der auch an der Videobrücke teilnahm, äußerte über Russlands Rolle im Nahost-Konflikt die Meinung, dass Moskau seine Verhandlungspartner genauer bestimmen solle. „Russland versucht, wie es bei uns heißt, auf allen Hochzeiten zu tanzen, und das ist in der Regel unmöglich“, sagte er. „Es wäre für Russland gut, genau zu bestimmen, was es will, und zu entscheiden, mit wem es ist - in einer Gruppe von Außenseitern oder von relativ prognostizierbaren stabilen Staaten“, fügte der Experte hinzu.

    Der Versuch, sich als Land zu positionieren, das mit allen Konfliktparteien verhandeln und eine Brücke für alle sein kann, könnte „nicht besonders produktiv“ sein.

    „Wenn es zum Beispiel verständlich war, wozu die HAMAS-Delegation zum ersten Mal im Kreml empfangen wurde, so war es sehr schwer nachvollziehbar, wozu sie zum zweiten Mal empfangen wurde. Und es wird völlig unverständlich sein, wenn sie dort zum dritten Mal erscheint“, sagte der israelische Politologe. Er fügte hinzu, dass es diese radikale Organisation sei, die in diesem Fall punkten würde, und die russische Seite gewinne nichts dazu.

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