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    Iraks Präsident Talabani hält türkische Militäroffensive für unwahrscheinlich

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    Der irakische Präsident Dschalal Talabani glaubt nicht, dass sich die Türkei für eine groß angelegte Offensive gegen die kurdischen Rebellen im Nordirak entscheiden wird.

    KAIRO, 20. Oktober (RIA Novosti). Der irakische Präsident Dschalal Talabani glaubt nicht, dass sich die Türkei für eine groß angelegte Offensive gegen die kurdischen Rebellen im Nordirak entscheiden wird.

    "Ich schließe eine groß angelegte Invasion der Türkei um so mehr aus, als die USA, die EU und die NATO dagegen sind", sagte Talabani in einem am heutigen Samstag erschienenen Interview mit der arabischen Zeitung As-Sharq al-Awsat.

    Talabani zufolge zweifelt selbst der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan an der Zweckmäßigkeit der Invasion. Darüber hinaus hatte die türkische Seite während des jüngsten Ankara-Besuchs des irakischen Vizepräsidenten Tariq al-Hashimi versichert, dass es in der nächsten Zeit keinen Angriff geben wird.

    Talabani, der lange Zeit eine Kurdenpartei des Irak geleitet hatte, kritisierte scharf die Arbeitspartei von Kurdistan (PKK), die vom Irak aus Anschläge im türkischen Gebiet verübt. "Wir wollen, dass die PKK das Irakische Kurdistan verlässt", sagte der Präsident. Er gestand ein, dass der Irak derzeit nicht in der Lage ist, der PKK selbständig Einhalt zu gebieten.

    Auch könne der Irak die Forderung der Türkei nicht erfüllen, die PKK-Chefs auszuliefern, sagte Talabani. "Diese verstecken sich mit Dutzenden bewaffneten Mitstreitern im Gebirge und sind selbst für die türkische Armee unerreichbar".

    Irak sei bereit, mit den USA und der Türkei zusammenzuarbeiten, um der PKK in Kurdistan das Handwerk zu legen, sagte Talabani.

    Am gestrigen Freitag hatte der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan zwei Bedingungen genannt, unter denen Ankara vom Militäreinsatz gegen kurdische Rebellen im Nordirak absehen würde.

    "Wir bereiten uns bereits auf den Einsatz vor", sagte er. Um die Invasion zu verhindern, müsse der Irak die Lager der terroristischen Arbeiterpartei von Kurdistan (PKK) in seinen nördlichen Regionen räumen und die PKK-Chefs an die Türkei ausliefern", sagte Erdogan.

    Am vergangenen Mittwoch hatte das türkische Parlament einem einjährigen Militäreinsatz gegen die PKK im Nordirak grünes Licht gegeben. Der türkische Sicherheitsrat soll am 24. Oktober einen entsprechenden Aktionsplan konzipieren.

    Laut türkischen Medienberichten wurden die an der Grenze zum Irak stationierten Einheiten der türkischen Armee bereits in erhöhte Kampfbereitschaft versetzt. An der Grenze sei eine Verstärkung der Aktivitäten der türkischen Armee und die Verlegung von Landstreitkräfte sowie Panzereinheiten zu beobachten. Gleichzeitig mit der Aufstockung der Truppen an der Grenze setzt das türkische Militär Operationen in den Provinzen Sirnak, Hakkari und Siirt fort. Dennoch halten Beobachter eine türkische Invasion in Irak derzeit für unwahrscheinlich.

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