03:25 17 Dezember 2017
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    Ukraine: UPA-Armee von Charkow als Nazi-Handlanger anerkannt

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    CHARKOW, 01. Dezember (RIA Novosti). Anders als in einigen anderen Regionen der Ukraine hat der Gebietsrat Charkow die Ukrainische Aufständische Armee (UPA) als Handlanger der Nazisten anerkannt.

    "Die UPA stand unter Befehl des faschistischen Deutschland und wurde vom Dritten Reich während des Zweiten Weltkrieges gegen die Sowjetunion und andere Staaten der Anti-Hitler-Koalition eingesetzt", heißt es in einem am Freitagabend gefassten Beschluss des Gebietsrates. Das Dokument kam auf Initiative der örtlichen Fraktion der Kommunistischen Partei der Ukraine zustande.

    Die Aufstellung von Denkmälern für UPA-Kämpfer in einigen Orten des Gebiets Charkow stellten Versuche dar, der ukrainischen Gesellschaft die Vision von Ereignissen während des Zweiten Weltkrieges unter dem Blickwinkel einer engen Gruppe von Personen aufzuzwingen, die selber grausamste Verbrechen gegen Frieden und Menschlichkeit auf ihrem Kerbholz hätten.

    Die UPA war am 14. Oktober 1942 auf Beschluss der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) als deren Militärarm ins Leben gerufen worden. Die Armee war größtenteils in der Westukraine aktiv. Zuerst kämpfte sie gegen die Hitlertruppen und ab 1944 gegen die Rote Armee.

    Auch in mehreren von den Ukrainern bewohnten Gebieten Polens trieb die UPA ihr Unwesen. Im Sommer 1943 richteten die Nationalisten ein Massaker an der polnischen Zivilbevölkerung ein. Selbst ukrainische Historiker gestehen heute die Zahl der polnischen Opfer zu: Bis Ende 1943 wurden 50 000 bis 60 000 Männer, Frauen und Kinder in unvorstellbar grausamer Weise umgebracht. Nach ukrainischer Zählung 500, nach polnischen Schätzungen mehr als 1150 polnische Dörfer wurden zerstört. Sie verschwanden für immer von der Landkarte.

    Die UPA wurde von Roman Schuchewitsch befehligt. Er wurde am 5. Mai 1950 unweit der ukrainischen Stadt Lwow bei einer Operation der damaligen sowjetischen Geheimpolizei NKWD getötet.

    Die Diskussion, ob die UPA-Kämpfer den Veteranen des Großen Vaterländischen Krieg gleichgesetzt werden sollen, hält in der Ukraine seit Jahren an. Präsident Viktor Juschtschenko, dessen Vater in den Reihen der Sowjetarmee gekämpft hat und in einem deutschen Konzentrationslager gesessen war, will beiden Gruppen gleiche Rechte einräumen. Ohne Weisungen aus dem Zentrum abzuwarten, hatten Ortsbehörden in der Westukraine bereits die ehemaligen UPA-Mitglieder und andere Teilnehmer der Kampfhandlungen während des Zweiten Weltkrieges in ihren Rechten gleichgesetzt.