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    Prozess gegen Vojislav Seselj geht vor Haager Tribunal in nächste Runde

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    DEN HAAG, 11. Dezember (RIA Novosti). Vor dem Haager UN-Tribunal für das ehemalige Jugoslawien wird am Dienstag das Verfahren gegen den Parteichef der Serbischen Radikalen Partei, Vojislav Seselj, wegen "Gesetzesverstößen und Verstößen gegen die Kriegsgebräuche" wieder aufgenommen.

    Die Anklage wird ihre Zeugen und Argumente vorbringen. In der Anklageschrift werden dem serbischen Politiker rassistisch und religiös motivierte Verfolgung, Deportationen, rechtswidrige Festnahmen, Folter und Mord, inhumaner Umgang mit den Gefangenen, Zerstörung von Wohnraum sowie Raub und Gewalt zur Last gelegt.

    Der Vorwurf lautet, dass die von Seselj befehligten paramilitärischen Verbände diese Verbrechen in den Jahren von 1991 bis 1995 in Kroatien, Bosnien-Herzegowina und in den serbischen Gebieten der Vojvodina begangen haben.

    Seselj, so heißt es weiter, habe einer kriminellen Vereinigung angehört, deren Ziel die gewaltsame Vertreibung der nichtserbischen Bevölkerung aus großen Teilen Kroatiens, Bosnien-Herzegowinas und der Vojvodina gewesen sei. Er habe die Schaffung eines Großserbiens proklamiert.

    Sollte Seselj schuldig gesprochen werden, droht ihm eine lebenslange Freiheitsstrafe.

    Seselj hat sich dem Internationalen Gerichtshof im Februar 2003 freiwillig gestellt. Seitdem befindet er sich im Haager UN-Gefängnis. Die gegen ihn erhobenen Vorwürfe bestreitet er.

    Der Prozess gegen die Leitfigur der serbischen Radikalen ist am 28. November 2006 kurz nach Beginn des Verfahrens wieder unterbrochen worden, weil der Angeklagte sich geweigert hatte, im Gerichtssaal zu erscheinen. Mit einem mehr als zweiwöchigen Hungerstreik wollte er die freie Wahl seines Verteidigers, das uneingeschränkte Recht auf seine Selbstverteidigung und unbeschränkte Besuchsmöglichkeiten für seine Ehefrau erzwingen.

    Am 1. Dezember ist der Prozess aufgrund einer rapiden Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Angeklagten auf unbestimmte Zeit vertagt worden. Zwar hat Seselj seinen Hungerstreik am 8. Dezember abgebrochen, doch wegen der anhaltenden Gesundheitsprobleme und des weitergehenden Streits über die Wahl des Rechtsanwalts, wurde das Verfahren nicht wieder aufgenommen. Die Richter nahmen unterdessen aber die Berufung des abgelehnten Pflichtverteidigers zurück und billigten Seselj das Recht zu, sich selbst vor Gericht zu verteidigen.

    Mit Erklärungen von Staatsanwältin Christine Dahl und des Verteidigers, dessen Rolle der Angeklagte selbst übernommen hat, wurde das Verfahren am 7. November wieder aufgenommen. Nach ihrer Verlesung ist der Prozess auf den 11. Dezember vertagt worden.