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    Putin nennt seinen Nachfolger: Weltweite Reaktionen auf Nominierung Medwedews

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    MOSKAU, 11. Dezember (RIA Novosti). Der russische Präsident Wladimir Putin hat am Montag die Kandidatur von Vizepremier Dmitri Medwedew als seinen Amtsnachfolger unterstützt. Der 42-jährige Jurist aus Sankt Petersburg wird nun als klarer Favorit in die Präsidentenwahlen im März gehen.

    Die Nachricht hat weltweit Reaktionen ausgelöst. Die Meisten laufen darauf hinaus, dass Medwedew zwar der liberalste unter allen möglichen Nachfolgern Putins ist, jedoch den jetzigen Kurs fortsetzen wird.

    USA: Medwedew gut bekannt

    In den USA sei Medwedew gut bekannt und werde positiv gewertet, sagte Russland-Experte Ariel Cohen von der Heritage Foundation. Sowohl Republikaner als auch Demokraten hoffen auf eine Zusammenarbeit mit dem künftigen russischen Präsidenten. "Dennoch zeugt die Nominierung Medwedews davon, dass Herr Putin noch viele Jahre in der russischen Politik eine große Rolle spielen wird", äußerte Cohen. Medwedew werde als ein Mann aufgefasst, der keine Einflusshebel auf die Militär- und Sicherheitsstrukturen hat und Putins Beistand braucht. "Und Putin wird die Rolle des nationalen Führers spielen können."

    Die Nominierung Medwedews bezeichnete Cohen als eine "Abmachung" mit den Gruppen aus Geheimdienst- und Militärkreisen, die "hinter den anti-amerikanischen Deklarationen" stehen und die russische Politik prägen. Diese Gruppen würden ihren Einfluss beibehalten, "weil sowohl Putin als auch Medwedew auf ihre Unterstützung angewiesen sind", führte Cohen aus. Auf die Siegeschancen Medwedews eingehend, äußerte der Experte, "Führer, die zu liberal oder zu weich sind, sind in Russland historisch nicht populär". "Wie muss sich Medwedew gebärden, um als Präsident Erfolg zu haben? Das werden wir erfahren."

    Spanien: Medwedew als Kandidat für alle akzeptabel

    Die spanische Presse stellt fest, dass Medwedew als Putins Amtsnachfolger sowohl für die Russen als auch für die westlichen Staaten akzeptabel sei. "Die Nominierung des 42-jährigen Juristen, der der jüngste Kandidat in der Geschichte Russlands seit dem Sturz der Selbstherrschaft der Zaren ist, ist eine Geste, die Unternehmer, Politiker und sogar die liberale Opposition zufriedenstellen kann", schreibt die regierungsnahe Zeitung "Pais". Medwedew sei der liberalste unter allen möglichen Präsidentschaftskandidaten.

    Die unabhängige Zeitung "Mundo" verweist darauf, dass Medwedew einer der wenigen engen Vertrauten Putins ist, die nicht aus den Geheimdienstkreisen stammen. Seine Kandidatur habe sowohl im Inland als auch im Ausland Erleichterung ausgelöst. Die konservative Zeitung "ABC" bezeichnet Medwedew als den "besten Kandidaten unter allen möglichen". Die Unterstützung Wladimir Putins garantiere Medwedew den Wahlsieg.

    Österreich: Gute Nachricht für EU

    Der österreichische Russland-Experte Gerhard Mangott nannte die Nominierung Medwedews eine gute Nachricht für die Europäische Union. Er halte das für ein wichtiges Signal für die EU, schrieb Mangott in der Tageszeitung "Österreich". Medwedew sei Vertreter der liberal-technokratischen Kreise und setzte sich für eine Intensivierung der Wirtschafts- und Finanzbeziehungen zwischen Russland und Westeuropa ein.

    Japan: Medwedew als Präsident für Putin kontrollierbar

    Laut japanischen Experten würde Medwedew ein technischer Präsident sein, den Putin kontrollieren würde. Medwedew sei einerseits ein Yes-Man, der alles tun würde, was ihm Putin sagen würde, urteilte Russland-Experte Kenro Nagoshi. Andererseits sei Medwedew ein junger Technokrat wie Putin einst war. Medwedew sei viel demokratischer als andere Anwärter und könne deshalb die Beziehungen Russlands mit dem Westen und vor allem mit den USA verbessern. Zugleich dürfte er Probleme mit den Hardlinern aus Geheimdienst-, Militär- und Sicherheitskreisen haben. "Medwedew ist sehr jung und deshalb leicht von Putin kontrollierbar", urteilte der Russland-Experte Universitätsprofessor Shigeki Hakamada.

    Großbritannien: Putins "weise" Entscheidung

    Die britische Presse wertet die Kandidatur von Dmitri Medwedew insgesamt positiv. Mit der Nominierung Medwedews als seinen Nachfolger bei der Präsidentenwahl im März kommenden Jahres habe Putin weise gehandelt, schreibt "The Times" am Dienstag. Medwedews Präsidentschaft würde Putin die Möglichkeit bieten, eine Schlüsselrolle als Premier oder Chef der Regierungspartei Geeintes Russland zu spielen, sagen britische Experten.

    Medwedew als zukünftiger Präsident würde sowohl den Westen als auch die liberalen Demokraten in Russland zufrieden stellen, schreibt "The Financial Times".

    "The Guardian" verweist darauf, dass Medwedew im Unterschied zu Putin in keiner Beziehung zu den Geheimdiensten steht. Putin, der im Mai 2008 sein Amt niederlegt, habe deutlich gemacht, dass er seinen Nachfolger "beeinflussen" will und dass seine Rückkehr in den Kreml zu einem gewissen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen sei, stellen britische Analysten fest.

    Der 2008 scheidende Präsident Wladimir Putin hatte sich am Montag für den von der Regierungspartei "Geeintes Russland" vorgeschlagenen Vizepremier Dmitri Medwedew als seinen Nachfolger ausgesprochen. Neben "Geeintes Russland" wird die Kandidatur Medwedews auch von der sozialistisch orientieren Partei "Gerechtes Russland" unterstützt, die bei der Parlamentswahl am 2. Dezember den Sprung über die Sieben-Prozent-Hürde geschafft hatte. Außerdem sagten die liberale Partei Graschdanskaja Sila (Bürgerkraft) und die Agrarpartei, die im neuen Parlament nicht vertreten sind, Medwedew Unterstützung zu. Auf diese vier Parteien entfielen bei der Duma-Wahl vom 2. Dezember insgesamt etwa 75 Prozent der Stimmen.

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