07:44 16 Oktober 2018
SNA Radio
    Politik

    Aufruhr um Buch von Carla del Ponte: Russland hat Fragen an Tribunal für Ex-Jugoslawien

    Politik
    Zum Kurzlink
    0 0 0
    DEN HAAG, 11. April (RIA Novosti). Das Büro des Hauptanklägers des Internationalen Tribunals über Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien (ICTY) hat jetzt ein Schreiben der russischen Botschaft in den Niederlanden erhalten, das sich auf die im Buch von Carla del Ponte erwähnten Verbrechen gegen die Kosovo-Serben bezieht.

    Das teilte Olga Kavran, Sprecherin des Hauptanklägers, am Freitag in einem RIA-Novosti-Gespräch mit.

    "Derzeit wird das Schreiben im Büro geprüft", heißt es.

    Mit der offiziellen Anfrage will Russland klarstellen, ob das Tribunal über Informationen zu den Verbrechen gegen die Kosovo-Serben verfügt, die in den Memoiren der Chefanklägerin des Tribunals erwähnt sind, und ob es diesbezüglich Ermittlungsschritte unternommen hat.

    Wie Kavran weiter ausführte, kann sie den Inhalt des Schreibens nicht öffentlich behandeln. Die Reaktion des ICTY-Büros auf den Brief der russischen Botschaft werde ebenfalls nicht bekannt gemacht. "Wir veröffentlichen unsere Korrespondenz niemals", so die Sprecherin.

    Olga Kavran verweigerte zugleich jede Stellungnahme zu den Medienberichten, laut denen es im Buch von del Ponte um Hunderte von Serben geht, die im Kosovo verschleppt und getötet wurden, um ihre Körperorgane zu verkaufen. "Das Büro wird keine Interviews zu dieser Frage geben bzw. den Inhalt dieses Buches nicht kommentieren", betonte sie.

    In ihrem Buch schreibt Del Ponte unter anderem über Hindernisse, die sie 1999 bis 2007 als Chefanklägerin des Tribunals überwinden musste, um Verbrecher des Balkan-Krieges der 90er Jahre zur Verantwortung ziehen zu können.

    Kurz vor der Veröffentlichung des Buchs hatten Journalisten Auszüge bekommen, in denen beschrieben wird, wie Terroristen der "Befreiungsarmee" der Kosovo-Albaner (UCK) mehr als 300 Einwohner aus den serbischen Enklaven entführten. Sie alle, so Del Ponte, wurden in den Norden Albaniens verschleppt, wo ihnen in einem Geheimlabor lebenswichtige Organe für den Schwarzmarkthandel entnommen wurden.

    Das Buch enthält außerdem Anschuldigungen an den jetzigen Premier des Kosovo, Hashim Thaci, und seinen engsten Mitstreiter und UCK-Kommandeur Ramus Haradinaj.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren