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    G8-Gipfel: Russland will Weltwirtschaft auf eigene Kosten retten - "RBC Daily"

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    MOSKAU, 07. Juli (RIA Novosti). Glaubt man Präsident Dmitri Medwedew und Finanzminister Alexej Kudrin, so wird Russland bei dem am Montag beginnenden G8-Treffen in Japan vorschlagen, die Weltwirtschaft auf eigene Kosten zu retten, schreibt die Wirtschaftszeitung "RBC Daily" am Montag.

    Die Hungernden werde Russland mit Getreide, die Durstigen mit Wasser, die nach Energie Lechzenden mit Öl und Gas versorgen und US-Wertpapiere kaufen, um den Dollar zu retten. Wer aber Russlands Wirtschaft retten wird, ist unklar. Wie die Geschichte lehrt, stoßen seine Zugeständnisse beim Westen nicht auf Gegenliebe.

    Das Hauptthema des G8-Gipfels werden die weltweiten Krisen sein: die Finanz- und die Lebensmittelkrise. Vor einem Monat hatten es die Organisatoren des Gipfels nicht vor, die Krise zu erörtern, dann nahmen sie sie als Punkt drei in die Tagesordnung auf, und nun ist sie das Thema Nummer eins.

    Um ihre Inlandsmärkte zu schützen, haben die Länder Südostasiens, Indien und Brasilien die Beschränkung oder volle Einstellung des Getreideexports bekannt gegeben. Aber Russland will wie immer seinen eigenen Weg gehen. Auf dem Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg kritisierte Präsident Dmitri Medwedew nicht von ungefähr den "ökonomischen Egoismus": Zum 1. Juli hebt die Regierung Putin die vor den Wahlen eingeführte Verzollung des Weizen- und Gerstenexports, die die inländischen Brotpreise etwas eindämmte, auf.

    Doch die Lorbeeren des größten Altruisten hat gerechterweise Finanzminister Alexej Kudrin verdient. Seinen Worten nach wird Russland nach wie vor in US-Aktien investieren, obwohl sie sinken. Kudrins Logik ist allgemein bekannt: Die Anlage der Petrodollar-Einnahmen in Russlands Wirtschaft werde eine Inflation auslösen.

    Indes verstehen Experten nicht, warum der Staat dieses Geld nicht zum Beispiel Staatsunternehmen leiht, damit sie im Ausland investieren können, und Gazprom zwingt, Kredite im Westen aufzunehmen. "Je größer Russlands Stabilisierungsfonds ist, um so höher sind die Unternehmensschulden im Lande", sagt Professor Sergej Lopatnikow von der Universität Delaware. "Es entsteht der Eindruck, dass der Stabilisierungsfonds als Unterpfand für Geschäftskredite von Gesellschaften mit staatlicher Beteiligung dient."

    Es ist eine alte Leidenschaft der russischen Elite, ewig den undankbaren Westen zu retten. Der Getreideexport nach Europa war nicht nur Gegenstand des Stolzes der russischen Zaren, sondern auch der wichtigste Grund für den Hunger in Russland. Dabei rettete weder das Getreidedumping noch der Aktiva-Austausch Russland vor Kriegen mit Europa.

    "Wie kommt es, dass ein Imperium, das 40 Jahre lang nichts anderes tat, als um des Nutzens und des Schutzes fremder Interessen willen auf die eigenen Interessen zu verzichten, sich plötzlich einer riesigen Verschwörung gegenübersieht?" fragte einst verzweifelt der Dichter Fjodor Tjutschew vor dem Krim-Krieg (1853 - 1856). "Wir haben die Reste unserer Stützpunkte aus Vietnam, von Kuba abgezogen und dort alles liquidiert", sagte Wladimir Putin im vergangenen Herbst befremdet. "Dabei werden heute an unseren Grenzen für unser Land solche Gefahren [amerikanisches ABM-System] heraufbeschworen."

    Es sieht so aus, als hätte sich in den vergangenen 150 Jahren in den Beziehungen zwischen Russland und dem Westen praktisch nichts verändert.

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