00:34 16 Dezember 2017
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    Saakaschwili verliert im Westen an Kredit - „Wedomosti“

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    MOSKAU, 18. August (RIA Novosti). Russland will den georgischen Staatschef Michail Saakaschwili so bald wie möglich entthronen, der Westen ihn um jeden Preis schützen, dabei handeln sie ihren wahren Interessen zuwider, schreibt die Zeitung „Wedomosti“ vom Montag.

    Die Situation ist eigentlich völlig widersinnig. Moskau ist daran interessiert, alles zu tun, damit der georgische Präsident im Amt bleiben kann. Der Westen will hingegen Saakaschwili so bald wie möglich loswerden. Warum er den USA und der EU nicht mehr genehm ist, ist klar. Das beginnen auch die westlichen Medien zu verstehen, unter anderem der britische Sender BBC - er hat gezeigt, wie Saakaschwili nichts ahnend vor dem Interview vor laufender Kamera an seiner Krawatte kaut. Die Kommentatoren haben sofort in dem Verhalten Anzeichen einer psychischen Störung gesehen.

    Der französische Außenminister Bernard Kouchner gab zu, die Georgier hätten ihrerseits ebenfalls grobe Fehler begangen. Die Politiker aus den USA und der EU müssen sich unangenehme Fragen gefallen lassen - ob Saakaschwili überhaupt in der Lage ist, vernünftig zu urteilen? Ob er adäquat ist? Ob er über das politische Fingerspitzengefühl verfügt? Ob er letztendlich vertrauenswürdig ist?

    Die Antworten auf solche Fragen würden Saakaschwili selbst kaum viel Trost bringen. Der Westen besteht darauf, der georgische Präsident müsse im Amt bleiben, aber bloß, um Moskau ordentlich die Suppe zu versalzen und die eigenen Fehler nicht sofort eingestehen zu müssen.

    Doch Saakaschwili hat im Westen an Kredit verloren. In der großen Politik vermeidet man normalerweise, auf einen Politiker zu setzen, der eine Niederlage erlitten hat. Es ist dabei überhaupt nicht wichtig, warum derjenige verloren hat. Es ist nicht von großer Bedeutung, warum er anstatt Ossetien eine Armee bekommen hat, die eine horrende Niederlage erlitten hat, sowie eine ins Schwanken gekommene Wirtschaft. Hauptsache, dass die erreichten Ziele ins Gegenteil verkehrt wurden.

    Darin besteht ein riesiger Vorteil für Moskau. Die ganze Initiative gehört ihm. Doch ob Russland wirklich an der Spitze Georgiens einen neuen glänzenden Präsidenten mit einem charismatischen Führungsstil braucht, einen Politiker also, der so ist, wie Saakaschwili vor fünf Jahren? Natürlich ja, wenn es eine ideale Entscheidung idealer georgischer Wähler gewesen wäre.

    Saakaschwili könnte sogar eine komplett gestörte Persönlichkeit sein, das spielt keine Rolle, denn er repräsentiert den alten georgischen Wunschtraum über einen geeinten Staat, Südossetien und Abchasien inklusive. Es deutet nichts darauf hin, das die Stimmung des Volkes in Georgien kippen würde. Und es deutet ebenfalls nichts darauf hin, dass es Moskau jemals gelingen könnte, eine Moskau-treue politische Regierung in Georgien zu installieren.

    Eine Alternative Saakaschwilis könnte Irakli Okruaschwili heißen. Das ist derjenige, der bereits 2006 vorgeschlagen hatte, Zchinwali zu attackieren. Der Sieg eines solchen Politikers würde kaum Moskau viel Freude bereiten.