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    Musharrafs Rücktritt: Gefahr des Erstarkens der Islamisten in Pakistan

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    MOSKAU, 18. August (RIA Novosti). Der am Montag bekannt gegebene Rücktritt des pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf wird Experten zufolge sein Land schwächen und die Islamisten politisch stärken.

    Diese Meinung äußerte der Präsident des Nahost-Instituts (Moskau), Jewgeni Satanowski.

    Musharraf, den die Regierungskoalition beschuldigt, die Verfassung verletzt zu haben, gab am Montag seinen Rücktritt bekannt und kam dadurch einem parlamentarischen Amtsenthebungsverfahren zuvor.

    Die Pakistanische Volkspartei (PPP), die die diesjährige Parlamentswahl gewonnen hat, und die Muslimliga (PML-N) vereinbarten im August, ein Amtsenthebungsverfahren Musharrafs, der nach einem Militärputsch im Jahr 1999 an die Macht kam, einzuleiten. Die diesbezüglichen Anhörungen hätten am Dienstag beginnen sollen.

    Musharraf betonte, die Entscheidung über seinen Rücktritt im „nationalen Interesse“ gefällt zu haben.

    RUSSLAND UND PAKISTAN: DER STATUS QUO WIRD BEIBEHALTEN

    Satanowski betonte in einem Interview für RIA Novosti, der Rücktritt Musharrafs werde keinen Einfluss auf die Beziehungen zwischen Pakistan und Russland haben. Ihm zufolge wird Russland mit jedem künftigen Führer in diesem Land kooperieren, sei es ein Vertreter der Militärs, einer oppositionellen Partei oder einer Parlamentsfraktion.

    „Pakistan ist kein Thema bei den Streitfragen mit unseren amerikanischen Kollegen. Vom pakistanischen Territorium geht keine Bedrohung für Russland aus“, sagte er.

    „Der einzige Fall, als es zwischen Russland und Pakistan einen Konflikt gab, war, als pakistanische Militärs die Mudschaheddin unterstützten, gegen die die sowjetische Armee in Afghanistan kämpfte“, unterstrich er.

    SCHWÄCHUNG ISLAMABADS

    Der Rücktritt Musharrafs werde Pakistan sehr stark schwächen, wenn die Militärs dieses Landes nicht einen „neuen Musharraf“ aus ihren Reihen stellen, sagte Satanowski.

    „Die Ausbildungsstufe bei der pakistanischen Generalität ist hoch, das ist noch der Einfluss der alten britischen Militärschule“, betonte der Experte, der die Möglichkeit eines solchen Schrittes nicht ausschloss.

    Ihm zufolge besteht zwischen den politischen Kräften des Landes - der Muslimliga des ehemaligen Premiers Nawaz Sharif und der PPP, die vom Ehemann der Ende Dezember getöteten Ex-Regierungschefin Benazir Bhutto geleitet wird - ein großer Hass.

    Laut dem Experten werden diese Kräfte nach dem Rücktritt Musharrafs miteinander abrechnen.

    CARTE BLANCHE FÜR DIE ISLAMISTEN

    Laut Satanowski werden die Positionen der radikalen Islamisten nach dem Rücktritt Musharrafs höchstwahrscheinlich stärker.

    „Die Islamisten haben heute mit dem Rücktritt Musharrafs die carte blanche erhalten“, sagte er.

    „Das ist das übliche Schema jeglicher Entwicklung von Demokratie nach dem amerikanischen Modell im Nahen und Mittleren Osten“, betonte er.

    Dieses Modell würden die Islamisten auch in Ägypten, in Palästina, im Irak und in Afghanistan anwenden, um an die Macht zu kommen.

    Außerdem werde die Situation um den Drogenhandel komplizierter, da durch Pakistan ein sehr großer Teil der Drogen transportiert werde, der bislang an der iranischen Grenze von den pakistanischen Militärs so gut es ging unterbunden worden sei.

    EINE WÜRDIGE ENTSCHEIDUNG

    Satanowski betonte, dass Musharraf bei weitem nicht der schlechteste Führer Pakistans gewesen sei.

    „Er hat alles in seiner Macht Stehende für die Unterbindung des Drogenhandels und des Separatismus sowie im Kampf gegen die Islamisten getan“, so der Experte.

    „Musharraf hat eine Entscheidung getroffen. Er tritt zurück und wird das Land nicht spalten. Das ist zweifellos eine sehr würdige Entscheidung“, sagte er.

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