06:14 21 Juli 2018
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    USA kehren zu Realismus in Beziehungen zu Russland zurück - „Kommersant“

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    MOSKAU, 22. September (RIA Novosti). Trotz der andauernden propagandistischen Ausfälle ist jetzt sowohl in Moskau als auch in Washington der Wunsch zu erkennen, etwas wie ein gemeinsames Koordinatensystem zu finden, schreibt Fjodor Lukjanow, Chefredakteur der Zeitschrift „Russland in der globalen Politik“, in der Tageszeitung „Kommersant“ vom Montag.

    Dies bedeutet jedoch noch keine gegenseitige Annäherung der Positionen, es gibt aber Hoffnung darauf, dass es gelingt, die Fähigkeit zum Dialog wiederherzustellen.

    So hat der Pentagon-Chef Robert Gates in seiner jüngsten Rede in London Russland zwar hart kritisiert, zugleich aber auch Äußerungen gemacht, die mit der Einstellung des ideologisierten Teils der US-Administration im Widerspruch stehen. So ist der Standpunkt, wonach „auch die autoritären Regimes ihre legitimen Sicherheitsinteressen haben“, für einen Vertreter der Bush-Mannschaft revolutionär, welche zwei Präsidentenamtszeiten lang das Gegenteil davon zu beweisen versuchte.

    Außerdem ruft der Minister auf, „bei der Übernahme von Verpflichtungen vorsichtig zu sein, zugleich aber auch bereit zu sein, die bereits übernommenen Verpflichtungen zu erfüllen“. Dies ist als eine Mahnung an diejenigen zu verstehen, die die Aufnahme der Ukraine und Georgiens in die Nato als einen ideologischen Selbstzweck betrachten und die möglichen strategischen Nachwirkungen dieses Schritts ignorieren.

    In ernsthaften US-Debatten über Russland ist heute der Begriff „Realismus“ besonders stark verbreitet. Scharf kritisiert werden sowohl Illusionen der Administration Bill Clintons, die Russland nach westlichem Muster zu transformieren versuchte, wie auch die unverhüllte Ignoranz der Administration Bushs gegenüber Moskaus Interessen. Nun rufen viele dazu auf, den Worten des Kremls Gehör zu schenken. So stellte der ehemalige US-Außenamtschef Colin Powell fest: „Russland ist zwar nicht die UdSSR, aber auch dieses Land hat eigene Interessen, denen gegenüber man aufmerksam sein muss.“

    Da Moskau ebenfalls bereits ohne Umschweife seine Ansprüche auf „privilegiertes Interessengebiet“ erhebt, sollte eine solche Diskussion jenseits des Atlantiks erfreulich sein. Ein Triumph des Realismus in der US-Politik, sollte es dazu kommen, muss aber nicht gleich einen Rückgang von Spannungen bedeuten.

    Wie Wladimir Putin beim Russland-Nato-Gipfel in Bukarest zu Recht festgestellt hat, sind in der Welt der realen Politik nicht Absichten, sondern Potentiale wichtig. Das politische, das wirtschaftliche und das militärische Potential des heutigen Russland ist zwar gestiegen, es ist aber mit den entsprechenden Kennziffern der immer schwächer werdenden Vereinigten Staaten nicht zu vergleichen. Sollte also der Realismus darin bestehen, sich mit den Potentialen zu messen, so könnte das Resultat traurig sein, so der Experte.

    Eine klassische Regel der Diplomatie lautet: Die Interessen der anderen sollen in dem Maße respektiert werden, in dem das den eigenen Interessen nicht widerspricht. Washington scheint das in den letzten Jahren vergessen zu haben. Wichtig ist, dass Moskau in der neuen Situation nicht genauso „vergesslich“ wird.