04:03 26 April 2018
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    Putin-Straße in Grosny: Bekenntnis zu stärkstem Mann Russlands - „Gazeta.Ru“

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    MOSKAU, 08. Oktober (RIA Novosti). Die Benennung einer Straße in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny nach Wladimir Putin war ein russlandweites Ereignis, schreibt die Internetzeitung „Gazeta.Ru“ am Mittwoch.

    Dies ist eine Bekundung, die nicht Putin als Ex-Präsident und auch nicht der Privatperson Putin gilt, sondern Putin als Regierungschef angesichts des ständigen Streits über das Kräfteverhältnis des Machttandems.

    Dies ist eine Bestätigung dafür, wie kompliziert dieses Verhältnis ist, wie auch ein Zeichen dafür, auf wessen Seite eine einflussreiche und recht große Elitengruppe steht - und zwar nicht bloß in einer der 80 Regionen.

    Seinerzeit war Tschetscheniens Präsident Ramsan Kadyrow derjenige gewesen, der ständig das Thema einer dritten Amtszeit Putins angesprochen hatte. Zwar hat er dabei seine persönliche Einstellung dazu und sein persönliches Interesse daran bekundet, zugleich war dies aber auch Manifestation einer der Elitenparteien. Diese siegte damals nur deshalb nicht, weil Putin selbst das nicht wollte.

    In der jetzigen undurchsichtigen Konfrontation innerhalb dieses Machttandems war das keine servile Aktion, sondern eine in der Form eines servilen Akts gerichtete Botschaft, und zwar nicht nur von Kadyrow, sondern auch von einem Teil der Eliten.

    Das Feld für solche symbolhaften Gesten war dabei von Präsident Dmitri Medwedew selbst eröffnet worden. Bei einem Quasi-Wettstreit mit Putin um die Glorifizierung von Alexander Solschenizyn erklärte der Präsident in Erwiderung des Vorschlags des Premiers, Solschenizyns Werken in den Schulen mehr zu fördern: „Und ich schlage vor, auch eine Straße nach ihm zu benennen.“ Somit machte er selbst den Bereich der Straßen- und Städte-Umbenennungen zu einer Sphäre der politischen Manifestationen.

    All das wird noch lange nur ein Krieg der Gesten und nur der kodierten Botschaften der beiden Lager und an die Öffentlichkeit bleiben. Eines steht aber außer Zweifel: Der Hauptunterschied zwischen Putin von heute und Putin von 2006 und 2007: Damals konnte er nicht als Russlands Präsident wiedergewählt werden, heute kann er das, und zwar noch zwei Mal hintereinander. Übrigens: Bei den nächsten Präsidentenwahlen würde Putin laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Lewada-Zentr 58 Prozent der Stimmen bekommen und Medwedew nur 28 Prozent.

    Bei allen Besonderheiten des Führungsstils Putins als Präsident ist er anständig geblieben und hat kein Interesse an seiner Glorifizierung in Form von Orden, Denkmälern oder Straßennamen gezeigt. Mit der Straßenumbenennung in Grosny wurde nun dieser Rahmen überschritten. Nun geht es darum, ob Putin als Premier einen Anlass oder einen Weg findet, sich von dieser Straßenumbenennung zu distanzieren und eine Aufhebung dieses Beschlusses durchzusetzen.