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    Kaukasus-Konflikt: Europa hält sich lieber raus - „Kommersant“

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    MOSKAU, 29. Januar (RIA Novosti). Gestern hat Russland bei der Parlamentarischen Versammlung des Europarats (PACE) eine seiner schlimmsten Niederlagen seit Jahren einstecken müssen. Darüber schreibt Fjodor Lukjanow, Chefredakteur der Zeitschrift " Russia in Global Affairs", in der „Kommersant“ vom Donnerstag.

    In einer PACE-Resolution zum „Fünf-Tage-Krieg“ in Georgien wird Moskau aufgefordert, die Anerkennung der Unabhängigkeit Abchasiens und Südossetiens zurückzunehmen. Doch in Wirklichkeit hat dieser Krieg zwischen Russland und Georgien, der vor einem halben Jahr die Welt erschütterte, kaum Bedeutung in der europäischen Politik.

    Die weltweite Finanzkrise hat die Rangordnung der Prioritäten auf den Kopf gestellt. Die führenden Nationen Europas nahmen sehr nüchtern und kritisch ihre eigenen Möglichkeiten und Interessen in Augenschein. Dabei stellte sich heraus, dass das alte Europa nicht bereit ist, seine Präsenz in den Konfliktzonen auszubauen. Die EU besitzt keine strategischen Interessen in Georgien, zumindest keine Interessen, die die Wichtigkeit des Zusammenwirkens mit Russland überwiegen würden.

    Die Ereignisse im August 2008 sind nicht vergessen. Sie haben Europa in seiner Meinung erneut bestätigt, dass Russland eine aggressive und unberechenbare Macht sei. Allerdings wurde sie nicht zu einer Richtlinie im Umgang mit Russland auserkoren.

    Für Tiflis ist es nun überlebenswichtig, das allgemeine Interesse am Kaukasus-Konflikt aufrechtzuerhalten, denn nur so wird es ihm gelingen, im Mittelpunkt des Interesses zu bleiben. Umso mehr, wenn man bedenkt, dass die Unterstützung einer jungen Demokratie auf dem Kaukasus für die neue US-Regierung nicht so wichtig sein wird.

    Eine praktische Folge des Kriegs für Russland sind die Kopfschmerzen wegen des Status Südossetiens und Abchasiens. Moskau versteht anscheinend nicht ganz, wohin mit der ganzen Beute. Die Forderung der Parlamentarischen Versammlung des Europarats nach Rücknahme der Anerkennung der Unabhängigkeit Südossetien und Abchasiens wird folgenlos bleiben. Doch man muss auch nicht besonders damit rechnen, dass jemand dem Beispiel Russlands und Nicaraguas folgt.

    Im Endergebnis wird das Schicksal dieser neuer Staaten kein unüberwindbares Hindernis für die Beziehungen zwischen Russland und den Vereinigten Staaten darstellen, doch es wird für Jahre ein ärgerlicher Stein des Anstoßes bleiben.

    Die Aktivitäten der Parlamentarischen Versammlung des Europarates im Kaukasus, obwohl für Moskau störend, kommen Russland sehr zustatten. Denn jede Tagung wird die Rolle eines Ventils spielen, durch das der überflüssige Dampf entweichen kann. Dasselbe betrifft auch die Genfer Gespräche über den Kaukasus-Konflikt, die sich noch lange Zeit ausschließlich mit der Tischordnung beschäftigen werden.

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