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    ANALYSE: Korea am Rande eines Krieges?

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    MOSKAU, 30. Januar (Iwan Sachartschenko, RIA Novosti). Mit der Annullierung sämtlicher Vereinbarungen mit dem Süden hat Nordkorea deutlich gemacht, dass es über seine Sicherheit nicht mehr mit Südkorea, sondern direkt mit den USA verhandeln will.

    Das nordkoreanische Komitee für Wiedervereinigung hat den südkoreanischen Präsidenten Lee Myung Bak beschuldigt, sich nach dem Amtsantritt im vergangenen Jahr vom bisherigen Kurs auf eine Annäherung an Nordkorea abgekehrt zu haben.

    "Jetzt gibt es weder die Möglichkeit noch den Willen, die Beziehungen zum Süden wieder zu verbessern", hieß es aus Pjöngjang. Die Beziehungen zwischen den beiden Koreas stünden deshalb am "Rande eines Krieges."

    Annulliert wurde vor allem die Vereinbarung zur militärischen Grenzlinie zwischen beiden Staaten im Gelben Meer. Diese Grenzlinie wurde von US-General Mark Wayne Clark nach dem Korea-Krieg 1953 gezogen und wird von Nordkorea nicht anerkannt. 2007 einigten sich die Regierungen der beiden Koreas darauf, die umstrittene Region in eine "Friedenszone" zu verwandeln, um unter anderem gemeinsam Fischfang zu betreiben.

    Nach Angaben der südkoreanischen Presse wurde dieser Plan nach dem Amtsantritt von Lee Myung Bak auf Eis gelegt ebenso wie die Vereinbarungen über den Verzicht auf gegenseitige Konfrontation.

    Beide Seiten hatten sich 2000 auf den Verzicht auf gegenseitige Ausfälle verständigt. Nach dem Präsidentenwechsel in Seoul begannen südkoreanische Nichtregierungsorganisationen mit der Verbreitung von regierungskritischen Flugblättern im Norden. Diese wurden mit Hilfe von Ballons über dem Nachbarstaat abgeworfen und lösten bei der Regierung in Pjöngjang zunehmend Ärger aus.

    Die Absage Südkoreas an die Annäherungspolitik hat Nordkorea laut Experten einen guten Anlass gegeben, mit der Regierung Lee Myung Bak zu brechen und sich den USA zuzuwenden, wo der Demokrat Barack Obama zum Präsidenten wurde.

    Mit der Administration des Demokraten Bill Clinton hatte sich das kommunistische Land 1994 auf eine Aussetzung seines Atomprogramms geeinigt. Dieses Programm wurde nach dem Einzug des Republikaners George W. Bush, der Nordkorea zur "Achse des Bösen" zurechnete, ins Weiße Haus jedoch wieder aufgerollt.

    Nach dem Überfall der USA auf den ebenfalls zu dieser "Achse" gehörenden Irak wollte Nordkorea offenbar nicht länger warten, bis es an der Reihe ist, und stieg aus dem Atomwaffensperrvertrag aus. Im Oktober 2006 testete der kommunistische Staat, der zu jenem Zeitpunkt bereits bis nach Japan reichende Raketen besaß, seine erste Atombombe.

    Dabei räumte Pjöngjang einen Verzicht auf weitere Atomaktivitäten ein, wenn die USA ihm Sicherheitsgarantien gewähren würden. Bei den darauf gestarteten Sechs-Parteien-Gesprächen gelang es den Unterhändlern aus Russland, den USA, China, Japan und den beiden Koreas, eine Stilllegung des Atomwerkes in Yongbyon zu vereinbaren, wo Nordkorea sein atomwaffenfähiges Plutonium herstellte. Die jetzigen Spannungen zwischen Nord- und Südkorea stellen weitere Atomgespräche in Frage.

    Da die Ursache der Atomkrise im Streit zwischen Pjöngjang und Washington liegt, steuert Nordkorea jetzt offenbar auf einen direkten Dialog mit den USA zu. Nun hängt alles davon ab, wie weit die USA, die mit Südkorea verbündet sind, in ihren Beziehungen mit Nordkorea gehen werden.

    Seit dem Abschluss des Waffenstillstandsabkommens im Jahre 1953 befinden sich die USA und Nordkorea formell im Kriegszustand. Bis jetzt lehnte Washington es ab, mit Pjöngjang über einen Friedensvertrag zu verhandeln. Immerhin wurde unter Präsident Bill Clinton ein Dialog über eine Normalisierung in die Wege geleitet.

    Wenn die Beziehungen wirklich normalisiert und ein Friedensvertrag geschlossen würden, würde es den USA schwerfallen, die Präsenz ihres 30 000 Mann starken Truppenkontingents in Südkorea zu begründen.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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