22:31 23 Juni 2017
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    USA und Nato nehmen Kiew im Falle eines Konflikts mit Russland kaum in Schutz

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    Mit einem eventuellen Nato-Beitritt wird die Ukraine ihre Sicherheit nicht erhöhen können, weil dies zu einer Zunahme von Spannungen in den Beziehungen mit Russland führen kann.

    KIEW, 17. Juni (RIA Novosti). Mit einem eventuellen Nato-Beitritt wird die Ukraine ihre Sicherheit nicht erhöhen können, weil dies zu einer Zunahme von Spannungen in den Beziehungen mit Russland führen kann.

    Im Falle eines bewaffneten Konflikts könnten dann die Nato-Länder ihre Teilnahme daran auf der Seite der Ukraine verweigern.

    Diese Meinung vertritt Doug Bandow, leitender Mitarbeiter des Washingtoner Cato-Instituts und ehemaliger Berater von US-Präsident Ronald Reagan.

    "Ein jedes Land muss in den Sicherheitsfragen in erster Linie auf sich rechnen", sagte er am Dienstag in einer Rundtischkonferenz, die vom Institut in der Ukraine veranstaltet wurde. "Politiker können zwar Versprechen geben, diese Versprechen werden aber nicht immer eingehalten. Die schönen Worte bedeuten nicht unbedingt eine militärische Hilfe (im Notfall)."

    In einer hypothetischen Variante, in der Ukraine der Nato beitritt und sich in einen Konflikt mit Russland verwickeln lässt, würden die USA höchstwahrscheinlich zu einer Nichtteilnahme daran tendieren, sagte der Politologe.

    "Wenn die Militärs den US-Präsidenten fragen würden, ob er bereit sei, New York zu opfern, um Kiew zu retten, würde er mit großer Wahrscheinlichkeit sagen: ‚Danke, nein.'", so Bandow.

    Als Beispiel nannte er den georgisch-südossetischen Konflikt im August 2008, der nach seiner Ansicht in vieler Hinsicht deshalb ausgebrochen, weil Georgiens Präsident Michail Saakaschwili "sicher war, dass Washington ihm seine Hilfe erweisen würde". Weder die USA, noch Europa seien aber zu Militärhandlungen gegen Russland eindeutig bereit gewesen. Allerdings sei Georgien vorerst noch kein Nato-Mitglied.

    "Viele Experten in Washington sind der Ansicht, dass es keinen Krieg gegeben hätte, wäre Georgien ein Nato-Mitglied gewesen", führte Bandow weiter aus. "Meines Erachtens ist das ein ziemlich gefährliches Argument, das jeder Grundlage entbehrt. In der Geschichte kennen wir recht viele Beispiele, die bestätigen, dass militärische Allianzen die Konflikte nicht verhindern konnten."

    Der Fall Georgien sei eine Lektion für die Ukraine, meinte der Experte. "Amerika kann Versprechen geben und sogar beim Beitritt zur Nato helfen, es gibt aber keine Garantie dafür, dass es im Falle einer Krise seine Versprechen einhalten wird."

    "Die USA spielen zwar eine überaus aktive Rolle in der Ukraine, dabei geht es aber um den Schutz der Interessen der Vereinigten Staaten", betonte er.

    Viele US-Politiker "lieben die Ukraine, weil sie darin einen Puffer gegen Russland sehen" und weil sie es als wichtig betrachten, die amerikanischen Werte überall durchzusetzen und proamerikanische Regierungen zu haben. Nach seiner Ansicht wäre die ideale Variante für die Ukraine eine Integration in die EU, jedoch kein Nato-Beitritt.

    Wie Bandow betonte, stellt die Nato in der jetzigen Form keine Bedrohung für Russland dar. Aus einer Militärorganisation, die für den Schutz des Westens vor der Sowjetunion gebildet worden war, wurde in den letzten zwei Jahrzehnten eine politische Organisation. Dennoch betrachte Russland die Allianz "im historischen Aspekt" und wünsche keine Osterweiterung der Allianz.

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