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    Mord an Bürgerrechtlerin Estemirowa - Kollegin von Politkowskaja und Kadyrows Opponentin

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    Eine Trauerkundgebung zum Tod der Bürgerrechtlerin Natalja Estemirowa findet am heutigen Donnerstag auf dem Puschkinplatz im Zentrum Moskaus statt.

    ROSTOW AM DON / MOSKAU, 16. Juli (RIA Novosti). Eine Trauerkundgebung zum Tod der Bürgerrechtlerin Natalja Estemirowa findet am heutigen Donnerstag auf dem Puschkinplatz im Zentrum Moskaus statt.

    Estemirowa, Mitarbeiterin des Menschenrechtsorganisation "Memorial", war am Mittwochmorgen in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny entführt worden. Gegen Abend wurde ihre Leiche in der Nachbarrepublik Inguschetien mit tödlichen Schusswunden am Kopf und an der Brust in der Nähe der Fernstraße Kawkas entdeckt.

    Nach Ansicht des inguschetischen Bürgerrechtlers Magomed Muzolgow war Estemirowa der einzige Mensch in Tschetschenien, die seine eigene prinzipielle Position zu den Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien hatte.

    "Sie nahm keine Notiz von den Behörden und gab beliebige Erklärungen zu allen Menschenrechtsverletzungen ab, unabhängig davon, wer dahinter stand", sagte er in einem RIA-Novosti-Gespräch. "Sie gehörte zu den wenigen, die auch mit Tschetscheniens Präsident Ramsan Kadyrow gestritten hat."

    Ursprünglich war sie in mehrere gesellschaftliche Menschenrechtskommissionen und -organisationen aufgenommen worden, so Muzolgow. Später aber "wurde sie aus allen gesellschaftlichen Räten und Organisationen im Dunstkreis des Präsidenten Tschetscheniens, die sich mit Menschenrechtsverletzungen befassten, ausgeschlossen".

    "Estemirowa hatte Auseinandersetzungen mit Kadyrow. Sie war auch eine der wenigen, die Anna Politkowskaja persönlich gekannt und mit ihr zusammen gearbeitet hat", fügte er hinzu.

    Die Journalistin Anna Politkowskaja war am 7. Oktober 2006 in Moskau erschossen worden. Als Motiv wird ihr Einsatz für die Menschenrechte in Tschetschenien vermutet.

    Oleg Orlow, Chef der Menschenrechtsorganisation "Memorial", machte Tschetscheniens Behörden für den Tod von Estemirowa verantwortlich. Das, womit sie sich in letzter Zeit befasst hat, habe die Regierung der Republik "enorm entrüstet", betonte er. "Unsere und meine Schuld besteht darin, dass wir es nicht geschafft haben, sie rechtzeitig aus Tschetschenien abzuziehen", sagte Orlow in einem RIA-Novosti-Gespräch.

    Lew Ponomarjow, Chef der Moskauer Organisation "Für die Menschenrechte", zweifelt nicht daran, dass der Mord mit ihren beruflichen Aktivitäten zusammenhängt. "Das zeugt ein weiteres Mal davon, dass der Krieg in Tschetschenien, wie auch im gesamten Nordkaukasus, immer noch nicht zu Ende ist", betonte er.

    Ponomarjow zweifelt daran, dass die Mörder der Bürgerrechtlerin je gefunden werden. Nach seinen Angaben hinterließ Estemirowa eine 16-jährige Tochter, die mit ihr in Tschetschenien gelebt hat.

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