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    Jugoslawien-Tribunal: Sesel wegen Gerichtsmissachtung zu Haftstrafe verurteilt

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    MOSKAU, 24. Juli (RIA Novosti). Der Internationale Gerichtshof für Ex-Jugoslawien (ICTY) in Den Haag hat am Freitag den Chef der Serbischen radikalen Partei, Vojislav Sesel, der Missachtung des Gerichts für schuldig befunden und zu 15 Monaten Freiheitsentzug verurteilt.

    Das geht aus einer Mitteilung des Gerichts hervor.

    Sesel befindet sich seit dem Jahr 2003 beim ICTY. Gegen ihn läuft ein Prozess wegen Kriegsverbrechen in den bewaffneten Konflikten in Kroatien, Bosnien-Herzegowina und in der serbischen Autonomie in den Jahren 1991 bis 1993.

    Sesel hatte im November 2007 ein Buch herausgeben lassen, das ausführliche Informationen über drei Zeugen in dem Prozess enthält, welche unter besonderem Schutz des ICTY stehen.

    Die vom ICTY untersagte Offenlegung der Personalien bedroht die Sicherheit der Zeugen. Aus diesem Grund wurde Sesel, der sich nicht schuldig bekennen will, im Januar 2009 wegen Missachtung des Gerichts angeklagt.

    Das am 29. Mai 2009 eingeleitete gesonderte Verfahren wird das Urteil im Fall der Kriegsverbrechen nicht beeinflussen.

    Dem ICTY-Vizechef O Gon Kwon zufolge betrachtet die Gerichtskammer dies "als eine ernsthafte Einmischung in die Rechtsprechung, insbesondere im Hinblick auf die negative Auswirkung dieses Verhaltens auf das Vertrauen der Zeugen in die Fähigkeit des Tribunals, effektive Schutzmaßnahmen für sie zu sichern".

    Das Gericht hat Sesel außerdem verpflichtet, den Text seines Buches bis zum 7. August von der Web-Seite zu entfernen.

    Sesel, der bis jetzt als einer der populärsten serbischen Politiker gilt, hatte sich am 24. Februar 2003 dem ICTY freiwillig gestellt.

    Der Prozess gegen den formellen Chef der Serbischen radikalen Partei wegen Verstößen gegen die Kriegsgesetze und -bräuche läuft seit 2006.

    Das Verfahren wurde im November desselben Jahres wegen eines Hungerstreiks des Angeklagten unterbrochen und erst ein Jahr später wieder aufgenommen.

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