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    Gorbatschow führte Doppelpolitik gegen DDR - Egon Krenz

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    Der letzte UdSSR-Chef Michail Gorbatschow hatte 1989 ein "doppeltes Spiel" gespielt, indem er hinter dem Rücken der DDR-Führung mögliche Wege zur Wiedervereinigung Deutschlands erörterte.

    MOSKAU, 16. September (RIA Novosti). Der letzte UdSSR-Chef Michail Gorbatschow hatte 1989 ein "doppeltes Spiel" gespielt, indem er hinter dem Rücken der DDR-Führung mögliche Wege zur Wiedervereinigung Deutschlands erörterte.

    Das sagte der letzte Vorsitzende des Staatsrates der DDR, Egon Krenz, am Mittwoch in Moskau bei der Präsentation seines in russischer Sprache erschienenen Buches "Herbst '89".

    In einem Gespräch mit ihm habe Gorbatschow am 1. November 1989 gesagt: "Eine Vereinigung Deutschlands steht nicht auf der Tagesordnung." Aber fast zeitgleich seien hinter dem Rücken der DDR-Führung Kontakte zu bundesdeutschen Politikern aufgenommen worden, um die Bedingungen für die deutsche Einheit auszuloten, sagte Krenz.

    Das 1949 in die Bundesrepublik und die DDR gewaltsam geteilte Deutschland wurde 1990 wieder vereinigt. Diesem Ereignis gingen gewaltige geopolitische Veränderungen in Europa voraus. Die DDR, die Teil des von der damaligen Sowjetunion geführten Ostblocks war, hörte auf zu existieren. Krenz war der letzte DDR-Spitzenpolitiker der SED, unter ihm wurde die Berliner Mauer geöffnet.

    Bis zur letzten Minute des Bestehens der DDR habe er Gorbatschow vertraut, der seine Treue zur Integrität der (Deutschen Demokratischen) Republik bekundet habe. Gorbatschows Doppelspiel sei für ihn eine bittere Enttäuschung gewesen, sagte Krenz weiter.

    In dem 1993 in Deutschland herausgegebenen Buch Gorbatschows "Gipfelgespräche. Geheime Protokolle aus meiner Amtszeit" gibt es nach Krenz' Worten nichts zu seinem Treffen mit Gorbatschow vom 1. November. Gorbatschows Vision der DDR habe sich bereits damals so stark verändert, als ob es einen solchen Verbündeten nie gegeben habe. Zudem sei (Bundeskanzler) Helmut Kohl, der Gorbatschow 1986 mit Goebbels verglichen habe, zu seinem neuen Freund geworden.

    Er (Krenz) habe so gedacht: Entweder werde Gorbatschow die Perestroika gelingen oder das Land werde in Chaos versinken. Krenz sagte weiter, er habe es damals nicht für möglich gehalten, dass die Sowjetunion von oben aufgelöst werden könnte. Das Vertrauen zur Sowjetunion sei seine prinzipielle Position gewesen.

    Er kenne Gorbatschows Aussage, dass er jedem sozialistischen Land eine freie Wahl des gesellschaftlichen Systems gewährt habe. Das sei eine populäre Antwort gewesen. Die Vereinigung Deutschlands habe auf der Tagesordnung politischer Diskussionen gestanden. Aber nach dem Mauerfall hätte die Vereinigung auf gleichberechtigter Grundlage und nicht so stattfinden sollen, dass die BRD die DDR einverleibte.

    Krenz erinnerte daran, dass das Schicksal der DDR aufs engste mit dem Schicksal der UdSSR verbunden gewesen sei. Die Informationen, die ihm damals zur Verfügung gestanden hätten, hätten keinen Grund für Gedanken von einem baldigen Ende der Republik gegeben. Er habe nie daran gedacht, sagte der Ex-DDR-Chef.

    Er sei auch mit jenen nicht einverstanden, die behaupteten, dass die DDR selbst für ihren Untergang verantwortlich sei. Es sei nicht nur die DDR allein, die von der politischen Karte der Welt wegradiert worden sei. Die DDR sei Teil eines einheitlichen Ganzen gewesen. Zerstört worden sei das Modell des Sozialismus, das auf einem riesigen Territorium existiert habe", sagte Krenz zum Abschluss.

    Gorbatschow selbst oder seine Vertreter waren am Mittwoch für einen Kommentar nicht zugänglich.

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