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    60. Staatsjubiläum: Chinas Aufstieg erschreckt die Welt - "Gazeta.Ru"

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    Vor zwanzig Jahren versprach SED-Generalsekretär Erich Honecker, die Berliner Mauer werde noch 100 Jahre lang stehen, heißt es im russischen Internetportal "Gazeta.Ru" am Donnerstag.

    MOSKAU, 02. Oktober (RIA Novosti). Vor zwanzig Jahren versprach SED-Generalsekretär Erich Honecker, die Berliner Mauer werde noch 100 Jahre lang stehen, heißt es im russischen Internetportal "Gazeta.Ru" am Donnerstag.

    Wie Fjodor Lukjanow, Chefredakteur der Zeitschrift "Russia in Global Affairs", in seinem Artikel für das Internetportal schreibt, soll der sowjetische Reformer Michail Gorbatschow damals Honecker gesagt haben: "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben". Damit meinte er Reformen. Die Warnung des letzten sowjetischen Parteichefs bewahrheitete sich: Ein Jahr später verschwand die Deutsche Demokratische Republik von Europas Karte.

    Nur dreizehn Monate später zerfiel die UdSSR. Doch China, das im Jahr 1989 die Studentenaktionen auf dem Tiananmen-Platz grausam unterdrückte und sich praktisch mit allen westlichen Staaten - damals schon ihren größten Investoren - verzankt hatte, begeht ihren 60. Jahrestag.

    Der Aufstieg Chinas zu einer weltweit stärksten Macht beweist den Nutzen des Egoismus, der Konzentration auf sich selbst und des Fehlens von Nebenmotiven. Die Volksrepublik strebt nicht nach führenden Positionen und besteht nicht einmal auf der Ausweitung ihres Einflusses. Dennoch akzeptieren die Chinesen keine äußeren Beschränkungen, weil sie selbstständig die eigenen Ambitionen beschränken und nur Anspruch auf Zustehendes erheben.

    China hat keinen Kalten Krieg verloren und stand nach der Herstellung der Beziehungen zu den USA Anfang der 70er Jahre eigentlich auf Seiten der künftigen Sieger. Die Chinesen haben keinen Grund zu Minderwertigkeitskomplexen - sehr im Unterschied zu Russland, das Territorien und die ideologischen Grundlagen eingebüßt hat.

    In den vergangenen zwanzig Jahren hat Peking vieles gewonnen. Neben Hongkong und Macao sind das auch die einst umstrittenen Gebiete, die nach einer diplomatischen Regelung der Konflikte mit Kirgisien und Russland hinzukamen. Kaum jemand zweifelt, dass in 20 bis 25 Jahren ein Friedensschluss zwischen China und Taiwan stattfinden wird.

    Bisweilen scheint es, dass andere Mächte, die China fürchten, ihm unbewusst die eigene Verhaltenslogik zuschreiben: was sie an seiner Stelle tun würden. Chinas Außenpolitik verkörpert in der Praxis das, was die von Russland jetzt lediglich deklariert: Förderung der Entwicklung im Inland als Ziel der internationalen Tätigkeit. Darin gibt es keinen Platz für einen einhergehenden Messianismus oder die Überwindung der eigenen Komplexe auf Kosten anderer.

    Doch wenn sich das heutige Wachstumstempo erhält, wird es China nicht gelingen, einer Konfrontation auszuweichen. Denn das Verhalten der anderen Teilnehmer der internationalen Beziehungen wird nicht durch Pekings wahre (und sei es noch so gut gemeinte) Absichten bestimmt werden, sondern durch das Streben, sein gewaltiges Potenzial um jeden Preis in ein Verhältnis zu den Anderen zu bringen. Sehr möglich, dass Chinas nächster Jahrestag in einer ganz anderen Situation begangen wird.

     

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