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    Luschkow zieht den Kürzeren im Streit um Stalin-Plakate bei Siegesfeier - Russlands Presse

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    65. Jahrestag des Sieges im Großen Vaterländischen Krieg (62)
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    Nach heftigen Debatten wird auf die Verwendung von Stalin-Symbolen bei den Feierlichkeiten zum 65. Jahrestag des Sieges verzichtet, berichten russische Zeitungen am Mittwoch.

    MOSKAU, 24. März (RIA Novosti). Nach heftigen Debatten wird auf die Verwendung von Stalin-Symbolen bei den Feierlichkeiten zum 65. Jahrestag des Sieges verzichtet, berichten russische Zeitungen am Mittwoch.

    „So etwas (Stalin-Plakate) hat es sogar in Sowjetzeiten nicht gegeben", sagte eine Quelle aus dem Organisationskomitee. Die Veranstalter der Siegesfeier baten die Behörden in den Regionen, auf Stalin-Plakate zu verzichten. Dies bezieht sich vor allem auf Moskau, wo Konterfeis des „Führers der Völker" neben anderen feierlichen Symbolen in den Straßen aufgehängt werden sollen.

    „Ich begrüße den Verzicht auf diese verrückte Idee. Man muss jedoch die Gründe dieser Entscheidung verstehen", betonte Arseni Roginski, Chef der Menschenrechtsorganisation Memorial. Man könne kaum glauben, dass Moskau den öffentlichen Stimmen Gehör geschenkt habe, so Roginski.

    Die entscheidende Rolle sollen Aussagen von Regierungsvertretern und Spitzenpolitikern der Kreml-Partei „Geeintes Russland" gespielt haben. „Diese Äußerungen kamen nicht grundlos. Auch Gryslows Erklärung, `Stalin sei für Millionen Opfer verantwortlich´, wurde selbstverständlich von den russischen Spitzenpolitikern gebilligt", so Roginski.

    Der Bürgerrechtler erinnerte daran, dass Moskaus Oberbürgermeister Juri Luschkow sogar nach der Aufforderung Gryslows, auf die Stalin-Plakate zu verzichten, weiter vehement diese Idee unterstützte. Dabei begründete er seine Position mit der Notwendigkeit, die historische Gerechtigkeit wiederherzustellen. „Wenn dies jedoch nicht gemacht wird, wird es bedeuten, dass die Entscheidung ganz oben getroffen wurde", stellte Roginski fest.

    „Auf der einen Seite haben sich die Gegner dieser Idee zusammengetan, auf der anderen Seite deren Befürworter. Die jetzige russische Regierung mag es nicht, wenn sich Bürger sich für etwas zusammenschließen. Sie waren formal mit den Schritten Luschkows unzufrieden. Tatsächlich kritisierten sie die Zentralmacht", schlussfolgerte Roginski.

    Dennoch waren einige Veteranen des Zweiten Weltkriegs wegen des Verzichts auf die Stalin-Plakate enttäuscht. „Für mich ist der Sieg im Großen Vaterländischen Krieg mit dem Namen Stalin verbunden", sagte Sinaida Iwanowa, Überlebende der Leningrad-Blockade. „Deswegen kann ich mich darüber nicht freuen, dass Moskau auf die Idee verzichtet hat, die Straßen mit seinen Konterfeis zu schmücken. Diese Entscheidung wurde aber getroffen und das heißt, es muss so sein. Ich werde mich darüber nicht beklagen."

    Nikita Belych, Gouverneur des Gebiets Kirow, meckerte in seinem Internetblog, dass die Behörden keine formalen Gründe haben, um die Stalin-Bilder zu verbieten. „Was derzeit passiert, ist das Ergebnis der fehlenden Position der Gesellschaft und des Staates", so Belych.     

    Quellen: „Gaseta", „Kommersant" vom 24.03.10

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