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    Ausnahmezustand in Kirgistan verlängert - Trotzdem weiter Chaos - „Nesawissimaja Gaseta"

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    Der Ausnahmezustand in der von ethnischen Konflikten erschütterten südkirgisischen Stadt Osch ist bis zum 25. Juni verlängert worden, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta" am Montag.

    MOSKAU, 21. Juni (RIA Novosti). Der Ausnahmezustand in der von ethnischen Konflikten erschütterten südkirgisischen Stadt Osch ist bis zum 25. Juni verlängert worden, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta" am Montag.

    Interimsregierungschefin Rosa Otunbajewa erklärte, die Situation sei unter Kontrolle und keine Gewalttaten seien mehr zu erwarten. Die Stadteinwohner sind allerdings anderer Meinung. Sie behaupten, dass der Volksentscheid, gegen den fast alle Kirgisen sind, die Gewalt wieder anfachen könne.

    In der Hauptstadt Bischkek sind Gerüchte über neue Gewaltaktionen im Umlauf. Die Bürger sind von der Regierung enttäuscht und treffen Maßnehmen, um sich auf eigene Faust zu schützen. Die Behörden haben nichts getan, um Krawalle zu verhüten, sagte Bischkeker Geschäftsmann, der ungenannt bleiben wollte, der „Nesawissimaja Gaseta". Auch jetzt wolle niemand einen Finger rühren, sagte er. „Die professionellen Plünderer, die in Osch ihr Unwesen trieben und wieder einmal ungeschoren davongekommen sind, sind bereits auf dem Weg in die Hauptstadt. Wir müssen uns selber um unsere Geschäfte, unsere Häuser und Familien kümmern", sagte er.

    Nach UN-Angaben haben mehr als eine Million Kirgisen während des ethnischen Konflikts in Mitleidenschaft gezogen. Sie brauchen dringend Trinkwasser, Lebensmittel und Medikamente. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte, dass Kirgistan Hilfsgüter in Höhe von 71 Millionen Dollar brauche.

    Doch die Hilfsgüter könnten die Bedürftigen nicht immer erreichen können. Das sagte Toktajym Umetalijewa, Leiterin des NGO-Verbandes und Mitglied der Verfassungskonferenz. Im Süden der zentralasiatischen Republik herrsche komplette Anarchie, sagte Umetalijewa. „Die Vertreter der lokalen Behörden sind gespalten und können sich über nichts einigen. Die Stadtverwaltung von Osch sabotiert den Empfang und die Verteilung der Hilfsgüter. Wir haben gesehen, dass Hilfsgüter auf den Märkten verkauft werden", sagte Umetalijewa. Sie ist überzeugt, dass die Regierungs- und staatliche Strukturen nicht für die Ausgabe der Hilfsgüter verantwortlich sein dürfen.

    Sie sagte auch, dass Sondereinsatztruppen zur Verteidigung der Bürger nach Osch entsandt worden seien. Doch das könne zur Destabilisierung führen: Viele der Soldaten seien zivil gekleidet. Wenn sie Militäruniform tragen, dann in der Regel ohne Dienstabzeichen. „Es ist schwer zu erkennen, wer zu welcher Struktur gehört. Wer sind sie - Soldaten oder Plünderer?" fragte Umetalijewa.

    Sie wies darauf hin, dass die Interimsregierung die Demobilisierung verkündet und Waffen verteilt habe. Jetzt sei unklar, in welche Hände diese Waffen gefallen seien und wo die nächsten Schüsse fallen werden. Das derzeitige Vorgehen der Interimsregierung sei kaum dazu geeignet, den Frieden und das Vertrauen des Volkes in Kürze zurück zu gewinnen, sagte die NGO-Verbandschefin.

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