23:39 22 Oktober 2018
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    Russen träumen von einem Russland ohne Korruption und Vetternwirtschaft - „Wedomosti“

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    Das russische Meinungsforschungszentrum „Lewada“ hat vor kurzem eine Umfrage über die Grundlagen der Staatsmacht gemacht, schreibt die Zeitung „Wedomosti“ am Dienstag.

    Das russische Meinungsforschungszentrum „Lewada“ hat vor kurzem eine Umfrage über die Grundlagen der Staatsmacht gemacht, schreibt die Zeitung „Wedomosti“ am Dienstag.

    Insgesamt wurden 18 Antworten vorgeschlagen. Die Befragten konnten mehrere davon ankreuzen. Die Antworten waren auf der Grundlage von früheren Umfragen zum gleichen Thema formuliert worden. Die Varianten scheinen die meisten existierenden Meinungen zu umfassen, denn nur fünf Prozent der Befragten formulierten ihre Antworten anders und weniger als ein Prozent der Befragten weigerten sich, die Frage zu beantworten.

    Die Antworten sind an sich interessant, doch was sie noch interessanter macht, ist die Kombination mit einer anderen Frage, die gleich danach gestellt wurde: „Auf welchen Grundlagen sollte die Staatsmacht in einem Land beruhen, in dem Sie gern leben würden?“ Bei dieser Frage hatten die Teilnehmer dieselbe Antwortauswahl wie bei der ersten.

    Für ihr Traumland wünschen sich die Russen „Einhaltung der Verfassung“ (51 Prozent) und „ein Staatssystem, das im Interesse der Gesellschaft geschaffen wurde und funktioniert“ (46 Prozent). In Russland hingegen beruhe die Staatsmacht auf einer „Vetternwirtschaft und auf der Korruption der Beamten“ (33 Prozent), auf der „ganzen Wucht der Staatsmaschinerie, die nur in den Interessen der Machtinhaber handelt“ (30 Prozent) sowie auf „Menschen, die nur aufgrund ihrer persönlichen Ergebenheit an ihre Posten gekommen sind“ (21 Prozent). Etwa 14 Prozent gaben an, dass die russischen Behörden sich auf „Einhaltung der Verfassung“ stützen.

    Die anderen Antworten weisen auf dieselbe Kluft zwischen Wunschdenken und Realität. Fast ein Viertel der Bürger (23 Prozent) ist unzufrieden, dass die Behörden nicht von der Gesellschaft kontrolliert werden und die Gesetze missachten. Im „Traum-Russland“ darf es so etwas natürlich nicht geben. Dort soll die Macht von der Gesellschaft kontrolliert werden und die Gesetze einhalten (30 Prozent). Die Antwort über „freie Menschen, die ihrer Interessen bewusst sind und sie verteidigen können“ klingt ernüchternd. Im idealen Russland würden sie zu den fünf wichtigsten Stützen der Macht gehören. In der Realität stellen sie die freien“ Menschen“ auf den 13. Platz. Die Trennung der Gewalten findet sich unter den Top Ten der Antworten für ein ideales Land wieder, im realen Leben wird dieser Grundsatz auf den letzten Platz gesetzt.

    Die Mitarbeiter des Lewada-Zentrums werden oft gefragt, ob die Behörden ihre Angaben bei den Antworten nutzen. Das sagen die Bürger dazu: Allein fünf Prozent der Russen haben die Meinung geäußert, dass die russischen Behörden die Unterstützung der öffentlichen Meinung genießen. 15 Prozent sagen hingegen, dass die Behörden die öffentliche Meinung manipulieren.

    Die Vertreter der Regierung (jedenfalls der kleine Teil, der an der Umfrage teilgenommen hat) teilen die Einschätzung des von ihnen regierten Volkes offenbar nicht. Doch ihre Position ist auch sehr aufschlussreich. Im Gegensatz zu den einfachen Bürgern halten sie nicht die Allmächtigkeit der Beamten und die Vetternwirtschaft unter ihnen für das wichtigste Kennzeichen des heutigen russischen Staates, sondern die Abhängigkeit aller Machtorgane und der dazugehörigen Beamten vom Staatschef (43 Prozent). Im idealen Land setzen sie nicht die regierende Person, sondern „ein Staatssystem, das im Interesse der Gesellschaft funktioniert“ an die erste Stelle (42 Prozent). Weniger als sechs Prozent der Beamten würden im Idealfall gerne von einer Person, selbst von der Nummer Eins im Lande, abhängen.

     

     

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