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    Großes Stühlerücken in der russischen Provinz - "Rossijskaja Gaseta"

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    Russlands Präsident Dmitri Medwedew hat damit begonnen, im großen Stil die Regional- und Republikchefs auszuwechseln, stellt die Zeitung "Rossijskaja Gaseta" am Dienstag fest.

    MOSKAU, 10. August (RIA Novosti).  Russlands Präsident Dmitri Medwedew hat damit begonnen, im großen Stil die Regional- und Republikchefs auszuwechseln, stellt die Zeitung "Rossijskaja Gaseta" am Dienstag fest.

     

    Medwedew tauschte ein gutes Dutzend Gouverneure und Präsidenten der Teilrepubliken aus. Recht- oder vorzeitig mussten die Präsidenten von Baschkirien, Dagestan, Inguschetien, Karatschaj-Tscherkessien, Karelien, Tatarstan, Tschuwaschien und Jakutien ihre Posten verlassen. Als nächstes sind die Oberhäupter von Mordwinien und Kalmückien an der Reihe, deren Amtszeit demnächst abläuft.

    Auch die Gouverneure der Regionen Krasnojarsk, Stawropol und Chabarowsk, der Gebiete Wolgograd, Irkutsk, Kirow, Murmansk, Orenburg, Orjol, Pskow, Rostow am Don, Swerdlowsk, Tscheljabinsk, der Teilrepublik Chakassien, der Autonomen Bezirke der Chanten und Mansen und der Jamal-Nenzen sowie des Jüdischen Autonomen Gebiets durften nicht ihre Ämter fortsetzen.

    Damit haben etwa 30 Prozent aller Föderationssubjekte in den zwei Jahren der Präsidentschaft Medwedews neue Leiter bekommen. Das ist mehr als in den vergangen zehn Jahren.

     

    Dabei geht es allerdings gar nicht darum, dass Medwedew so „blutrünstig“ ist, sondern darum, dass regionale Oberhäupter zuvor zu selten gewechselt worden waren, so dass manche von ihnen vier oder sogar fünf Amtszeiten an der Macht bleiben durften. Man kann sich aber leicht vorstellen, welchen Status und welches politisches Gewicht ein Gouverneur hat, der an der Spitze seiner Region seit 20 Jahren steht. Das Leben in diesen Föderationssubjekten hat sich seit 20 Jahren von Grund auf geändert. Denn Regionalpolitiker haben die Privatisierung, das „wilde Business“ der 1990er Jahre, die Stabilisierung der Putin-Zeiten und die Modernisierung Präsident Medwedews miterlebt, und das alles an der Machtspitze.

    Vor drei Jahren hatte es unter den Gouverneuren zwölf solche „Dinos“ gegeben, die ihre Regionen seit 1990 bzw. 1991 geleitet hatten. Jetzt gibt es nur noch drei: Leonid Poleschajew (Gebiet Omsk, 70 Jahre), Viktor Kress (Gebiet Tomsk, 61 Jahre) und Juri Lushkow (Oberbürgermeister von Moskau, 73 Jahre).

    Die meisten Gouverneure landen nach dem Rücktritt auf  der „ehrenvollen“ Ersatzbank: im Föderationsrat, der immer mehr nach einem „Club der Ex-Gouverneure“ aussieht.

     

    Die meisten neuen russischen Gouverneure sind anders: Sie sind eher eine Mischung aus Geschäftsmann und Beamter. Normalerweise hatten sie in den 1990er Jahre ihre eigenen Geschäfte und kamen in den 2000ern in die Macht. Sie haben sich als Persönlichkeit durchsetzen müssen. Es war nicht leicht, in den 90ern ein eigenes Geschäft zu gründen, ohne Pleite zu gehen oder ermordet bzw. verhaftet zu werden, und in den 2000ern in die Macht zu kommen. Ein mutloser, dummer Mensch, der kein guter Organisator ist und kein Charisma hat, hätte keine Chance gehabt.

     

    Ein Sonderfall ist Nikita Belych, der Gouverneur des Gebiets Kirow: Er war vor seiner Ernennung nicht nur ein erfolgreicher Unternehmer, sondern auch (der einzige unter den russischen Gouverneuren) der Vorsitzende einer Oppositionspartei, der Union Rechter Kräfte. 

     

    Angesichts dessen kann man feststellen: Trotz der unvermeidlichen Fehler bei der Suche nach Führungskräften werden starke Persönlichkeiten für die Regionen ausgesucht. Bemerkenswert ist, dass nicht nur nahe Freunde von Wladimir Putin und Dmitri Medwedew zu Gouverneuren ernannt werden. Die Wahl fällt auf energische, erfahrene und üblicherweise reiche Personen.

     

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