15:11 15 Dezember 2017
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    Russland gehen die Facharbeiter aus - „RBC Daily“

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    Russischen Hochschulen mit Fachrichtungen, die auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr gefragt sind, droht das Aus, berichtet die Zeitung „RBC Daily“ am Mittwoch.

    Russischen Hochschulen mit Fachrichtungen, die auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr gefragt sind, droht das Aus, berichtet die Zeitung „RBC Daily“ am Mittwoch.

    Wie der russische Präsident Dmitri Medwedew beim Jubiläumstreffen des Staatsrats vorschlug, sollen Fachhochschulen geschlossen werden, deren Absolventen bei den Unternehmen nicht mehr gefragt sind. Vor Beginn des Schuljahrs diskutierten die Teilnehmer über den Facharbeitermangel. Unter anderem wurde vorgeschlagen, dass die Unternehmer Werbefilme wie in Sowjetzeiten drehen sollten, um für Berufe wie Höhen- und Bergwerksarbeiter zu werben.

    Beim Staatsratstreffen im Kreml wurden die amtierenden und ehemaligen Gouverneure eingeladen. An der Sitzung nahm erstmals auch die Kommission für Modernisierung teil. Deswegen kamen ebenfalls Konzernchefs in den Kreml.

    Dennoch war das für die Jubiläumssitzung ausgewählte Thema kaum feierlich. Wie Medwedew einräumte, ist das russische Ausbildungssystem nicht sehr konkurrenzfähig. Laut dem russischen Bildungsminister Andrej Fursenko entsprechen nur 33 Prozent der Hochschulen den Bedürfnissen des Wirtschaft.

    Die Unternehmen haben sich gestern ebenfalls über die Probleme des russischen Ausbildungssystems beschwert. Es gibt zwar bereits Fachkräfte (Erfinder), die Frage bleibt jedoch, wer diese Innovationen fördern werde, sagte Michail Prochorow, Chef der ONEXIM-Gruppe und Mitglied der Kommission für Modernisierung. „Derzeit bekommt man 70 Prozent Spezialisten mit Hochschul-, 20 Prozent mit Oberschul- und zehn Prozent mit Grundschulabschluss. Der Bedarf sieht jedoch ganz anders aus: 80 Prozent Grundschul- und Oberschul-, 20 Prozent mit Hochschulabschluss. Also 50 Prozent der Absolventen bleiben sicher ohne Arbeit“, sagte Prochorow. Zudem kritisierte er die Medien: Im russischen Fernsehen würden die Arbeiterberufe verspottet -  zudem werde deren Ansehen unterschätzt.

    Der Gouverneur des Gebiets Wologda, Wjatscheslaw Posgaljow, zeigte sich ebenfalls besorgt um das Image der Arbeiterberufe. Er erinnerte daran, dass der Sowjetfilm „Die Höhe“ den Beruf des Industriekletterers sehr populär gemacht hatte.

    Laut Vorschlag Prochorows wurde das russische Bildungsministerium beauftragt, das Problem des fehlenden Gleichgewichts zwischen der Fachschulbildung und der Arbeitsgesetzgebung zu analysieren. Heutzutage gehen die Jugendlichen mit 15 oder 16 Jahren auf eine Fachschule und studieren zwei Jahre. Im Westen sind es zwischen sechs und acht Monate. Das Praktikum in Unternehmen kann unter 18 Jahren nicht abgeschlossen werden. „Mit 18 Jahren müssen sie in die Armee gehen. Zwei Jahre später muss man sie erneut ausbilden“, betonte Prochorow. „Falls es solche Einschränkungen gibt, muss man sie verringern“, sagte Medwedew. Der russische Präsident hat entsprechende Behörden beauftragt, sich mit dieser Frage zu befassen.

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