04:57 11 Dezember 2017
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    Ukrainischer Präsident gegen Einmischung von Politikern in Geschichtsschreibung

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    Der ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch hat sich am Mittwoch erneut energisch gegen eine Revision der ukrainischen Geschichte ausgesprochen.

    Der ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch hat sich am Mittwoch erneut energisch gegen eine Revision der ukrainischen Geschichte ausgesprochen.

    „Wir dürfen auf keinen Fall die Geschichte umschreiben. Die Geschichte ist ein Fach, das die Politiker nicht antasten dürfen“, sagte der ukrainische Präsident am Mittwoch vor Journalisten.


    Zu den besonders strittigen Fragen der ukrainischen Geschichte gehören die Hungersnot der 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, die in der Ukraine als Golodomor bezeichnet wird, und die „Orange Revolution“ 2004/2005.

    Janukowitschs Vorgänger, Viktor Juschtschenko, hatte in seiner Amtszeit (2005 bis 2010) mehrmals Erklärungen abgegeben, Golodomor sei ein Genozid am ukrainischen Volk gewesen.
    Der Sicherheitsdienst der Ukraine hatte im Mai 2009 ein Ermittlungsverfahren zum Genozid in den Jahren 1932 bis 1933 eingeleitet, wobei das "totalitäre bolschewistische Regime" unter Stalin des Mordes beschuldigt wurde.

    Die Hungersnot in den Jahren 1932 bis 1933 hatte sämtliche wichtigen Kornkammern der ehemaligen Sowjetunion getroffen: das untere und mittlere Wolgagebiet, die zentrale Schwarzerde-Region, den Nordkaukasus, den Südural, die Krim, Westsibirien sowie Kasachstan, die Ukraine und Weißrussland.

    Nach verschiedenen Angaben sind sieben bis acht Millionen Menschen in multinationalen Gebieten des Landes an Hunger gestorben, darunter drei bis 3,5 Millionen Menschen in der Ukraine, zwei Millionen in Kasachstan und Kirgistan, zwei bis 2,5 Millionen in Russland.


    Eine Reihe von ukrainischen Politikern wertete die Hungersnot jedoch als Genozid am ukrainischen Volk und machte die sowjetischen Behörden dafür verantwortlich.
     
    Nachdem Viktor Janukowitsch die Präsidentenwahl 2010 gewonnen hatte, erklärte er, Golodomor dürfe nicht als Genozid am ukrainischen Volk betrachtet werden, weil diese Tragödie alle Völker des Landes betroffen habe.

    Die ukrainischen Geschichtslehrbücher sollen Janukowitsch zufolge keine Erwähnungen über den Völkermord enthalten. Ab 2010 sind in den Schullehrbüchern auch die Sätze über die „Orange Revolution“ gestrichen, weil es bisher keine eindeutige Einschätzung ihrer Rolle in der Geschichte gibt.

    Nach der Präsidentenwahl 2004 in der Ukraine hatten die Oppositionspolitiker Julia Timoschenko und Viktor Juschtschenko den Wahlsieg ihres Rivalen Viktor Janukowitsch als nicht legitim erklärt. Juschtschenkos Anhänger organisierten landesweit Protestdemos und Streikaktionen.


    Die Leiter der Oppositionsparteien behaupteten, dass bei der Wahl und der Stimmenauszählung Fälschungen zugelassen worden seien. Auf dem Gerichtswege erreichten sie eine Wiederholung der Stichwahl. Diesmal siegte der Präsidentenkandidat Viktor Juschtschenko. Die Entwicklung der Jahre 2004 bis 2005 wurde später als die „Orange Revolution“ bezeichnet.