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16:13 22 September 2019
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    Die Geschichte der Beziehungen zwischen Russland und der Ukraine

    © Sputnik / Alexey Nikolsky © RIA Novosti . S. Solovjev
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    Siebentes Treffen des Internationalen Diskussionsklubs „Waldai“ (21)
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    Vom 9. bis 12. Jahrhundert gehörte der Großteil der Kiewer Rus dem frühfeudalen Altrussischen Staat an. Im 12. Jahrhundert spalteten sich die Fürstentümer Kiew, Tschernigow, Halytsch, Wladimir-Wolhynien und andere selbständige Fürstentümer ab. Ende des 12. Jahrhunderts bildete sich das Fürstentum Halytsch-Wolhynien.

    Vom 9. bis 12. Jahrhundert gehörte der Großteil der Kiewer Rus dem frühfeudalen Altrussischen Staat an. Im 12. Jahrhundert spalteten sich die Fürstentümer Kiew, Tschernigow, Halytsch, Wladimir-Wolhynien und andere selbständige Fürstentümer ab. Ende des 12. Jahrhunderts bildete sich das Fürstentum Halytsch-Wolhynien.

    Im 14. Jahrhundert fiel die Kiewer Rus unter die Herrschaft des Großfürstentums Litauen, Polens und anderer Nachbarländer.

    Im 15. Jahrhundert gab es zwischen Litauen, dem die Ukraine angehörte, und der nordöstlichen Rus keine Staatsbeziehungen, wie sie heute verstanden werden. Gewisse Beziehungen gab es dennoch. Sie wurden vom inneren Kampf unterschiedlicher Fürsten und litauischer Parteien um den außenpolitischen Kurs sowie von den verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen den Fürsten bestimmt.

    1648 bis 1654 endete der Kampf gegen die polnisch-litauische Aggression mit einem Befreiungskrieg des ukrainischen und des weißrussischen Volkes mit Bogdan Chmielnicki an der Spitze und der Vereinigung der Ukraine und Russlands (Vertrag von Perejaslaw). Das Gebiet der Ukraine am linken Dnepr-Ufer wurde als Teil Russlands eine Autonomie (Hetmanat).

    Das Hetmanat musste in seiner Konfrontation mit der mächtigen Rzeczpospolita (Polen-Litauen) Unterstützung bei Dritten suchen. Die Verhandlungen mit Russland hatten den größten Erfolg. 1654 wurde der Rat von Perejaslaw zusammengerufen, der den Moskauer Zaren um Schutz für die Saporoger Kosaken bat. Nach dem Vertrag von Perejaslaw unterstützte das russische Heer den Hetman der Saporoger Kosaken.

    Der Vertrag von Perejaslaw bestand hauptsächlich aus Folgendem. Die ukrainischen Gebiete um Poltawa, Kiew, Tschernigow sowie ein Großteil der Region um Wolhynien und Podolien wurden an den Moskauer Staat unter dem Namen Kleinrussland angeschlossen. Kleinrussland sollte das Zarenheer bei Kriegen unterstützen, der Zar verpflichtete sich, die Ukraine vor Angriffen zu verteidigen. Zeitgenossen und Historiker schätzen den Vertrag von Perejaslaw unterschiedlich ein. Doch alle räumen ein, dass die Ukraine dank diesem Vertrag zum ersten Mal juristisch von Polen-Litauen getrennt und von Russland als autonomes Gebilde anerkannt wurde.

    Nach dem Tod von Bogdan Chmielnicki ließ Hetman Iwan Wyhowski 1658 den Vertrag von Perejaslaw formal platzen und schloss mit Polen-Litauen den Vertrag von Hadjatsch.

    1658 bis 1659 führte der am rechten Ufer des Dnepr gelegene Teil der Ukraine unter Führung Hetmans Krieg gegen Russland. Trotz der Versuche der Ukraine, sich vom russischen Einfluss zu befreien, wurden die ukrainischen Gebiete nach dem Waffenstillstand zu Andrusovo von 1667 und dem Ewigen Frieden von 1686 zwischen Polen-Litauen und Russland aufgeteilt.

    Während des Nordischen Krieges beschloss Hetman Masepa, sich auf die Seite des schwedischen Königs Karl XII. zu schlagen, mit dem Russland Krieg führte. Masepa hoffte auf die Unterstützung der Registerkosaken, unter denen zunehmend Unmut gegen Moskau wuchs. Doch Masepas Versuch, den Schutzherrn der Ukraine Peter I. durch Karl XII. abzulösen, missglückte, weil er weder bei der ukrainischen Bevölkerung noch bei den Kosaken Unterstützung fand.

    In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden die südukrainischen Gebiete aus der türkischen Zwangsherrschaft befreit. Ende des 18. Jahrhunderts wurde der ukrainische Teil am rechten Dnepr-Ufer in Russland eingegliedert. Fast das ganze 18. Jahrhundert hindurch genoss die Ukraine als Teil des Russischen Reichs weitgehende Autonomie. Der letzte Hetman der Ukraine war Kirill Rasumowski.

    Im November 1764 schaffte Zarin Katharina II. das Hetmanat ab. 1775 wurde die Saporoger Sitsch (Sitz der Kosaken) auf ihren Befehl hin zerschlagen. Nach den Aufteilung Polens von 1772 bis 1795 ging Galizien an die österreichische Habsburger-Dynastie über. Der restliche Teil der Ukraine am rechten Dnepr-Ufer ging teilweise ans Russische Reich über.

    Nach dem russisch-türkischen Krieg 1768 bis 1774 wurde das Khanat der Krim von jeglicher fremder Macht für unabhängig erklärt. 1783 wurde es an Russland angeschlossen.

    Während der Regierungszeit des Zaren Alexanders I. (1801-1825) wurde die russische Präsenz von der Armee und der Verwaltung gesichert. In den 1830er Jahren, also während der Regierungszeit von Zar Nikolaus I. (1825-1855), erstreckten sich die russischen Verwaltungsstrukturen auf die ganze Ukraine. Selbst der Begriff Ukraine wurde nahezu nicht benutzt. Der Teil der Ukraine am linken Dnepr-Ufer wurde als Kleinrussland, der am rechten Dnepr-Ufer als Südwestgebiet und die Südukraine als Neurussland bezeichnet.

    Nach der Revolution von 1905 wurden viele Verbote gegen Publikationen in ukrainischer Sprache aufgehoben. Die ukrainischen Aufklärungs- und Bildungsgesellschaften „Prosvita“ entstanden. Im Parlament des Russischen Reichs, der Staatsduma, wurde eine ukrainische Fraktion organisiert, der rund 50 Abgeordnete angehörten.

    Nach der Oktoberrevolution 1917 erlitten die Bolschewiken in der Ukraine und in den traditionellen Siedlungsgebieten der Kosaken, am Don und im Kuban-Gebiet, eine Niederlage. Die ukrainische Regierung begann, vor Ort Verwaltungsstrukturen einzurichten. Alle ethnischen ukrainischen Gebiete sollten dem neuen Staat angehören. Am 7. (20.) November 1917 verkündete die Ukrainische Zentralrada, Parlament des neuen Landes, die Schaffung der Ukrainischen Volksrepublik (UNR). Dazu gehörten die Gebiete Kiew, Tschernigow, Wolhynien, Podolien, Poltawa, Charkow, Jekaterinoslaw, Cherson und Taurien.

    Der dritte Universal (Verordnung) der Zentralrada verkündete den ukrainischen Staat, obwohl darin auch von der Bewahrung der Verbindungen zu Russland die Rede war. Am 25. Januar 1918 verkündete die Rada durch den vierten Universal die Unabhängigkeit der Ukraine und deren Austritt aus dem Bestand Russlands. Doch das Bestehen des ukrainischen Staates von 1917 bis 1920 endete mit der Aufteilung der Ukraine durch Sowjetrussland und Polen. Einige ukrainische Gebiete gingen an die Tschechoslowakei und Rumänien über.

    Beim Ersten Kongress der Sowjets der Ukraine im Dezember 1917 in Charkow wurde die Sowjetregierung der Ukrainischen Volksrepublik geschaffen (der Name Ukrainische Volksrepublik oder UNR blieb bis zum November 1918 bestehen. Diese Regierung rief die sowjetische Ukraine aus und bat die bolschewistische Führung in Moskau um militärische Hilfe. Beim Allukrainischen Kongress der Sowjets im März 1919 in Kiew wurde die Verfassung der „unabhängigen Ukrainischen Sowjetischen Sozialistischen Republik“ verabschiedet. Am 28. Dezember 1920 unterzeichneten die Ukrainische Sowjetrepublik und die Russische Föderation einen „Arbeiter- und Bauern-Bündnisvertrag über militärische und wirtschaftliche Zusammenarbeit“, der die Abhängigkeit der Ukrainischen Sowjetrepublik von der Russischen Föderation untermauerte. Am 30. Dezember 1922 unterzeichneten die Ukrainische Sowjetrepublik, die Weißrussische Sowjetrepublik, die Russische Föderative Sowjetrepublik und die Transkaukasische Sowjetrepublik in Moskau während eines Kongresses der Sowjets einen Vertrag über die Schaffung der Union der Sowjetischen Sozialistischen Republiken (UdSSR).

    Im Oktober 1920 streckte die Rote Armee die Truppen der Gegner der Bolschewiken auf der Krim nieder und schloss die Halbinsel der Russischen Föderation an.

    Die Westukraine wurde nach dem Friedensvertrag von Riga von 1921 an Polen angeschlossen.

    Am 23. August 1939 schlossen die Sowjetunion und Deutschland einen Nichtangriffspakt ab, besser bekannt als Ribbentrop-Molotow-Pakt. Zum Pakt gehörte auch ein geheimes Zusatzprotokoll, das die Einflusssphären von Deutschland und der Sowjetunion in Osteuropa abgrenzte.

    Am 17. September 1939 ließ die Sowjetunion Truppen in Polen einmarschieren. Im Anschluss wurden die östlichen Gebiete Polens an die Sowjetunion angeschlossen. Auf den Territorien, die Teil der Ukrainischen SSR (USSR) wurden, wurden sechs neue Gebiete gebildet. Im November 1940 wurden auch mehrere Kreise in Bessarabien (an der Donaumündung) an die USSR angeschlossen.

    1945 wurde das Gebiet Transkarpatien an die USSR angeschlossen. 1954 wurde die Halbinsel Krim auf Initiative des Generalsekretärs der Kommunistischen Partei, Nikita Chruschtschow, von der Russischen Föderation an die Ukrainische Sowjetrepublik übergeben.

    Am 16. Juli 1990 wurde die Erklärung zur Staatssouveränität der Ukraine verkündet und am 24. August 1991 der Unabhängigkeitsakt vollzogen.

    Am 1. Dezember 1991 verkündete der frisch gewählte ukrainische Präsident Leonid Krawtschuk den Verzicht auf jegliche Bündnisverträge - nicht nur in der Politik, sondern auch in der Wirtschaft.

    Am 14. Februar 1992 nahmen die Ukraine und Russland diplomatische Beziehungen auf.

    Im Mai 1992 weigerte sich Kiew, den Vertrag über kollektive Sicherheit der GUS-Mitgliedsstaaten zu unterzeichnen und an irgendwelchen Militärbündnissen der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten teilzunehmen. (Die Gemeinschaft war aus unabhängigen ehemaligen Sowjetrepubliken entstanden.)

    Seit 1993 betrachtet sich die Ukraine nur noch als ein assoziiertes Mitglied der GUS. Sie verweigerte die Unterzeichnung des Abkommens über die Gründung des staatenübergreifenden Wirtschaftsausschusses, des ersten supranationalen GUS-Gremiums. Auch die Satzung der GUS ratifiziert die Ukraine nicht. Damit verzichtete die Ukraine technisch auf die GUS-Mitgliedschaft.

    Neue Widersprüche trübten das russisch-ukrainische Verhältnis, als Kiew 1997 die GUAM (Georgien, Ukraine, Aserbaidschan, Moldawien) gemeinsam mit anderen früheren Sowjetrepubliken aus der Taufe hob.

    Die Beziehungen zwischen beiden Staaten verschlechterten sich zusehends bis 2005. Als die „orange“ Koalition an die Macht kam, nahm die Ukraine Kurs auf eine EU-Integration. Der WTO-Beitritt 2008 war für die Ukraine größtenteils ein politischer Schritt. Es war für die Ukraine grundsätzlich wichtig, den WTO-Beitritt früher als Russland zu bewerkstelligen.

    Auch die so genannten Gaskonflikte zwischen Russland und der Ukraine (1993, 2005-2006, 2007-2008, 2008-2009) waren alles andere als ein Grund für eine Entspannung in den Beziehungen.

    Die russisch-ukrainischen Beziehungen verschlechterten sich weiter nach der Unterzeichnung der Erklärung zur Modernisierung des ukrainischen Gastransportsystems durch Vertreter der Ukraine, der Europäischen Kommission und dreier internationaler Banken, doch ohne Russland.

    2009 schrieb der russische Präsident Dmitri Medwedew einen Brief an seinen damaligen ukrainischen Amtskollegen Viktor Juschtschenko, in dem er seine große Besorgnis über den Zustand und das Niveau der Beziehungen zwischen Moskau und Kiew ausdrückte. Vor allem ging es um die politischen Beziehungen, deren Zustand die ukrainische Führung bewusst herbeiführte.

    2010 (nach der Wahl Viktor Janukowitschs zum neuen Präsidenten) nahmen Russland und die Ukraine den intensiven politischen Dialog auf. Im April 2010 wurden die Abkommen von Charkow abgeschlossen, laut denen der Stützpunkt der russischen Flotte in Sewastopol bis mindestens 2042 erhalten bleibt und die Ukraine russisches Erdgas zu Rabattpreisen bekommt. Im Juli sagte der ukrainische Regierungschef, dass Verhandlungen zur Schaffung eines Gastransportkonsortiums zwischen der Ukraine, der EU und Russland geführt werden.

    Den gegenwärtigen Beziehungen zwischen Moskau und Kiew liegen zwei Dokumente zugrunde. Erstens geht es um den Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und Partnerschaft vom 31. Mai 1997, der am 1. Oktober 2008 automatisch im zehn Jahre verlängert wurde. Zweitens geht es um das Programm der Wirtschaftszusammenarbeit zwischen Russland und der Ukraine von 2008 bis 2010. Auch andere Dokumente sind für die bilateralen Beziehungen von Bedeutung.

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