21:12 13 Dezember 2018
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    Ukraine gedenkt der Opfer der Hungersnot in den 1930er Jahren

    Ukraine gedenkt der Opfer der Hungersnot in den 1930er Jahren

    © Sputnik / Grigory Wasilenko © RIA Novosti . Sergey Starostenko
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    Die Ukraine gedenkt am heutigen Samstag der Opfer des Holodomor (ukr. für „Hungersterben“, russ. Golodomor). Die große Hungersnot von 1932 bis 1933 forderte Millionen von Menschenleben.

    Die Ukraine gedenkt am heutigen Samstag der Opfer des Holodomor (ukr. für „Hungersterben“, russ. Golodomor). Die große Hungersnot von 1932 bis 1933 forderte Millionen von Menschenleben.

    Jedes Jahr werden in der Ukraine am letzten Samstag im November Gedenkfeiern für die Opfer des Golodomor veranstaltet. Während der diesjährigen Trauerfeierlichkeiten legte Präsident Janukowitsch in Kiew einen Kranz aus Weizenähren an der Gedenkstätte für die Opfer der Hungersnot nieder und zündete eine Kerze an. Mit einer Schweigeminute gedachten der Präsident Viktor Janukowitsch und Premier Nikolai Asarow der Landsleute, die zu Tode gekommen waren. Zuvor hatten Janukowitsch und Asarow an einer Totenmesse teilgenommen, die Metropolit Wladimir, das Oberhaupt der Ukrainischen Orthodoxen Kirche, zelebrierte.

    Die Hungersnot von 1932 bis 1933 hatte die Hauptkornkammern der Sowjetunion erfasst - die Ukraine, den Nordkaukasus, das untere und mittlere Wolgagebiet, einen Großteil der zentralen Schwarzerde-Region, die Krim, Kasachstan, Weißrussland, Westsibirien und den südlichen Ural. Verschiedene Quellen gehen von Opferzahlen zwischen sieben und acht Millionen Menschen aus, davon drei bis dreieinhalb Millionen in der Ukraine, zwei Millionen in Kasachstan und Kirgistan, und zwei bis zweieinhalb Millionen in der RSFSR (Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik).

    Der frühere ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko machte die sowjetischen Behörden für die Geschehnisse verantwortlich und wollte vor der Weltgemeinschaft eine Anerkennung des Holodomor als Genozid am ukrainischen Volk erreichen. Die Idee stieß allerdings auf keine breite Unterstützung, da Russland vehement dagegen auftrat. Der amtierende Staatschef Viktor Janukowitsch hingegen hat im April diesen Jahres während einem Treffen der Parlamentarischen Versammlung des Europarats (PACE) mitgeteilt, eine Anerkennung des Holodomor als Völkermord an der einen oder anderen Nation wäre ungerecht, da es sich um eine gemeinsame Tragödie der betroffenen ehemaligen Sowjetländer handle.

    Ein Gesetz aus dem Jahr 2006 wurde zur Begründung einer Klage gegen Janukowitsch wegen „Leugnung des Genozids“, die ein Vertreter der Partei „Volksbewegung der Ukraine“ (Narodny Ruch Ukrainy, NRU), bei einem Kiewer Gericht einreichte. Die Werchowna Rada (das ukrainische Parlament), in der 2006 mehrheitlich Juschtschenko-Anhänger vertreten waren, hatte die Hungersnot in den Jahren 1932 und 1933 als Genozid am ukrainischen Volk anerkannt. Die Weigerung Janukowitschs in Straßburg, den Holodomor als Völkermord zu bezeichnen, stelle eine Herabwürdigung des Hungertodes von Millionen Menschen dar, argumentierte der Kläger, der von der Opposition unterstützt wurde, und forderte vom nunmehrigen Staatschef eine Entschuldigung vor ihm persönlich und vor dem ukrainischen Volk. Die Verhandlung wurde auf unbestimmte Zeit verschoben.

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