04:25 18 Oktober 2018
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    Chodorkowskis Neujahrswünsche an Putin: mehr Herz und Toleranz – „Nesawissimaja“

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    Prozess gegen Michail Chodorkowski (218)
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    Von seinem Mitgefühl mit Wladimir Putin, das Michail Chodorkowski beim Anschauen des diesjährigen mehrstündigen „Live-Gesprächs mit den Landsleuten“ des Premiers im Fernsehen empfunden hat, schreibt der in Haft befindliche Ex-Oligarch am heutigen Freitag in der Nesawissimaja Gaseta.

    Von seinem Mitgefühl mit Wladimir Putin, das Michail Chodorkowski beim Anschauen des diesjährigen mehrstündigen „Live-Gesprächs mit den Landsleuten“ des Premiers im Fernsehen empfunden hat, schreibt der in Haft befindliche Ex-Oligarch am heutigen Freitag in der Nesawissimaja Gaseta.

    Wie der Ex-Chef des Ölkonzerns Yukos verrät, habe ihm „dieser nicht mehr junge Mann leid getan, der so munter und zugleich so einsam ist im Angesicht des endlosen und erbarmungslosen Landes“.

    „Es fällt auf: Er kann sich von dem untragbar gewordenen ‚Ruder’ der von ihm selbst gebauten ‚Galeere’ nicht mehr loslösen.  Einer Galeere, die gefühllos über Menschenschicksale schwimmt, einer Galeere, auf der Russlands Bürgern immer häufiger die schwarze Piratenflagge vorschwebt“, schreibt Chodorkowski, der momentan eine achtjährige Haftstrafe „wegen Betrug und Steuerhinterziehung“ abbüßt.

    „Mit ihm hat in der ‚Live’-Sendung niemand polemisiert – das ‚Format’ war dafür nicht geeignet. Aber auch er hat nicht uns, sondern sich selbst zu überreden versucht – dass er in allem recht hat… Dabei war er sich aber, da er kein dummer Mensch ist, über alles absolut im Klaren.

    Er brüllte gewohnheitsmäßig auf die Opposition, die ‚das Land ausrauben wird, sollte sie an die Macht kommen’, in seinem grau gewordenen Kopf schwebte dabei zweifellos der Gedanke: ‚Nicht unter ‚denen’, sondern unter mir hat sich die Korruption verzehnfacht. Nicht unter ‚denen’, sondern unter mir sind die Bürokraten an der Macht zum reichsten Stand Russlands geworden.’“

    Nach seiner Stellungnahme zu den jüngsten Krawallen in  Moskau und anderen Städten gefragt, habe Putin „gewohnheitsmäßig seinen ‚stählernen Blick’ eingeschaltet und traditionell grob über die ‚bärtigen Demokraten’ gespöttelt… Sich selbst kann man aber nicht irreführen. Die tausenden und abertausenden wild gewordenen Halbstarken sind ein viel zu markantes Signal: Unsere Kinder sehen keine Lebensperspektiven für sich. Dies ist ein bedrohliches und offensichtliches Resultat der putinschen ‚Stabilität’… Sie sind unsere Zukunft, aber auch unser Leid und das tragischste Ergebnis des Jahrzehnts, in dem sich ‚Russland von den Knien erhoben’ habe, wo es Geld gibt, aber kein Mitgefühl…“

    „Er versteht das alles, wahrt aber das Gesicht“, so Chodorkowski. „Er sagt selbst, er ‚schämt sich nicht’. Das ist schon gut so. Wir müssen uns schämen. Denn es waren wir, die uns selbst, ihm und ihnen erlaubt haben, so brutal zu werden.“

    „Die Liebe zu Hunden ist das einzige aufrichtige und gute Gefühl, das durch den eisigen Panzerschild des ‚nationalen Symbols’ der 2000-er Jahre durchdringt. Die Liebe zu Hunden – wie auch die Liebe zum Fußball bei diesen Kindern, die ihnen die Liebe zu den Menschen ersetzt hat.“

    „’Alle haben Angst vor Ihnen’ – dieses schreckliche Kompliment erklang vom Bildschirm. Haben wir es nötig, dass Russland wieder auf Grausamkeit aufgebaut wird?“

    Im Vorfeld der Feiertage „wünsche ich Putin Herzensgüte und Toleranz, damit er nicht gefürchtet, sondern geliebt wird“, so Chodorkowski. „Vielleicht nicht von allen, dafür aufrichtig und uneigennützig. Und nicht nur von Hunden. Dies wäre sein echtes Glück.“

    „Unser Land werden wir aber auch selbst herrichten. Ohne Wut und Zähneknirschen. Ohne ausgedachte Feinde und ohne die habgierige ‚Vertikale’. Wir alle zusammen – für unsere Kinder und Enkelkinder. Das schaffen wir auch. Denn wir sind ein Volk – und Russland gehört uns“,  heißt es im Beitrag abschließend.

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